Anneliese Röhrßen aus Holzhausen engagiert sich für ein Hospital in Nepal

Langsam gehen die Medikamente aus

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Bei ihren Vorträgen in Deutschland verkauft Anneliese Röhrßen auch Schmuck und Pashmina-Schals, die sie auf eigene Rechnung in Nepal kauft. Der Erlös geht komplett an das Sushma-Koirala-Memorial-Hospital.

Holzhausen - Von Sophie Filipiak. Das Telefon klingelt. Anneliese Röhrßen hebt ab und lauscht eine Weile. „Nein, das Haus steht noch. Den Ärzten und Patienten geht es soweit gut“, antwortet sie dann. Die Frage des Anrufers bezog sich nicht auf den Hof der 80-Jährigen in Holzhausen bei Beckeln, sondern auf das Sushma-Koirala-Memorial-Hospital in Nepal. Dort hilft Röhrßen seit 2001 ehrenamtlich ein paar Wochen jedes Jahr. Seit dem Erdbeben steht sie via Internet mit den dortigen Helfern in engem Kontakt.

Das Hospital liegt nahe des Ortes Salambutar, 16 Kilometer von Kathmandu entfernt. „Das nahegelegene Dorf ist zu 80 Prozent zerstört, aber die Klinik steht noch“, berichtet Röhrßen. Zu verdanken ist das dem deutschen Ingenieur Hein Stahl, der die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten leitete und darauf bestand, den Gebäudekomplex erdbebensicher zu machen. Gegründet wurde das Hospital 1997 unter anderem vom gemeinnützigen Verein Interplast Germany.

Die Klinik ist spezialisiert auf plastisch-rekonstruktive Medizin, vor allem bei Brandopfern. „In Nepal kochen die Menschen auf dem offenen Feuer und mit kaputten Kerosinöfen“, erklärt die Holzhauserin. Wenn die veralteten Öfen explodieren oder wenn Kinder zu nahe am Feuer liegen, seien meist sehr schwere Brandverletzungen die Folge. Aber auch Tumorpatienten und Menschen mit Entstellungen können im Hospital Hilfe finden.

Die Mitglieder des ausländischen Teams, das die nepalesischen Helfer vor Ort unterstützt, kommen meist aus Deutschland oder der Schweiz. „Die arbeiten alle ehrenamtlich, bezahlen ihre Flüge selber und opfern ihren Urlaub“, sagt die 80-Jährige. Sie selbst war schon 14 Mal in Nepal, zuletzt im vergangenen Winter.

Die gelernte Kauffrau kann zwar nicht medizinisch helfen, aber sie engagiert sich, wo sie kann. „Früher habe ich den einheimischen Ärzten Englisch- und Deutschunterricht gegeben“, erzählt sie. In den vergangenen Jahren kümmerte sie sich aber vermehrt um den Versand der abertausend Dankesbriefe an die Spender aus aller Welt. „Die sollen ja wissen, was ihr Geld alles erreicht hat.“ In Deutschland hält sie Vorträge, um auf die Situation in Nepal aufmerksam zu machen und Spendengelder zu sammeln.

Zurzeit sei die Klinik aber hoffnungslos überfüllt, erklärt Röhrßen. Sie steht in engem E-Mail-Kontakt mit den Mitarbeitern vor Ort. Das Hospital nimmt auch Patienten aus anderen Kliniken auf. Das übersteigt fast die Kapazitäten des Gebäudes, denn das Krankenhaus verfügt nur über 48 Betten und zwei Operationssäle. „Die Menschen liegen teilweise draußen unter freiem Himmel“, sagt sie. „Die Ärzte und Helfer arbeiten dort bis zum Umfallen.“ Hein Stahl koordiniert die Arbeiten. Langsam gehen den Helfern vor Ort aber die Medizin und das Verbandszeug aus, betont Röhrßen.

Wer das Hospital unterstützen möchte, kann Spenden an folgendes Konto überweisen: SKM-Hospital in Nepal, Kreissparkasse Köln, Kontonummer 92801, BLZ 37050299.

www.nepalhospital.de

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