Aufbruchstimmung im Rat

Inspirierende Leidenschaft

Ein Kommentar von Jürgen Bohlken. - Der Mann versteht sein Geschäft. Was Architekten und Ingenieure mit zuweilen emotionslos aneinandergereihten Fakten zu Planungen oftmals nicht schaffen, gelang Dr. Uwe Meiners, dem Direktor des Museumsdorfes Cloppenburg, am Donnerstagabend anscheinend mühelos. Er weckte echte Begeisterung für den anstehenden „Umzug“ des ehemaligen „Steins“. Aus gutem Grund: Die frühere Kultdisco mit Bistro soll künftig im Museumsdorf Cloppenburg nicht das triste Dasein eines toten Museumsstücks fristen, sondern zumindest hin und wieder als Tanztempel mit DJ oder gelegentlich auch Live-Band alte Zeiten aufleben lassen. Da werden dann ganz sicher Erinnerungen an eigene Zeiten im „Stein“ wach, wo sogar manche Liebe fürs Leben ihren Anfang nahm.

Meiners verkaufte dem Rat dieses Projekt mit so viel Hingabe, dass die Politik gern ja zur Schenkung des „Steins“ und Gewährung eines 20.000-Euro-Zuschusses sagte. Natürlich schielte er schon auf den schnöden Mammon – also darauf, Geld vom Flecken zu bekommen. Dahinter aber steckt eine Vision, ein großer Traum, für den es sich lohnen kann, die Ärmel hochzukrempeln. Meiners’ geradezu leidenschaftliches Werben für das „Projekt Sonnenstein“ wirkte wie der redensartlich überspringende Funke. Die Kommunalpolitiker ließen sich gern inspirieren und schienen sich mit Ideen übertreffen zu wollen. Jan Finke (SPD), der in mehreren Bands mitspielt, regte Benefizkonzerte in Harpstedt und Cloppenburg an, um Geld für den „Umzug“ des „Steins“ zu akquirieren. Banker Horst Hackfeld (HBL) bot sich an, eine Crowdfunding-Aktion zu initiieren.

Ratsmitglieder kehrten obendrein eine erfrischend humorvolle Seite nach außen – in der Erinnerung an eigene Erlebnisse im „Stein“. Horst Hackfeld etwa erzählte „von Hektolitern Bacardi“, die er dort wohl mit Horst Bokelmann getrunken habe. Hermann Schnakenberg (SPD) provozierte mit seiner natürlich nicht ernst gemeinten Bemerkung, er sehe das Thema „völlig emotionslos“, ebenfalls Lacher. Die heitere Aufbruchstimmung übertrug sich sogar auf die Zuhörer. „Rentnerbänd“-Sprecher Bernhard Wöbse staunte: „Wenn das hier immer so lustig zugeht, komme ich öfter her.“

Hat der mittlerweile verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt vielleicht doch nicht recht gehabt, als er einst etwas flapsig sagte: „Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen“?

Wie auch immer: Leidenschaft in der politischen Auseinandersetzung, eine Prise Humor bei aller notwendigen Ernsthaftigkeit, Ideenreichtum und die Bereitschaft, etwas anzupacken, täten sicher auch dem neuen Fleckenrat gut, der sich am 7. November konstituiert.

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