Deutlich weniger Unfälle

Samtgemeindefeuerwehr: Beim Thema Hygiene in der Findungsphase

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Frank Bollhorst und Christian Bahrs (v.l.) am und im alten LF 8 der Feuerwehr Beckeln. Das Fahrzeug ist zwar noch fahr- und einsatzfähig, genügt den heutigen Anforderungen nach Darstellung der Brandschützer aber nicht mehr. Ein LF 10 soll kommen, muss aber noch bestellt werden.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Einsatzbekleidung in 120-facher Ausführung bekommt die Samtgemeindefeuerwehr voraussichtlich im Frühjahr – in genügender Stückzahl, um alle Atemschutzgeräteträger aus ihren Ortswehren damit auszustatten. Auf den nicht mehr schwarzen, sondern sandfarbenen Jacken und Hosen lassen sich dann auch Rußspuren und dergleichen nach Brandeinsätzen besser erkennen. Wird die Kleidung kontaminiert, soll sie zum vorbeugenden Schutz vor gesundheitlichen Schäden noch am Einsatzort abgelegt werden. Zum Wechseln stehen den Atemschutzgeräteträgern Trainingsanzüge zur Verfügung. Sich in irgendwelchen Schuppen oder Garagen in der Nähe von Einsatzorten umzuziehen, scheidet aus verständlichen Gründen auf Dauer als Option aus. Zelte könnten sich dafür anbieten, am besten selbstaufblasbare oder solche, die sich schnell und einfach aufbauen lassen.

Wie genau die „Hygiene“ künftig zum vorbeugenden Schutz vor gesundheitlichen Gefahren zu ihrem Recht kommt, will erst noch abschließend geklärt werden. „Momentan stecken wir in der Findungsphase“, sagte der stellvertretende Gemeindebrandmeister Frank Bollhorst am Donnerstagabend während eines Pressegespräches. Zusammen mit Pressesprecher Christian Bahrs beleuchtete er die Samtgemeindefeuerwehr in Rück- und Ausblick.

Klimawandel fordert seinen Tribut

„Die kontaminierte Einsatzkleidung kommt in Müllbeutel, um dann in den vorgeschriebenen Reinigungskreislauf gebracht zu werden. Momentan greifen wir auf eine Reinigung in Wildeshausen zurück. Das ist der Normalfall. Wird Einsatzkleidung aber mit gefährlichen Partikeln belastet, beispielsweise mit Asbest, so muss sie in eine Spezialreinigung – nach Oldenburg oder Hamburg. Das Reinigen der Gerätschaften, insbesondere der Atemschutzgerätschaften, erfolgt bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Ganderkesee“, erläuterte Bollhorst. Die sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung schon am Einsatzort bedeutet jedenfalls mehr Aufwand für die Brandschützer. Das Thema sei wichtig, sagte Bollhorst, erfordere aber „für eine relative Kleinigkeit viel Personal“. Boxen mit Reinigungsmaterial, Einweghandschuhen, Atemschutz-Staubfiltern und Müllbeuteln habe inzwischen jede Feuerwehr.

Auf lange Sicht aber sollen in der Samtgemeinde Harpstedt die Aufgaben rund um die „Hygiene“ delegiert werden. „Wir stellen uns vor, dass sich eine Ortsfeuerwehr darauf spezialisiert. Oder sogar zwei. Da sind wir uns noch nicht sicher“, so der stellvertretende Gemeindebrandmeister.

Dem Einsatzgeschehen 2019 aus Sicht der Samtgemeindefeuerwehr widmete sich Christian Bahrs. Bei insgesamt 129 Einsätzen, drei weniger als 2018, machte sich die Verlagerung der Baustelle auf der A1 wohltuend  bemerkbar: Mussten die Brandschützer 2018 noch 20-mal zu Verkehrsunfällen (in 16 Fällen mit eingeklemmten Personen) ausrücken, allein zwölfmal auf die A1, so bekamen sie es 2019 mit vier Unfällen zu tun, darunter drei auf der Autobahn.

Der Klimawandel forderte indes abermals seinen Tribut. Die Zahl der Sturmschadeneinsätze stieg von 19 auf 27. Eine Windhose fegte laut Christian Bahrs am 18. Oktober über Beckstedt und legte etliche Bäume flach. Kurzer, aber heftiger Sturm bescherte zeitgleich Brandschützern auch in der Gemeinde Prinzhöfte einiges an Arbeit. In Harpstedt profitierte die Feuerwehr wiederum vom Harvester eines Lohnunternehmers beim Entfernen umgestürzter Bäume. Ein Starkregenereignis, das im August in Delmenhorst reihenweise Keller unter Wasser setzte, erforderte Feuerwehrunterstützung aus den Gemeinden Kirchseelte, Groß Ippener und Prinzhöfte. Moorbrände in Goldenstedt mobilisierten um Ostern herum gleich zweimal die Colnrader Brandschützer. Innerhalb der Samtgemeinde trafen Flächenbrände im heißen Sommer 2019 besonders die Gemeinden Kirchseelte und Beckeln, so Bahrs.

Die Gesamtzahl der Löscheinsätze stieg gegenüber 2018 um neun auf 52. Als Großfeuer entpuppte sich ein Putenstallbrand in Winkelsett. Das an Weihnachten in Flammen stehende – villenartige – Wohnhaus am Forstweg in Wildeshausen rief auch Einsatzkräfte und -fahrzeuge aus der Samtgemeinde auf den Plan.

Die Meldung eines Großfeuers in einer Halle in Groß Köhren, wo zahlreiche Ermittler kurz zuvor, Ende Juni, eine professionelle Cannabis-Plantage beschlagnahmt hatten, habe sich zum Glück nicht bewahrheitet, erläuterte Christian Bahrs. Was dort mit einem Kurzschluss in einem Hausanschlusskasten begann, mutierte zu einer Serie von drei Feuerwehreinsätzen – zwar ohne nennenswerte Schadenslage, aber mit schon etwas mysteriösem Hintergrund.

64 Hilfeleistungen, neun mehr als 2018, bewältigten die vormals sieben und seit Gründung der Stützpunktfeuerwehr Prinzhöfte nun noch sechs Ortswehren in der Samtgemeinde. Diese Einsatzkategorie deckt ein sehr weites Feld ab. Von Türöffnungen über das Beseitigen umgestürzter Bäume bis hin zum Binden von Kraftstoffen reicht das Spektrum. Tierrettungen fallen ebenfalls darunter. Davon gab es 2019 in der Samtgemeinde sogar gleich zwei.

Die Zahl der Fehlalarme sank um vier auf sieben. Unter „Sonstiges“ verbuchte die Samtgemeindefeuerwehr 2019 zwei Einsätze – gegenüber drei im Vorjahr.

Kooperation mit Großleitstelle klappt

Die Zusammenarbeit mit der Großleitstelle Oldenburg funktioniert nach übereinstimmenden Angaben von Bahrs und Bollhorst inzwischen sehr gut. „Irrläufer“ kommen inzwischen selten vor. Bollhorst erinnerte sich nur an einen Fehler der Leitstelle aus 2019: Dabei sei die Feuerwehr Beckeln (statt Harpstedt) alarmiert worden, wegen einer hilflosen Person in einer Wohnung in den Norden des Fleckens zu einer Türöffnung auszurücken.

Im Ausblick kam Frank Bollhorst auch auf Ersatzbeschaffungen zu sprechen. Das neue Löschgruppenfahrzeug (LF 10) für Beckeln sei noch nicht bestellt. Wegen der langen Lieferzeiten werde es in diesem Jahr wohl noch nicht zur Verfügung stehen, ahnte er.

Die Bereitstellung von 270 000 Euro im Haushalt 2020 für ein neues LF für Kirch- und Klosterseelte hatte der Samtgemeinderat im Dezember beschlossen. Hier steht noch nicht fest, ob die Ortsfeuerwehr ein LF  10 bekommt – oder sogar ein besser ausgestattetes Fahrzeug, sofern das zum gleichen Preis zu haben wäre.

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