Horst Bokelmann hat die Gründe für den Ausgang der Kommunalwahl in Loué recherchiert

Anthony Mussards Überraschungscoup

Siegreich bei der Kommunalwahl: die Liste von Anthony Mussard. Dass er neuer Bürgermeister in Loué wird, darf als sicher gelten.

Harpstedt/Loué - Von Jürgen Bohlken. Anthony Mussard wird nach Lage der Dinge Dominique Croyeau als Bürgermeister in Harpstedts französischer Partnerstadt Loué ablösen. Bei der jüngsten Kommunalwahl gelang ihm ein Überraschungscoup – auch aus Sicht vieler Harpstedter, die Catherine Paineau schon als Nachfolgerin des langjährigen, demnächst in den Ruhestand eintretenden Amtsinhabers „gesetzt“ hatten.

Horst Bokelmann aus dem Partnerschaftskomitee Harpstedt-Loué hat die Ursachen dieses Erfolgs recherchiert – und glaubt sie nun zu kennen. Zwei Dinge hat Mussard, der in der Feuerwehr einen verantwortlichen Posten bekleidet, nach seiner Ansicht richtig gemacht: Er setzte im Unterschied zu seiner Kontrahentin auf Erneuerung statt Kontinuität. Und er holte sich zwei erfahrene ehemalige stellvertretende Bürgermeister als Unterstützer im Wahlkampf „ins Boot“: Gérard Lerouge (70) und Yves Pifre (73), beide schon vor Jahren aus dem Kommunalparlament ausgeschieden, wollten auf ihre alten Tage sicher nicht zurück in den Rat und ließen sich deshalb weit unten auf Mussards Liste setzen; als Berater aber waren sie Gold wert.

Die Kommunalwahlen in Frankreich unterscheiden sich komplett von denen hierzulande – nicht nur wegen der sechs Jahre währenden Wahlperiode. Auch entspricht der Conseil municipal in Loué nicht exakt dem, was Harpstedt als Gemeinderat kennt. Das zeigt sich schon daran, dass die fünf stellvertretenden Bürgermeister (Beigeordnete), die der Conseil aus seiner Mitte wählt, Verwaltungsaufgaben für die Kleinstadt und die umliegenden Dörfer übernehmen; sie sind für verschiedene Fachbereiche zuständig.

Für französische Gemeinden mit weniger als 3 500 Einwohnern wie Loué gilt ein Mehrheitswahlsystem. Die Bürger wählen nicht Kandidaten, sondern eine Liste. Bei zwei Wahlvorschlägen – wie jetzt in Loué – müsste es, die Möglichkeit eines Patts mal ausgeschlossen, eigentlich immer einen Gewinner im ersten Wahlgang geben, würde man hierzulande vermuten. Tatsächlich bedarf es diesmal in Harpstedts Partnergemeinde keiner Nachwahlen. Aber nur, weil Mussards Liste mit 543 Stimmen überraschend deutlich besser abschnitt als Paineaus Team „Loué 2020“ (330). Nur mehr Stimmen auf sich zu vereinen als der Mitbewerber, hätte indes nicht genügt. Eine Liste, die sich schon im ersten Wahlgang durchsetzen will, braucht die absolute Mehrheit, „und zwar nicht bezogen auf die Anzahl der gültigen Stimmen, sondern auf die der tatsächlichen Wähler“, weiß Horst Bokelmann.

Mussards Liste „Agir ensemble pour un village à votre image“ (gemeinsam handeln für ein Dorf nach Ihren Vorstellungen) steht als Wahlsieger etwa die Hälfte der Ratsmandate (neun von 19 plus Bürgermeister in spe) automatisch zu. Die übrigen neun Sitze werden gemäß Stimmenverhältnis anteilig von beiden Listen besetzt. Das führt dazu, dass sich auch „Loué 2020“ im neuen Conseil municipal wiederfindet, aber nur mit drei Repräsentanten: Catherine Paineau, Gérard Plantais und Marie-Laure Veaudecrenne.

Den Bürgermeister wählt indes – wie auch in Harpstedt – der neue Rat. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse steht so gut wie fest, dass Mussard die Nachfolge von Dominique Croyeau antritt. Wie sehr er die Gemeindepartnerschaft unterstützt, muss sich zeigen. „Der Bürgermeister ist automatisch Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Loué-Harpstedt“, weiß Horst Bokelmann. Dass Mussard – wie Catherine Paineau – 2019 an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Partnerschaftsbestehen in Harpstedt teilnahm, darf wohl als ermutigendes Zeichen gewertet werden.

Warum die Liste „Loué 2020“ inhaltlich mit Kontinuität aufs falsche Pferd gesetzt hat, kann Bokelmann nachvollziehen. Harpstedts Partnerstadt leidet unter vielen Geschäftsaufgaben. Von daher verwundert der offenbar in der Einwohnerschaft verankerte Wunsch nach Erneuerung nicht. Das hat sich Mussard konsequent zunutze gemacht.

Wie sehr die Coronakrise die Wirtschaft auch in Loué schwächt, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Aktuell liegt sie jedenfalls am Boden, und die Pandemie beschränkt die freiheitsliebenden Franzosen in einem nur schwer zu verkraftenden Maße: Für das ganze Land gilt schon seit dem 17. März eine Ausgangssperre.

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