Ausschuss lehnt Brückenneubau ab

Nach knapp 40 Jahren ist auch das härteste Holz am Ende – so ist es zumindest im Fall der „Hochzeitsbrücke“ am Amtshof in Harpstedt. Stand- und Verkehrssicherheit sind laut Gutachten nicht mehr gegeben. Die Frage „Neubau oder Abriss?“ diskutierte der Bauauschuss der Samtgemeinde am Donnerstag.

Harpstedt – Die Burggrabenbrücke am Harpstedter Amtshof, auch als „Hochzeitsbrücke“ bekannt, hat möglicherweise ausgedient. Der Bauausschuss der Samtgemeinde empfahl während seiner Sitzung am Donnerstagabend, auf einen Neubau zu verzichten. Die bereits in den Haushaltsentwurf dafür eingestellten Mittel in Höhe von 250 000 Euro sollen gestrichen werden. Folgt der Samtgemeindeausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag, 5. Dezember, der Empfehlung des Bauausschusses, wird die Brücke in Kürze erst gesperrt und anschließend abgebaut.

Klaus Viehmeier, der bis vor Kurzem noch in der Samtgemeindebauverwaltung tätig war und nun im Ruhestand ist, referierte noch einmal die Fakten: Eine reguläre Prüfung des Bauwerks hatte im Februar ergeben, dass weder die Stand- noch die Verkehrssicherheit mehr gegeben seien. Die vier hölzernen Stützen seien innen teilweise hohl, Schimmel habe sich in der Brücke ausgebreitet. „Man kann nicht sagen, wie weit der Pilz schon eingedrungen ist“, sagte Viehmeier während der Sitzung. Klar sei aber, dass das ursprünglich extrem harte Bongossi-Holz deutliche Schäden aufweise und eine Sanierung nicht ausreiche.

Der Bauingenieur empfahl deshalb, eine neue „Hochzeitsbrücke“ aus Stahl zu bauen, die lediglich mit Holz verkleidet würde. Sie sollte zudem barrierefrei sein und ein höheres Geländer erhalten als das alte Bauwerk. Laut Viehmeiers Schätzung würden dafür etwa 235 000 Euro benötigt. Angepasst an die Preisentwicklung der kommenden Jahre empfahl er einen Haushaltsansatz von 250 000 Euro. Bauamtsleiter Jens Hüfner ergänzte, er schätze das Vorhaben als förderungsfähig ein. Bis zu 100 000 Euro könnten aus dem Leader-Topf dafür gewonnen werden.

Diese Summe sorgte für Diskussionen. Ob es nicht Möglichkeiten für einen günstigeren Neubau gebe, wollten die Ausschussmitglieder wissen. Doch weder eine neue Holzkonstruktion – „das würde auch deutlich in den sechsstelligen Bereich gehen“ – noch der Verzicht auf eine Verbreiterung – Leader-geförderte Projekte müssten bestimmte Voraussetzungen der Barrierefreiheit erfüllen – würden die veranschlagte Summe spürbar reduzieren, erläuterten Viehmeier und Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse.

Der Kompromissvorschlag, den Brückenneubau nur unter der Bedingung einer positiven Förderungszusage zu empfehlen, erhielt zunächst eine gewisse Zustimmung, doch andere Stimmen mehrten sich. „Das ist ja im Prinzip eine Luxusbrücke, aber sie gehört zum Ensemble des Amtshofs“, hatte Rolf Ranke (HBL) angemerkt. Auch die CDU und die SPD signalisierten Unwillen, bei einer angespannten Haushaltslage so viel Geld für ein zwar touristisch wertvolles und liebgewonnenes, aber faktisch nicht notwendiges Bauwerk auszugeben. „Es ist Luxus. Ich würde das Geld lieber dafür ausgeben, dass im Freibad die Technik läuft“, sagte Klaus Stark (SPD). Noch deutlicher wurde Stefan Pleus (CDU), der als Vertreter für Hartmut Post zur Sitzung gekommen war: „Diese Brücke wird über Schulden bezahlt.“ Er könne sich auch vorstellen, sie ersatzlos zu streichen.

Eine schwierige Entscheidung, merkte Irene Kolb (Bündnis 90/Grüne) an: „Was ist richtig: Brauchen wir die Brücke oder nicht?“ Sie kritisierte zudem, dass der Ausschuss erst jetzt darüber berate – schließlich sei die Prüfung des Bauwerks bereits im Februar erfolgt. Die Ergebnisse hätten aus ihrer Sicht einen zusätzlichen Sitzungstermin gerechtfertigt. Ihre Fraktionskollegin Regina Huntemann brachte die Idee auf, die endgültige Entscheidung über einen Neubau hinauszuschieben und die Brücke zunächst nur zu sperren. Dann würde sich auch zeigen, wie die Öffentlichkeit in der Samtgemeinde auf das fehlende Bauwerk reagiere.

Acht Ausschussmitglieder stimmten gegen die Beschlussvorlage zum 250 000-Euro-Neubau, zwei dafür. Vorbehaltlich der Zustimmung des Samtgemeindeausschusses ist die Konsequenz dieser Empfehlung die Sperrung und der Abbau der Burggrabenbrücke. Für die Abrissmaßnahmen geht Bauingenieur Viehmeier von Kosten zwischen 3 000 und 4 000 Euro aus.

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