Musikalische „Minestrone americana“

Ausgesprochen delikat

Verdarb als zusätzliche „Köchin“ keineswegs den redensartlichen „Brei“: Violinistin Regina Mudrich. - Fotos: Bohlken

Harpstedt - „Wenn du den Blues hast und dann den Blues spielst, fühlst du dich gleich viel besser“, verrät Elisabeth Cutler im „Liberty’s“. Vorwiegend im zweiten Teil ihres „Kultur am Donnerstag“-Konzertes verabreicht sie sich und ihrem Harpstedter Publikum diese musikalische „Medizin“.

Nach „I am love“, einem beschwingten Fußwipp-Song, kommen „It’s never too late“ und „Deep in blue“ relativ straight bluesig daher. In „Ghost of my blues“ mischt sich hingegen eine jazzige Note, die in der Stimme der Singer-Songwriterin fast immer mitschwingt, wenngleich manchmal eher unterschwellig.

Die Wahl-Italienerin amerikanischer Herkunft wohnt bei Rom in direkter Nachbarschaft der – allerdings von Papst Franziskus so gut wie nie besuchten – Sommerresidenz des Heiligen Vaters. Dass Norah Jones sie musikalisch inspiriert hat, verleugnet sie nicht. Fast gehauchte Verse wechseln sich zuweilen ab mit Sprechgesangpassagen im Stile von „Coyote“, einem Titel von Joni Mitchell. 

Kongeniales Duo: Mats Hedberg und Elisabeth Cutler.

Cutler macht keinen Hehl daraus, dass sie auch die mittlerweile 73-jährige Folk-Ikone sehr verehrt. Wie sie ihre eigene Musik beschreibe, werde sie oft gefragt. Sie bemüht bei der Antwort darauf gern einen bildhaften Vergleich aus der Welt der Küche und der Gaumenfreuden, so auch in Harpstedt: „Minestrone americana“. 

Jazz, Folk und eine Prise Pop, die „Zutaten“, ergeben bei ihr in wohl dosierten Mengen eine geschmackvoll abgerundete „Suppe“. Melancholie schwingt fast immer mit. Und auch die Überraschung gehört zum „Rezept“, etwa in Form einer unerwarteten Bridge oder mancher Blue Notes, die dem einen oder anderen – vordergründig poppig wirkenden – Stück einen jazzigen Touch verpassen.

Auch bei ihrem zweiten Gastspiel in Harpstedt steht der in „Weltstadt“-Manier mit einem frenetischen Applaus begrüßten Künstlerin der Saitenvirtuose Mats Hedberg zur Seite. Der gebürtige Schwede, der sich ebenfalls Rom als Wahlheimat auserkoren hat, entlockt seinen Gitarren mit technischen Hilfsmitteln alle nur erdenklichen Töne. 

Das Slide-Röhrchen und selbst das gut alte Wah-Wah-Pedal erleben bei ihm eine Renaissance. In Loop-Technik spielt er zuweilen Rhythmus- oder Basslinien-Schleifen direkt auf der Bühne ein, um darüber eine Melodie oder ein Solo zu „legen“. Mal sphärisch, mal im Mike-Oldfield-Style, mal in Steel-Guitar-Manier – Hedberg zaubert immer wieder neue Sounds aus dem Hut und verstärkt damit das Überraschende, das in Cutlers Musik steckt. 

 Aus „Polishing Stones“, ihrem nach wie vor aktuellen Album, serviert sie den Harpstedtern eine ganze Reihe von Kostproben. Das Publikum erlebt vor allem im ersten Teil ein vorwiegend leises, fast verträumtes Konzert. Nach der Pause erweitert Regina Mudrich das Duo wiederholt zu einem Trio und würzt mit zauberhaften Violinensoli ein wenig nach. Die zusätzliche „Köchin“ verdirbt hier so gar nicht den redensartlichen Brei. Und versalzen, so erkennen die Zuhörer, schmeckt die amerikanische Minestrone keineswegs, sondern – ganz im Gegenteil – höchst delikat. - boh

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