„Tour de Natur“ der SPD führt auch zum Judenfriedhof mit Gedenktafel / Abschließend Picknick in Kirchseelte

Auf den Spuren der Harpstedter Holocaust-Opfer

Auf dem Harpstedter Marktplatz nahm die „Tour de Natur“ ihren Anfang.
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Auf dem Harpstedter Marktplatz nahm die „Tour de Natur“ ihren Anfang.

Harpstedt/Kirchseelte – Der graue Himmel ließ nichts Gutes erahnen, aber es blieb trocken: Passables Wetter hat die traditionelle „Tour de Natur“ der Samtgemeinde-SPD begleitet. 13 Radler trafen sich auf dem Marktplatz in Harpstedt, um sodann in die Pedale zu treten. Zunächst steuerten sie den Judenfriedhof an. Gästeführer Heinrich Sudmann wohnt ganz in der Nähe. Er erklärte sich spontan bereit, ein wenig über die Geschichte des Judenfriedhofs zu erzählen. Eingehend studierten die Ausflügler die Namen auf der Gedenktafel, die an die während des Nazi-Terrors ermordeten Harpstedter Juden erinnern. Als zusätzliche Bereicherung der Erinnerungskultur hatten die Grünen die Verlegung sogenannter „Stolpersteine“ angeregt. Ein entsprechender Antrag fand aber im Fleckenrat keine Mehrheit, sondern scheiterte an einem Stimmenpatt – sehr zum Bedauern der Jusos über das Abstimmungsergebnis (wir berichteten). Die heute in Kolumbien wohnende Giovanna Maria de Vries, eine Nachfahrin von Angehörigen aus der von den Nazis fast komplett ermordeten Familie de Vries, hatte via Instagram auf die Ratsentscheidung reagiert: „Es ist wichtig, dass die Häuser registriert und die Orte bekannt sind, damit die Geschichte Sinn macht.“ Die bestehenden Gedenktafeln auf dem Amtshof und dem jüdischen Friedhof reichten nicht aus. Die Namen dort seien „nur eine Liste ohne Verbindung zu den Häusern“ – und den jüngeren Generationen gleichgültig, „wenn sie nichts erklären“, schrieb die Kolumbianerin den Jusos mit technischer Unterstützung des Google-Übersetzers. Giovanna Maria de Vries ist die Enkelin von Walter de Vries. Der war dem Holocaust entronnen, weil er schon 1938 nach Südamerika auswanderte; inzwischen lebt auch er nicht mehr.

Zurück zur „Tour de Natur“: Im weiteren Verlauf radelte die Gruppe über Klein Köhren, Brammer, Hilken und Klosterseelte zum Dorfgemeinschaftshaus (DGH) Kirchseelte. Coronabedingt hatte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Daniel Helms diesmal auf das gewohnte Grillen verzichtet. Stattdessen stärkten sich die Teilnehmer mit selbst mitgebrachter Picknickverpflegung. „Auf dem großen Gelände hinterm DGH konnten die Abstände gut eingehalten werden“, berichtet Helms. Kirchseeltes Bürgermeister Klaus Stark bedauerte, dass die Vermüllung und Vandalismus auf dem Areal in jüngster Zeit spürbar zugenommen haben. Sogar ein kleines Feuer sei gelegt worden, spielte er auf einen vier Wochen zurückliegenden Vorfall an: Mehrere Jugendliche, die nicht identifiziert werden konnten, sollen an einem Sonntag gegen 22.30 Uhr „gekokelt“ und Papier sowie Müll in einem Metallmüllbehälter an der Grillhütte in Brand gesetzt haben. Zudem sengten die Täter die Tischplatten der Sitzgruppe an. Kurz darauf kam es an zwei Fahrzeugen, die am DGH abgestellt waren, zu einer Beschädigung der Außenspiegel. Ein Reifen wurde zerstochen, obendrein ein Kennzeichen entwendet. Die Vermutung, dass es einen Zusammenhang mit den „Zündeleien“ gibt, liegt zwar sehr nahe, hat sich aber bislang nicht mit Beweisen untermauern lassen. Strafanzeigen sind gestellt worden.  boh

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