Museumsdorf Cloppenburg will beim Wiederaufbau des „Steins“ sowohl die Tanzlokal- als auch die Disco-Zeit abbilden

Beglückende Funde aus der Ära Hasselmann

Eine Zeitungsannonce aus dem Jahr 1975. Damals trat auch Peter Maffay im „Stein“ auf.

Harpstedt/Cloppenburg - Von Jürgen Bohlken. Museumsdirektor Dr. Uwe Meiners zeigte sich überzeugt: Ein so ambitioniertes Vorhaben wie die „Umsetzung“ der ehemaligen Harpstedter Dorfdisco „Zum Sonnenstein“ ins Museumsdorf Cloppenburg funktioniert umso besser, „je größer das emotionale Interesse ist“. Und dass es riesig ist, daran ließ er keinen Zweifel.

Den Sachstand und die weitere Realisierung des Projektes schilderten Meiners und die wissenschaftliche Volontärin Eva Geiß am Donnerstag im Harpstedter Hotel „Zur Wasserburg“ vor zahlreichen Interessierten, von denen so einige im Verlauf des Abends ihre Bereitschaft signalisierten, einem „Freundeskreis“ für den „Stein“ beizutreten (siehe Harpstedt-Seite).

„Ich war gestern in Wittmund, um meine Frau von einer Betriebsfeier abzuholen, als mir ganz junge Leute sagten, das Museumsdorf sei sowieso schon toll, aber dass dorthin nun sogar eine Landdisco geholt werden solle, dafür müsste man uns eigentlich jeden Tag dankbar sein“, sagte Meiners. Er erinnerte sich, als er selbst vor zwei Jahren erstmals in der Lokalität war. Harpstedts Gemeindedirektor Ingo Fichter habe „den Schalter umgelegt“, und als „alles so richtig schön beleuchtet war“, sei bei ihm, Meiners, „der Funke übergesprungen“. 

Er habe zu seinem Kollegen gesagt: „Wir setzen alles daran, den ,Sonnenstein' zu erhalten.“ Das Vorhaben, das mindestens 500. 000 Euro koste, werde sich, so zeichne sich ab, finanziell stemmen lassen. Gleichwohl fehle noch Geld. Das sei der Grund, „warum wir heute eingeladen haben“ – um viele Menschen in Harpstedt und Umgebung zur Unterstützung „dieses tollen Projektes“ zu bewegen.

„Es gibt bislang kein anderes Freilichtmuseum in Europa, das eine Diskothek hat“, betonte Meiners das „Alleinstellungsmerkmal“, das mit der „Translozierung“ des „Steins“ nach Cloppenburg geschaffen werde. Die Immobilie werde nach dem Wiederaufbau in Abständen mit Musik und Tanz, auch auftretenden Bands, belebt. Das Gebäude, ein schlichter Klinkerbau, sei nichts Besonderes. „Aber während ein Einfamilienhaus in seiner Existenz vielleicht von 200 Menschen besucht wird, sind es im ,Stein’ bestimmt 100. 000 gewesen.“ Von daher sei die Disco, so Meiners, ein „Identifikationsort unserer Generation“. Zuhörerin Anne Wilke pflichtete bei. Selbst an entlegeneren Reisezielen habe sie schon oft vernommen: „Sonnenstein? Kenn ich!“

Wie kultig der „Stein“ war, ließ eine frühere Zeitungsannonce erahnen, die Eva Geiß an die Wand projizierte. Danach waren dort binnen weniger Tage im Mai 1975 die Rattles, Peter Maffay und die Yankees aufgetreten. Sowohl der Tanzlokal-Ära unter Inhaber Johann Hasselmann als auch der Disco-Ära mit dem Ehepaar Sengstake als Betreiber will das Museumsdorf „abbilden“, wobei die Obergeschosswohnung als Ausstellungsraum in Erwägung gezogen wird. Eva Geiß berichtete von einem beglückenden Fund: Auf dem Dachboden des „Steins“ fand sich eine alte Lampe, die aus dem Clubzimmer des früheren Tanzlokals stammt. Das ließ sich anhand einer alten Ansichtskarte aus Hasselmannscher Zeit nachvollziehen. Auch einige Stühle aus jener Ära existieren noch.

Geiß bemüht sich weiterhin um Zeitzeugnisse, von der Ansichtskarte bis hin zum „geklauten Aschenbecher“, die eventuell eine spätere Ausstellung bereichern könnten. Auch wer als Unterstützer dem Freundeskreis beitreten möchte, kann sich an sie wenden (etwa via Mail an geiss@museumsdorf.de).

In zwei bis drei Wochen wird die wissenschaftliche Volontärin die ersten Termine mit Zeitzeugen wahrnehmen. „Ich freue mich über jeden, der seine Erinnerungen teilen und dazu beitragen möchte, dass wir nicht nur die Geschichte des ,Steins’ dokumentieren, sondern auch Geschichten der Gäste, der Betreiber und all derjenigen, die mit der Disco zu tun hatten.“

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