Bauantrag für Umspannwerk am Grenzweg

Familie träfe es doppelt hart

Klein Henstedt - „Seit wenigen Tagen liegt uns ein Bauantrag einer Tochtergesellschaft der Volksbank für das Umspannwerk für die Windenergieanlagen auf Dötlinger Seite vor“, erläuterte Bürgermeister Hans Hermann Lehmkuhl am Dienstagabend während der jüngsten Sitzung des Prinzhöfter Rates in der Horstedter Schützenhalle. Das Bauwerk solle am Grenzweg bei der Familie Ehlers errichtet werden, führte er weiter aus. Im Vorfeld sei die Gemeinde Prinzhöfte darüber in Kenntnis gesetzt worden. Lehmkuhl hat den Vorhabenträger nach eigenem Bekunden darum gebeten, sich zunächst mit der davon betroffenen Klein Henstedter Familie Ehlers in Verbindung zu setzen. Das sei dann auch geschehen. Gleichwohl sei am Grenzweg ein Grundstück erworben worden – und jetzt der Bauantrag gefolgt.

„Wir als Gemeinde sind keine Baugenehmigungsbehörde. Die Zuständigkeit

„Um Rücksichtnahme

gebeten“

liegt beim Landkreis Oldenburg. Wir geben aber eine Stellungnahme zum Bauantrag ab. Für die Nutzung eines Feldweges werden wir vom Bauamt einen Vertrag ausarbeiten lassen. Wir haben außerdem darum gebeten, in Bezug auf Sichtschutz und Ersatzanpflanzungen Rücksicht auf die betroffene Familie zu nehmen. Das wird, so denke ich, der Landkreis auf jeden Fall berücksichtigen“, fuhr Lehmkuhl fort.

Wenn das Umspannwerk tatsächlich an den Grenzweg komme, dann wäre die Familie Ehlers doppelt belastet, zumal in direkter Nähe ja bekanntlich auch die Tennet im Zusammenhang mit dem 380kV-Leitungsbauvorhaben von Ganderkesee zum St. Hülfer Neufeld eine Übergabestation dort vorsehe, gab Rudi Geisler in der Einwohnerfragestunde zu bedenken. „Dann verläuft auf der einen Seite die 380kV- und auf der anderen die bestehende 110kV-Leitung“, ergänzte er.

Ob die Gemeinde Prinzhöfte schon mal die Möglichkeit eines gemeinsamen Umspannwerkes „in der Heide“ (beim Deepen Moor) für die Dötlinger Windenergieanlagen (WEA) und die kommenden Windräder in der Klein Henstedter Heide geprüft habe, hinterfragte Geisler. Er hielt diese Option durchaus für sinnvoll. Der Standort läge, so argumentierte er, nicht mehr in der Nähe des Grenzweges. Außerdem ließen sich Kosten einsparen. „Werden die Windräder in der Henstedter Heide gebaut, müssten ja sonst wahrscheinlich Erdleitungen bis an den Grenzweg geführt werden. Es ist fraglich, ob das technisch machbar ist. Ein Fachmann

„Weitere ,Garage‘

daneben setzen“

hat uns von der Schutzgemeinschaft Klein Henstedter Heide gesagt, zwei große Windparks könnten da gar nicht an die 110kV-Leitung ran“, so Geisler.

Lehmkuhl hat sich dazu nach eigenem Bekunden bereits schlau gemacht. Ergebnis: Das am Grenzweg geplante Bauwerk mit einer Größe von etwa 20 mal drei Metern würde vermutlich für die benötigten Trafos nicht mehr ganz ausreichen, sodass höchstwahrscheinlich für die kommenden WEA in der Klein Henstedter Heide eine weitere „Garage“, also ein weiteres Modul, daneben gesetzt werden müsste; „der Einspeisepunkt aber würde insgesamt ausreichen“, bekräftigte der Bürgermeister.

„Das heißt, die Belastung der Anwohner wird noch größer werden“, schlussfolgerte Geisler. Die Möglichkeiten der Gemeinde, Einfluss zu nehmen, seien nicht sehr groß, bedauerte Lehmkuhl. „Man muss auch die Größenordnung sehen, also das, was auf der andern Seite passiert“, spielte er

„Kürzesten Weg für

Leitungen vorsehen“

auf die ungleich größere Übergabestation der Tennet an. Im Vergleich dazu seien kleinere Umspannwerke in der Art, wie in Simmerhausen bereits vorhanden, „ja gar nicht erwähnenswert“.

Die Einspeisepunkte für die 110kV-Leitung gebe im Übrigen der Energieversorger vor. Ursprünglich sei ein Standort beim alten Umspannwerk avisiert worden. Dort habe der Platz aber nicht ausgereicht.

„Ich bitte den Rat darum, den kürzesten Weg für die Erdleitungen beider Windparkbereiche vorzusehen. Das ist ja auch eine Kosten- und Umweltfrage. Ein gemeinsames Umspannwerk müsste sich machen lassen und wäre am unproblematischsten“, ließ Geisler nicht locker. Eine Antwort, die ihn zufriedenstellte, bekam er nicht.

boh

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