Ambitioniertes WG-Projekt

Wo Senioren trotz Demenz in Gemeinschaft würdig wohnen

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Krankenhausatmosphäre werde das Wohnhaus nach dem Umbau nicht ausstrahlen, versichert Benjamin Schmutte, der in Kirchseelte eine Senioren-WG mit Rundumbetreuung realisiert.

Kirchseelte - Von Jürgen Bohlken. Spätestens im Juli soll das ehemalige Haus eines Tischlermeisters „Am Holzkamp“ in Kirchseelte, das Benjamin Schmutte gekauft hat, umgebaut sein.

Ehe dort bis zu sieben Senioren mit kognitiven Einschränkungen in einer betreuten Wohngemeinschaft leben werden, gibt es aber für mehrere Handwerksfirmen sehr viel zu tun: Barrieren beseitigen, Fahrstuhl einbauen, malen, tapezieren... Da kommt einiges zusammen. Übrigens auch an Kosten für den Eigentümer: Der Aufzug schlägt allein mit etwa 20.000 bis 25.000 Euro zu Buche.

Als examinierter Altenpfleger kennt der 29-jährige Schmutte aus Stuhr-Varrel, der im familiengeführten Pflegedienst „Felicitas“ tätig ist, die Nöte alternder Menschen. Ebenso die brennende Frage: „Was wird aus mir, wenn ich mich nicht mehr selbst versorgen kann?“ Er weiß um die Angst, die eigene häusliche Umgebung womöglich gegen ein Dasein in krankenhausähnlicher Umgebung eintauschen zu müssen. Und nur allzu vertraut sind ihm die besonderen Probleme von Menschen mit kognitiven Einschränkungen bis hin zur demenziellen Erkrankung – sowie die ihrer Angehörigen.

Eine Alternative zum Seniorenheim

Solchen Betroffenen bietet er nun unter dem organisatorischen Dach der von ihm gegründeten „Visit Betreuungsagentur“ eine Alternative zum Seniorenheim, die er für „die beste“ hält: Mit dem Umbau des Wohnhauses in Kirchseelte, wo 230 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stehen, realisiert er eine Senioren-WG. „Professionell geschultes Personal“ werde die künftigen Bewohner im Schichtdienst 24 Stunden täglich betreuen – „in würdevoller und familiärer Umgebung“. Die ambulante Pflege übernehme „Felicitas“.

Das Gesamtpaket kostet den Bewohner monatlich nach Abzug der Leistungen der Pflegekasse und weiterer Zuschüsse unterm Strich 1199,50 Euro, und zwar unabhängig vom Pflegegrad. Dieser Eigenanteil klingt im ersten Moment happig, aber der Schein trügt. Inbegriffen in dem Leistungspaket ist nämlich einfach alles – von der Miete über Betreuung und Pflege bis hin zur Vollverpflegung. In den häuslichen „vier Wänden“ muss sich der Senior oder die Seniorin ja auch mit Lebensmitteln eindecken und Miete zahlen, sofern die bewohnte Immobilie nicht die eigene ist. Da kommen ganz schnell 600 oder gar 700 Euro zusammen – allerdings ohne dass Betreuung und Pflege inklusive wären.

„Mehr Lebensqualität als im Heim“

Benjamin Schmutte erzählt, eine der künftigen Bewohnerinnen, Frau K. (sie möchte nicht mit vollem Namen genannt werden), fiebere dem Einzug in die WG schon regelrecht entgegen. „Sie ist leicht dement. Ihre Familie hatte sich große Sorgen um ihre zukünftige Wohnsituation gemacht. Als ich von dem Projekt erzählte, waren alle sofort begeistert. Vor allem der Sohn, weiß er doch jetzt, dass seine Mutter künftig in Kirchseelte nicht nur in einem schönen, sondern auch sicheren und gut betreuten Wohnumfeld lebt. Ich freue mich sehr für die Familie, dass es klappt.“

Es werde „keine Krankenhausatmosphäre geben“, sichert Schmutte zu. „Jeder private Wohnraum wird etwa 15 Quadratmeter groß sein. Jeder Bewohner bringt seine eigenen, ihm vertrauten Möbel mit.“ Allerdings werde nicht jeder einen eigenen Nassbereich haben. Stattdessen stünden vier Bäder „für alle“ zur Verfügung. Die Praxis zeige, so Schmutte, dass es beim Waschen oft Unterstützungsbedarf gebe. Und gerade bei einer Demenz, je nach Grad der Erkrankung, könne „ein eigenes Badezimmer auch zum Sicherheitsrisiko werden.“ So erkläre sich der ganz bewusste Verzicht darauf. Das 60 Quadratmeter große Wohn- und Esszimmer im Erdgeschoss werde voll möbliert und eigne sich dann auch zum Verweilen mit den Angehörigen, erläutert Benjamin Schmutte. Gerichte aus der Großküche kämen nicht auf den Tisch. Stattdessen bereite ein Betreuer die Mahlzeiten frisch in der hauseigenen Küche zu. „Oder aber die Bewohner kochen gemeinsam – ganz nach Lust und Laune. Eben wie es in einer WG üblich ist.“ Die Essenszeiten würden flexibel den Wünschen der Hausgemeinschaft angepasst.

„Ein Gesamtpaket mit mehr Lebensqualität als in einer stationären Einrichtung“ will Schmutte den Senioren bieten. Dazu trügen auch der kleine Nutzgarten auf dem 1000-Quadratmeter-Grundstück und die Terrasse bei. Letztere ist bereits vorhanden, soll aber vergrößert werden. Noch gibt es freie Plätze in der künftigen WG.

www.visit-betreuung.de

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