Spedition in Groß Ippener meldet Verlust, doch Beweisführung gestaltet sich schwierig

Anklage: Zwei Paletten mit Playstation-Konsolen gestohlen

Gr. Ippener - Von Dierk Rohdenburg. Die Anklage der Staatsanwaltschaft wiegt schwer: Am 12. und 13. Mai 2015 soll ein 49-jähriger Delmenhorster als Sub-Unternehmer jeweils eine Palette mit Playstation-Spielekonsolen samt Controllern auf seinen Laster geladen und diese nicht ausgeliefert haben. Stattdessen, so der Vorwurf, habe er die Waren im Wert von 23 000 Euro verkauft. Ob sich das tatsächlich beweisen lässt, werden die weiteren Verhandlungstermine vor dem Amtsgericht in Wildeshausen zeigen.

Denn schon beim Auftakt deutete sich an, dass die Beweisführung nicht ganz leicht werden dürfte. Die Anwälte des Delmenhorsters beantragten gleich nach der Anklageerhebung, das Verfahren einzustellen, weil eine wirksame Anklageschrift mit Individualisierung, Waren-nummern und konkreten Ortsbenennungen fehle. Eine Nachbesserung der Anklage sei nicht möglich, somit mangele es an einer zulässigen Anklageschrift.

„Ich wüsste nicht, was an der Anklage nicht konkret sein sollte“, so der Staatsanwalt. Nachdem die Richterin den Antrag der Verteidigung zurückgewiesen hatte, musste er jedoch erkennen, dass die Vorgänge in einer Spedition nicht immer völlig transparent sind und Waren offenbar nicht ständig unter Beobachtung stehen.

Fakt ist, dass am 11. Juni 2015 online eine Strafanzeige bei der Polizei durch eine Spedition in Groß Ippener erfolgte. Dort war aufgefallen, dass die beiden Paletten nicht beim Empfänger angekommen waren. Sie sollten von dem Delmenhorster ausgeliefert werden. Dieser behauptete jedoch in der anschließenden Vernehmung, die erste Palette am Abend wieder zurückgegeben zu haben und die zweite überhaupt nicht geladen zu haben. Eine Durchsuchung bei dem 49-Jährigen brachte weder Diebesgut noch Beweismittel zum Vorschein.

In einem ersten Schritt vernahm die Richterin einen Angestellten der Spedition, der allerdings zu den Warenlieferungen konkret nichts sagen konnte. Allerdings gab er einen umfassenden Einblick in die Praxis der Zustellung. Fakt ist, dass die beiden Paletten in Groß Ippener angekommen waren. Wenn sie dann auf die Laster verteilt werden, erhalten sie eine Beladescannung – oder aber die Beladung wird handschriftlich auf einem Rollblatt vermerkt. Ganz offenbar wurde zumindest eine Ladung für den Laster des Delmenhorsters nicht vom Fahrer zusammengestellt, sondern von der Mitarbeiterin einer Zeitarbeitsfirma.

Nach der Datenlage vor Gericht vermutete der Lagerarbeiter „mit hoher Wahrscheinlichkeit“, dass die erste Palette am 12. Mai auf den Laster gekommen war. Da aber kein Beleg über eine Auslieferung vorlag, nahm er an, dass die Ware weiter auf dem Laster verblieb. Interessanterweise jedoch wurde die Palette für den 15. Mai erneut auf die Auslieferungsliste genommen. Der Barcode war identisch, die Waren wurden jedoch nicht noch einmal gescannt. Somit könnte es sich um eine automatische Neueinstreuung im System gehandelt haben, ohne dass die Ware bei der Spedition war.

Aufschluss über die Warenbewegungen und über Videoaufzeichnungen vom Firmengelände soll ein weiterer Speditionsmitarbeiter geben, der demnächst als Zeuge geladen ist. Zudem dürften weitere Beteiligte, unter anderem die Mitarbeiterin der Zeitarbeitsfirma, angehört werden. Ob dann gerichtsfeste Beweise vorliegen, bleibt abzuwarten.

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