Aufgehender Stern am Musikhimmel: Schwedin Sofia Talvik gastiert im „Liberty‘s“

Unaufdringlicher Neo-Folk von „schierer Schönheit“

+
Mit „Big Sky Country“ hat Sofia Talvik 2015 ihr sechstes Studio-Album veröffentlicht. Der Tonträger lässt eine zaghafte Annäherung an die Country-Music erahnen. Am Donnerstag, 21. Januar, gastiert die sympathische Schwedin im „Liberty‘s“.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Sie sei nie gut darin gewesen, Titel zu covern, sagt Sofia Talvik. Sie versuche das Nachspielen von Titeln aus fremder Feder zu vermeiden. Songs selbst zu schreiben – das sei ihr Ding. Dadurch habe sie überhaupt erst das Spiel auf der Gitarre richtig gelernt, verrät die sympathische Schwedin, die am Donnerstag, 21. Januar, im „Liberty‘s“ an der Langen Straße in Harpstedt gastiert und sich dort mit einem Konzert in die Reihe „Kultur am Donnerstag“ einklinkt. Beginn ist um 20 Uhr, der Eintritt frei.

Rein optisch würde die hübsche – natürlich blonde – Schwedin, die mittlerweile in Berlin lebt, sich sicher auch in der norwegischen Band „Katzenjammer“ gut einfügen, musikalisch indes wohl kaum. Ihre Songs wirken introvertiert, kommen klar, unaufdringlich, vorwiegend balladesk und melancholisch daher. Sie erinnern mitunter an Suzanne Vega mit einer Prise Enya oder an das Lebensgefühl, das Joni Mitchell, Nick Drake, Jewel und Aimee Mann in ihrer Musik versprüht haben. Mit dem schrägen, expressiven Stil von „Katzenjammer“ haben die Titel indes wenig gemein. Die helle, glockenklare Stimme darf wohl als das Markenzeichen von Sofia Talvik gelten, die in Schweden als aufgehender Stern am Folk- und Folk-Pop-Himmel gefeiert wird.

Bereits 2005 erschien ihr Debut-Album „Blue Moon“. Zwei Jahre später folgte „Street of Dreams“. Auf diesem Tonträger findet sich mit „It‘s just Love“ sogar ein Duett mit Bernard Butler, der als Indie-Pop-Ikone und Gitarrist der Britpop-Band „Suede“ Berühmtheit erlangte. 2008 mischte Talvik als erste schwedische Künstlerin in Chicago auf dem renommierten Lollapalooza-Festival mit. Der 2010 veröffentlichten CD „Florida“, inspiriert von einem Urlaub im „Sonnenstaat“, bescheinigte ein Kritiker etliche „Oh my God!“-Momente von „schierer Schönheit“. Im März 2014 überraschte Talvik mit der EP „FOLK”. Das Überraschende daran war, dass sie sechs alte schwedische Folksongs in ein jeweils modernes musikalisches Gewand kleidete.

„Big Sky Country“ heißt ihr mittlerweile sechstes Album, das im vergangenen Jahr auf den Markt kam. Der Titeltrack, eine Ballade im Dreivierteltakt mit Banjo-Klängen und echten Ohrwurm-Qualitäten, lässt eine zaghafte Annäherung an die Country- und Western-Musik erahnen. Zu dem Song gibt es – wie auch zu weiteren Titeln der Singer-Songwriterin – ein auf youtube gestelltes Musikvideo.

Trotz reichlich Festival-Erfahrung spielt Sofia Talvik nach wie vor am liebsten in kleinen Clubs mit intimer Atmosphäre. Ihr Folk-Pop vereint Einflüsse aus der amerikanischen Songwriter-Szene und folkloristisch angehauchte Klänge aus ihrer schwedischen Heimat. Sanfter Gesang, wie er für die Folkmusik der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre typisch gewesen ist, verbindet sich mit modalen Akkordwechseln. Für das geschmackvolle Zumischen von Delay und Vocal-Harmonisation zeichnet ein Sounddesigner verantwortlich. Der einzigartige Musikstil zieht bei Bloggern, Rezensenten und ganz allgemein Musikliebhabern reichlich Aufmerksamkeit auf sich.

Die schwedische Künstlerin hat eine Nische in der Pop-Landschaft „erobert“, die in der Szene unter dem Begriff „Neo-Folk“ kursiert. Ihre Lieder handeln oft von Liebe und Verlust. Sie gehen ins Herz – und auf der Bühne einher mit persönlichen Anekdoten von den vielen absolvierten Touren durch die Vereinigten Staaten und Europa, die eine warme und entspannte Atmosphäre erzeugen.

Die ambitionierte Singer-Songwriterin hat unter anderem Konzerte von Maria McKee und Suzanne Vega eröffnet. Sie erfreut sich mittlerweile in vieler Herren Länder einer Fan-Gemeinde. Trotzdem gilt sie eher noch als Geheimtipp – und als eine Künstlerin mit unglaublich viel Potenzial, deren großer Durchbruch eigentlich nur eine Frage der Zeit sein dürfte.

Mehr zum Thema:

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Meistgelesene Artikel

Amokalarm: Schule in Oldenburg geräumt

Amokalarm: Schule in Oldenburg geräumt

Langer Shoppingtag in Wildeshausen geplant

Langer Shoppingtag in Wildeshausen geplant

Geflügelpest kehrt in den Landkreis zurück

Geflügelpest kehrt in den Landkreis zurück

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Kommentare