15 Jahre in Andalusien

Lesung von Rita Caleros: Auswanderin „aus Versehen“

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Valery (links) und Katrin (Mitte), die Töchter von Aus- und Rückwanderin Rita Kubutat (rechts), kamen in Andalusien zur Welt. Ein spanischer Reitdress erinnert an die 15 Jahre in Spanien.

Harpstedt - Der ganz persönliche Blick einer Pferdenärrin und Liebhaberin spanischer Westernreitkunst auf eine fremde Kultur, Geschichten über Land und Leute, harte Arbeit, prägende Begegnungen, große Erwartungen und zerplatzte Hoffnungen – das alles findet sich in Rita Caleros stark autobiografisch angehauchtem Roman „Toros, Träume, Kaktusfeigen – Wie ich versehentlich nach Andalusien auswanderte“ wieder.

Ganz große Literatur haben die rund 20 Besucher, die am Donnerstagabend in das Café von Babette Schumachers Blumenladen nach Harpstedt kamen, um bei köstlichen Tapas textliche Kostproben zu genießen, sicher nicht erwartet. Gleichwohl ließen die gelesenen Passagen eine bemerkenswerte Beobachtungsgabe und mehr als nur passable Fähigkeiten im Umgang mit Sprache erkennen.

Wortwitz, Situationskomik und -tragik sowie aufschlussreiche Einblicke in das Seelenleben einer Frau, die deutlich mehr als nur Routine vom Leben erwartet, weckten die Lust auf das Buch. Herausgegeben hat es die Autorin, die eigentlich Rita Kubutat heißt, im Eigenverlag.

Ein spanischer Reitdress und Zaumzeug, Überbleibsel aus 15 Jahren in Andalusien, stellte die Harpstedterin ihrem Publikum eingangs vor – im Beisein ihrer Töchter Katrin (17) und Valery (16); beide Mädchen kamen in Spanien zur Welt. Mit einer deutschen Dogge war Rita Kubutat 1996 ausgewandert. Während ihrer Zeit in Andalusien entstanden tagebuchähnliche Aufzeichnungen über „spannende, entsetzliche und schöne“ Geschehnisse – die Grundlage für den späteren, 2015 veröffentlichten Roman. 

Die Idee zum Buch kam erst mit der Zeit

Eine Freundin, der Rita Kubutat von einem Stierkampf erzählte, bei dem das Pferd des Toreros getötet wurde, hatte sie dazu ermuntert, das Erlebte zu Papier zu bringen. Die Arbeit an dem Buch währte mehrere Jahre.

Der erste im Blumenladen-Café zu Gehör gebrachte „Extrakt“ entführte die Zuhörer auf die Hacienda Buena Vista in der Provinz Cádiz, wo die Pferdenärrin für wenige Wochen ein Praktikum durchlief – und alsbald erkannte: „Hier kann ich nichts lernen.“ Weitere vier Ausländer arbeiteten dort ebenfalls: Walter, „der Unermüdliche“, der einen „eisernen Willen“ mit Gleichmut gegenüber Spott und dem „despotischen Gehabe“ des Bosses in sich vereinte, Ollie, sowohl Frauentyp und „fabelhafter Reiter“ als auch „Liebling des Chefs“, die unkomplizierte Christine aus dem Schwabenländle, „Inbegriff der Zupackfrau“, sowie die humorvolle, (heraus-)fordernde, unerschütterlich selbstbewusste, rotzfreche Halbspanierin Silvia mit rauer Schale, aber hilfsbereit-tolerantem Kern.

Rita Kubutat sehnte sich schon damals nach „einem sicheren Hafen“, einem Leben, das ihr die Chance einräumen würde, sich auszuprobieren – ohne die Gefahr, in einen „tiefen Abgrund“ zu stürzen. Eine soziale Hängematte aber gab es für sie nicht. Hinzu kamen die innere Zerrissenheit ob des in Deutschland zurückgelassenen Partners – und die sich rasch einstellende bittere Erkenntnis, mit dem Praktikum auf der Hacienda eine grundfalsche Entscheidung getroffen zu haben.

Aus Vernunft geht die Auswanderin zurück nach Deutschland

Es passierte noch unendlich viel, ehe wirtschaftliche Gründe sie schließlich zurück nach Deutschland trieben. Aus heutiger Sicht sei das eine vernünftige Entscheidung gewesen, sagt sie. Wer in Andalusien nicht erbe, habe es schwer. Weit verbreitet sei dort noch der geldlose Austausch von Dienstleistung gegen Dienstleistung. Rita Kubutat staunt noch immer darüber, „wie sehr sich das Leben in Andalusien vom Leben hier, also innerhalb Europas, unterschieden hat“. Was bleibt, sind all die Erinnerungen – an die Reiterei und die Arbeit mit Pferden, aber auch an denkwürdige Begegnungen.

Das Kennenlernen eines im Buch Manolo heißenden Mannes auf einem Reitturnier in Sevilla schildert sie besonders charmant. Zu der Zeit wohnte sie auf einer heruntergekommenen, einsturzgefährdeten Finca. Manolo verhalf ihr dazu, die spanische Reitkultur „von unten nach oben“ kennenzulernen. Er verschaffte ihr sogar einen Privatbesuch bei der königlich spanischen Reitschule in Cortes de la Frontera.

Damals sei er ein „Niemand aus der Provinz“ gewesen; heute gebe er als gefragter Trainer „viele Reitkurse in Deutschland“. Rita Kubutat schildert ihn als Bild von einem Mann, der die Frauen reihenweise dahinschmelzen ließ. „Sein Auftritt schlug bei uns ein wie ein Blitz. Es war, als hätte uns eine Himmelsmacht mit einem Zauberelixier überschüttet. (…) Mir stockte der Atem.“

Wer Lust auf den Abenteuerroman bekommen hat, kann ihn bei „bökers am Markt“ in Wildeshausen für 12,90 Euro käuflich erwerben.

boh

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