„Aus ich, du und ihr wurde ein Wir“

Abschiedsschmerz und Humor bei der Entlassfeier an der Oberschule Harpstedt

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Ein neuer Lebensabschnitt beginnt nun für die 68 verabschiedeten Entlassschüler der Oberschule Harpstedt. Da schwang auch bei den Klassenlehrern Wehmut mit.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Freude, Abschiedsschmerz, Wehmut – da war alles drin. Sogar Humor. Eine heitere Note verlieh Konrektorin Ute Hegen der Entlassfeier der Oberschule Harpstedt, als sie den 68 Abgängern riet, nicht jeder Kalkulation blindlings zu trauen: „Wenn euch jemand für die Düngung von 75 Quadratmetern Rollrasen ungefähr 385 000 Euro in Rechnung stellen will, wäre ich skeptisch“, sagte sie.

Die Gesamtbilanz des Abschlussjahrgangs 2017 mit 19 Haupt-, 25 Real- und 24 erweiterten Sek.  I-Abschlüssen lässt aber durchaus hoffen, dass sich die Entlassschüler so leicht kein X für ein U vormachen lassen. Woran sich die Jugendlichen wohl später mal auf einem Klassentreffen erinnern mögen, fragte sich Hegen: „An Klassenfahrten, Marotten eurer Lehrer oder den Satz des Pythagoras?“ Die R10b zeigte jetzt schon einen filmischen Rückblick auf ihre Schulzeit, der die zahlreichen Eltern in der Pausenhalle amüsierte. Darin zogen die Schüler auf der Basis realer Geschehnisse ihre eigenen Macken durch den Kakao – von der Handy-Telefonitis bis zum permanenten zu späten Erscheinen im Unterricht. Der übereifrige Streber, der notorische Schummler und „die, die ausrastet“, bekamen ebenfalls ihr Fett weg.

Lehrer sind froh die nächsten Generation überstanden zu haben

Sehr persönliche Worte fielen bei der Ausgabe der Abgangszeugnisse. „Neun bis zehn Jahre haben wir tolle und interessante Sachen gelernt, gute sowie schlechte Noten geschrieben und ab und zu die Lehrer zur Weißglut getrieben. Dabei hatten wir sehr viel Spaß. Wir hoffen, dass die Lehrer über unsere Scherze heute genauso lachen können wie wir“, sagte Tabea Assmann (H9) in einer längeren Rede. Von einem gewissen Zeitpunkt an hätten alle gemerkt, „dass hier der Ernst des Lebens anfängt“.

Die Schulzeit beschrieb Tabea als „Reise voller Höhen und Tiefen“. Die Lehrer hätten uns „auf die richtige Spur gebracht“, auch „wenn einige von ihnen bis zum heutigen Tage unsere Namen nicht richtig wissen“. Am Ende sei das Ziel erreicht worden: „Aus ich, du und ihr wurde ein Wir.“

Die Tanz-AG gab eine fetzige Kostprobe ihres Könnens.

Nele Brandes aus der bisherigen H10 gab offen zu: „Wir Schüler sind erst einmal heilfroh, dass wir die Schinderei, das Pauken und die Klausuren hinter uns haben, während die Eltern stolz auf den Erfolg ihrer Kinder sind – und die Lehrer froh, dass sie wieder eine Rabaukengeneration überstanden haben.“ Ein Dankeschön richtete die Schulabgängerin nicht nur an die Lehrkräfte, sondern auch an die Eltern, „die uns mit einer gewissen Tapferkeit durch die Zeit gebracht haben“.

„Lasst mal von euch hören!“

Im Namen von Rat und Verwaltung gratulierte Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse zu den erreichten Abschlüssen. Die Schule sei für die Abgänger so etwas wie ein zweites Zuhause gewesen. „Ihr könnt stolz auf eure Leistungen sein“, betonte Wöbse. Zugleich erbat er einen Applaus für die Lehrkräfte „die euch so gut begleitet“ haben, sowie für die Unterstützung durch die Eltern. Der Beifall fiel durchaus kräftig aus.

Ute Hegen, die während der Entlassfeier die momentan im Mutterschutz weilende Rektorin Etta Mörking vertrat, war tags zuvor, am „Chaostag“, als Albert Einstein verkleidet worden und gab den Schülern jetzt, in der Feierstunde, ein dazu passendes Zitat des Physikers mit auf den Weg: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn ich gedenke in ihr zu leben.“

Wie's mit den Schulabgängern weitergeht, ist augenscheinlich recht klar: 16 beginnen nach den Worten der Konrektorin eine Berufsausbildung. 24 werden eine Vollzeitschule der BBS besuchen, drei die Fachoberschule, zwölf berufliche Gymnasien, und weitere zwölf bleiben der Oberschule Harpstedt in der neuen H10 noch ein Jahr erhalten. Ein Dankeschön richtete die Konrektorin an Schulradio, Rockband und Tanz-AG, die der Feier mit Beiträgen zu einem würdigen Rahmen verhalfen.

Petra Brinkmann, die Elternratsvorsitzende, ging auf abgedroschene Sprüche ein, die Schüler immer wieder zu hören kriegen. Etwa: „Du lernst für dich – und nicht für andere.“ Oder: „Was du im Kopf hast, kann dir keiner nehmen.“ Ihr lag aber nicht daran, dass die Entlassschüler die Augen verdrehen, und deshalb gab sie ihnen lieber ein Erich-Kästner-Wort mit auf den Weg: „Lasst euch die Kindheit nicht austreiben, denn nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“

Für Erheiterung sorgte der bisherige Schülersprecher Saif-Eddin Jarjir, selbst Abgänger, mit den Worten „liebe Eltern und Erziehungsberechtigte“ in seiner Anrede – und mit seiner Danksagung in Richtung Ute Hegen: Die habe sich stark dafür eingesetzt, dass die „Abschlussfahrt trotz des Verlustes von Frau Korb stattfinden konnte“. „Verlust“ passte nicht so ganz: Lehrerin Patricia Korb weilt im Mutterschutz und hatte die R10a daher vor einigen Monaten an Ute Hegen abgeben müssen. Zur Entlassfeier aber kam sie.

Wohl auch im Sinne der anderen drei Abschlussklassenlehrer sprach Ruth Stöppelkamp, als sie an ihre H10 appellierte: „Lasst mal von euch hören! Das finde ich immer schön, wenn ich irgendwann erfahre, was aus jedem Einzelnen geworden ist.“

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