Kurs  „Tauchsicherheit und Tauchrettung“ im Rosenfreibad

Die Angst ist oft die eigentliche Gefahr

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Auch das Aufblasen einer Signalboje wurde geübt. Ein solcher „Luftsack“ mit Signalfarbe steigt an die Wasseroberfläche auf und zeigt der Bootsbesatzung den Standort von Tauchern an, die von der Strömung abgetrieben worden sind.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Faszinierende Unterwasserwelten sind die Welt von Ulf Malinowski. Kürzlich nutzte er die Gelegenheit, nach langer Zeit mal wieder auf der Tauchbasis auf Menorca zu arbeiten, die ihm aus früheren Tagen in bester Erinnerung geblieben ist. „Da hat sich so gut wie gar nichts verändert“, fiel dem Harpstedter auf, der auf der Balearen-Insel einen krankheitsbedingten „Ausfall“ kompensierte. Bei den „Harpstedter Haien“ ist der 57-Jährige aktuell der einzige Tauchlehrer. Um weitere bemüht sich die Wassersportabteilung des Harpstedter Turnerbundes (HTB) fortwährend.

Mit Unterstützung von Tauchlehrerassistent Philipp Lücke leitete Malinowski kürzlich im Rosenfreibad einen Kursus, der die „Tauchsicherheit und Tauchrettung“ zum Inhalt hatte. Der Lehrgang ist Voraussetzung für den Silber-Tauchschein. Wer wiederum dieses CMAS**-Level erreicht, erlangt damit die Befugnis für selbständige Tauchgänge im Freiwasser mit einem gleichwertig ausgebildeten Tauchpartner – ohne Guide.

Der Kurs mit zehn Teilnehmern aus den Reihen der HTB-Unterwassersportler setzte sich aus sechs Stunden Praxis und einem vorgeschalteten dreistündigen Theorieteil zusammen. Es sei der erste dieser Art gewesen, erläutert Malinowski.

Aus eigener Erfahrung weiß der Harpstedter, welche Tücken unter der Wasseroberfläche lauern. Ein Taucher könne sich sich etwa in einem Fischernetz verheddern oder seinen Tauchpartner aus den Augen verlieren. „Auch passiert es in hiesigen Gewässern gar nicht so selten, dass ein Atemregler einfriert“, erzählt der 57-Jährige. „Wenn ein System ausfällt, kann der Taucher aber immer noch auf ein Reservesystem zugreifen – auf einen zweiten Regler. Die Absperrventile befinden sich allerdings auf dem Rücken. Da kommt man nicht so leicht ran.“

In der Theorie hätten die Teilnehmer Tipps zur Vermeidung von Stress und Panik-Attacken an die Hand bekommen, die, wenn sie im Ernstfall beherzigt werden, ihr Leben retten können. „Wer Angst bekommt, der beginnt flach zu atmen. Zu viel Kohlendioxid sammelt sich in der Lunge. Hat man dann das Gefühl, keine Luft mehr zu kriegen, wird’s kritisch“, weiß Malinowski. Aber so weit müsse es gar nicht kommen. Viele unerwartete Vorkommnisse seien nämlich nicht wirklich gefährlich. Das aber müsse sich der Taucher klar machen. „Zuerst die Aktivität einstellen, sich beruhigen, nachdenken und durchspielen, wie ich aus der Situation rauskomme“ – das sei der richtige Weg, wenn es beispielsweise darum gehe, sich im Falle des Verhakens in einer Angelsehne selbst zu befreien. Der Taucher müsse sich sagen: „Ich habe Luft. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben.“ Bewusstes tiefes Ausatmen helfe ebenfalls. „Dann atme ich das Kohlendioxid ab. Und schon ist die Panikschwelle gesenkt“, sagt Malinowski.

Doch was, wenn der Tauchpartner tatsächlich bewusstlos wird und an die Wasseroberfläche muss? Oder wenn die Entfernung zum Boot zu groß geworden ist und es nicht gelingt, es gegen die Strömung aus eigener Kraft zu erreichen? Solche Situationen spielten die Kursteilnehmer in der Praxis durch. Sie lernten etwa, eine Signalboje aufzublasen. Die zeigt der Bootsbesatzung, wenn sie an die Oberfläche aufgestiegen ist, die Position der Taucher an.

Eine „Bergeübung“ im Rahmen des Kurses entpuppte sich indes als äußerst kraftraubendes Unterfangen. „Es ging darum, einen Bewusstlosen an die Oberfläche zu befördern und dabei wichtige Handgriffe anzuwenden. Der Kopf muss etwa überstreckt sein, damit die Atemwege frei sind. Zunächst einmal wollte die ,Unfallstelle’ aber erreicht werden. Die Kursteilnehmer mussten fast 50 Meter schnorcheln, ehe sie abtauchen und das kraftraubende Rettungsmanöver angehen konnten. Im ersten Durchgang haben sie ihre Kräfte falsch eingeschätzt und sich zu sehr verausgabt. Danach lief es viel besser. Alle haben die Herausforderung gemeistert“, resümiert Malinowski, der als „Instructor Trainer“ die höchste Stufe erklommen hat, die Tauchlehrer erreichen können.

Eine Prüfung im eigentlichen Sinne gab es übrigens nicht. Die erfolgreiche Absolvierung des Kurses, der auch Erste-Hilfe-Techniken beinhaltete, wurde aber natürlich im Tauchpass vermerkt.

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