„Filiale darf Hauptstandort nicht gefährden“

Bäckermeister aus Harpstedt wirbt um Verständnis

Vormittags kommt genügend Kundschaft, an den Nachmittagen hingegen nicht. Die Entscheidung, diesem Umstand bei den Öffnungszeiten Rechnung zu tragen, erntet zum Bedauern von Bäckermeister Brück („Bäcker Becker“) nicht nur Verständnis.

Harpstedt - Mit seiner Anfang September an der I. Kirchstraße eröffneten „Bäcker Becker“-Filiale mit Café würde Christian Peter Brück gern auf Dauer in Harpstedt bleiben. Er sei auch durchaus guter Dinge, dass dies gelinge, sagt der 33-Jährige. Noch allerdings läuft die Testphase. 

Vor allem die Umsätze im September und Oktober sollen dem Bäckermeister einen Überblick darüber verschaffen, ob sich die Filiale auf Dauer lohnt oder nicht. Die Monate November und Dezember stünden erfahrungsgemäß bereits im Zeichen der Vorweihnachtszeit. Da ziehe das Geschäft in der Bäckereibranche generell an. „Ich kann diese Monate also nicht so richtig in die Betrachtung einbeziehen, weil die Zahlen das Bild verfälschen würden“, erläutert Brück.

Nur vormittags brummt das Geschäft

Mit der Entscheidung, die Öffnungszeiten in Harpstedt nur wenige Wochen nach der Eröffnung einzuschränken, ist er kürzlich bei einigen Bürgern angeeckt. Das lassen auch Facebook-Kommentare erkennen. Brück beteuert, er wolle gewiss keine Kunden vergraulen; er habe einfach darauf reagieren müssen, dass die „Bäcker Becker“-Filiale an den Vormittagen voll sei, an den Nachmittagen aber nicht. Abends habe Tag für Tag nur unwesentlich weniger Ware in den Regalen gelegen als mittags, „und das spiegelte sich regelmäßig in der Kasse wider“.

Was also tun? An den Öffnungszeiten nicht zu rütteln, hätte das Erfordernis mit sich gebracht, zusätzlich benötigtes Personal einzustellen, sagt der Bäckermeister – „und zwar für Arbeit, die nicht da ist, weil an den Nachmittagen kaum Kundschaft kommt“. Damit aber, so der 33-Jährige, „hätte ich ein moralisches Problem“. Denn das zusätzliche Personal hätte er eben wegen des mageren Nachmittagsgeschäfts voraussichtlich nicht sehr lange beschäftigen können. „Ich möchte die Filiale in Harpstedt schon wahnsinnig gern weiterführen. Sie ist aber für mich aktuell noch ein Projekt. Auch darf sie den Hauptstandort in Delmenhorst nicht gefährden. Ich beschäftige insgesamt 22 Mitarbeiter. Ihnen gegenüber stehe ich in der Verantwortung“, betont Brück.

Brück arbeitet grundsätzlich nicht mit Teigmischungen

Daher hat er schweren Herzens unter der Woche die Nachmittagsöffnungszeiten in Harpstedt gestrichen. Am Sonntag bleibt hingegen alles wie gehabt. „Dann geht ja auch nachmittags noch viel über die Ladentheke“, weiß der Bäckermeister. Er wirbt um Verständnis für die eingeschränkten Öffnungszeiten (jetzt dienstags bis freitags von 6 Uhr bis 12.30 Uhr, sonnabends von 6 bis 12 Uhr sowie sonntags von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr).

Irene Kolb gehört schon zu den Harpstedter Stammkunden Brücks. Sie hofft, dass sich die anfängliche Entrüstung legen wird. „Es wäre ausgesprochen schade, wenn wir diese Bäckerei wieder verlören, denn sie ist eine besondere“, urteilt sie.

Brück arbeitet grundsätzlich nicht mit Teigmischungen. „Wir mahlen sogar das Mehl für unser Vollkornbrot selbst“, erläutert er. „Alles, was bei uns Vollkorn ist, bieten wir in Bio-Qualität an.“ Die Ware werde in der Filiale an der I. Kirchstraße, am ehemaligen Standort der Bäckerei Stratmeyer, gut angenommen. Besonders das Vollkornbrot. „Das hat in Harpstedt gefehlt“, hört Brück nach eigenem Bekunden häufiger.

Der Pachtvertrag für die Filiale läuft über vier Monate. „Bäcker Becker“ hat die Option, ihn zu verlängern. Bis etwa Mitte November dürfte nach Brücks Einschätzung die Entscheidung gefallen sein, ob es in Harpstedt weitergeht oder nicht. boh

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Werder auf dem Freimarkt

Werder auf dem Freimarkt

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Meistgelesene Artikel

Auf Gegenspur unterwegs: Fahrer flüchtet von Unfallort

Auf Gegenspur unterwegs: Fahrer flüchtet von Unfallort

Ü60-Abteilung im Schützenverein Dünsen erlebt „tollen Abend“

Ü60-Abteilung im Schützenverein Dünsen erlebt „tollen Abend“

Hermann Bokelmann: 42 Jahre lang vom Thema „Müll“ verfolgt

Hermann Bokelmann: 42 Jahre lang vom Thema „Müll“ verfolgt

Maria Etzold organisiert nach 50 Jahren die letzte Blutspende

Maria Etzold organisiert nach 50 Jahren die letzte Blutspende

Kommentare