Bauleitplanung mit unumgänglichen „Pferdefüßen“

Beckeln: Nicht jeder wird „nachverdichten“ dürfen

Der Planungshorizont ergibt sich aus dem Geltungsbereich des alten B-Plans. Skizze: Instara
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Der Planungshorizont ergibt sich aus dem Geltungsbereich des alten B-Plans. Skizze: Instara

Beckeln/Klein Köhren – Einige „Pferdefüße“ bei dem Unterfangen, auch Nichtlandwirten in Beckeln wohnbauliche Nachverdichtung zu ermöglichen, haben sich am Donnerstagabend während der Gemeinderatssitzung im Dorfgemeinschaftshaus Klein Köhren bereits offenbart.

Da wäre zunächst der Geltungsbereich des alten Bebauungsplanes „Beckeln-Ort“ (Nr. 3) aus dem Jahr 1997, der nun überarbeitet wird. Die etwa 26 Hektar geben den Planungshorizont vor. Heißt: Was außerhalb der Umrisse dieses Areals liegt, kann nicht ins Plangebiet „hineinrutschen“. Das schmeckt manchen, die gern direkt angrenzende Flächen bebauen würden, natürlich gar nicht.

Hinzu kommt: Emissionsradien im Zusammenhang mit den wenigen noch bestehenden landwirtschaftlichen Betrieben sind zwingend einzuhalten. Das setzt den Möglichkeiten baulicher Nachverdichtung insbesondere im nördlichen Teil des Geltungsbereiches Grenzen. Obendrein gilt für die Kreis- und Landesstraßenabschnitte, die nicht Teil der Ortsdurchfahrt sind, eine 25 Meter breite Bauverbotszone (ab äußerer Fahrbahnkante); dort dürfen sowohl Haupt- als auch Nebengebäude nicht errichtet werden. Etwaige schon vorhandene Immobilien genießen Bestandsschutz.

Passen zweigeschossige Häuser ins Dorfbild?

Dass sich der von Planer Hans Rhein (Büro „Instara“) erläuterte Vorentwurf, der nun in die frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung gehen soll, im Laufe des vom Rat eingeleiteten B-Plan-Änderungsverfahrens verändert, kann durchaus passieren. Zumeist wollen die differenzierten Dorfgebietsausweisungen (MD), die das Büro „Instara“ vorschlägt, eingeschossige Einfamilien- und Doppelhäuser bei einer Grundflächenzahl von 0,3 ermöglichen. Für drei Flächen schlägt der Planer indes vor, zwei Vollgeschosse und bis zu vier Wohneinheiten je Baukörper zuzulassen.

Da wären mir Spielflächen aber auf den Privatgrundstücken lieber als auf der Straße.“

Cord Remke

Ratsherr Günter Wöbse hegte Zweifel daran, dass zweigeschossige Häuser mit Firsthöhen von teils bis zu neun und teils bis zu zehn Metern ins Dorfbild passen würden, wenngleich es natürlich anzustreben sei, möglichst viel Wohnraum zu schaffen. Sein Ratskollege Cord Remke störte sich hingegen an einer Festsetzung, wonach zwingend zwei Parkplätze pro neu geschaffener Wohneinheit auf den privaten Grundstücken vorzusehen sind. „Da habe ich meine Bedenken. Wir wissen nicht, wie die Verkehrsentwicklung in Zukunft sein wird. Die Schaffung der Parkplätze als Pflicht aufzuerlegen, halte ich für etwas überzogen“, sagte Remke. Der Gedanke dahinter sei, den öffentlichen Verkehrsraum so weit wie möglich frei von Stellplätzen zu halten, um beispielsweise Kindern das gefahrlose Spielen in verkehrsberuhigten Bereichen zu ermöglichen, erwiderte Rhein. „Da wären mir Spielflächen aber auf den Privatgrundstücken lieber als auf der Straße“, entgegnete Remke.

Keine Umweltverträglichkeitsprüfung

Offenbar gibt es ein großes Bürger-Interesse an „Nachverdichtung“. Das zumindest ließ die Anwesenheit von mehr als 20 Einwohnern in der Sitzung erahnen, die sich zwischenzeitlich auch äußern durften. Ursprünglich hatte die Gemeinde Beckeln die Schaffung neuer Bauplätze in Erweiterung des bestehenden Wohngebiets ins Visier genommen. Das Problem: Die dafür benötigten Flächen stehen nicht zur Verfügung. Das sei der Gemeinde eigentümerseitig signalisiert worden, so Günter Wöbse.

Dass nun auf insgesamt 17 Arealen wohnbauliche Nachverdichtung möglich werden soll, ist letztlich das Ergebnis einer ausgesprochen unerfreulichen Entwicklung. Dies ist dem Höfesterben geschuldet, gern auch – wertfrei – „landwirtschaftlicher Strukturwandel“ genannt.

Zur Anwendung kommen darf ein beschleunigtes Bauleitplanverfahren nach §13a des Baugesetzbuches. Gleichwohl wird es zwei Beteiligungsstufen geben. Eine erfolgte „Vorprüfung des Einzelfalls“ habe, so Hans Rhein, ergeben, dass „keine erheblichen Umweltauswirkungen durch diese Planung hervorgerufen werden“. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung erübrige sich.

Vefahrensdauer: „Ein Jahr plus X“

Die voraussichtliche Verfahrensdauer gab der Planer mit „einem Jahr plus X“. Das X steht für Unwägbarkeiten, die sich im Verfahrensverlauf ergeben können – insbesondere als Resultate aus der Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung. Mit dem einstimmig gefassten Aufstellungsbeschluss hat der Rat letztlich das Okay dafür signalisiert, dass sich der Charakter des schon jetzt viel weniger als noch vor einigen Jahrzehnten von der Landwirtschaft geprägten Dorfes weiter verändern wird.  

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