Christian Seevers war sechs Monate lang mit Traktor und Bauwagen unterwegs

Anekdoten vom Treckerbock

Viele Anekdoten sind auf den knapp 5500 Kilometern Treckerfahrt viele zusammengekommen. Christian Seevers erzählt sie gern. Foto: backhaus

Dünsen - VON KATIA BACKHAUS. Mit 18 Kilometern pro Stunde unterwegs zu sein, das ist Gemütlichkeit. Und so hat sich Christian Seevers, der ein knappes halbes Jahr lang mit einem Trecker-Bauwagen-Gespann an Deutschlands Grenzen entlang gefahren ist, auch viel Zeit genommen, um von seiner Reise zu erzählen. Ins Landhaus Dünsen eingeladen hatte ihn der Landfrauenverein Harpstedt-Heiligenrode.

Es ist schon der zweite Besuch des 64-jährigen Fahrenhorsters bei den Landfrauen, deshalb beginnt sein Bericht mitten auf der Strecke, irgendwo zwischen Luxemburg und Frankreich. Nach imposanten Glasfassaden, die Seevers im Luxemburger EU-Viertel fotografiert hat, geht es ins französische Metz. Fast direkt an der Mosel, mitten in der Stadt, hat er dort einen Campingplatz gefunden - offenbar keine Seltenheit. Seevers ist zwar weder über Autobahnen noch über Bundesstraßen gefahren, hat aber zu vielen Orten Zugang gefunden. Ob in Freiburg, wo er einen Campingplatzbetreiber mit seinem ungewöhnlichen Gespann überzeugen konnte, ihm doch noch einen Platz auf dem eigentlich komplett belegten Grundstück zu geben, oder in Straßburg, wo er mitten in der Stadt auf der Suche nach dem Bahnhof umherkurvte. „Mich hat kein einziger Lkw angehupt, auf der ganzen Reise nicht“, sagt der 64-Jährige. Und auch eine Begegnung mit der Polizei bei Speyer am Oberrhein verlief unproblematisch. Er sei zwar sehr nervös gewesen, als „Bitte folgen“ aufleuchtete, doch im Endeffekt waren die Beamten wohl vor allem neugierig, erzählt er. Beim Blick in seine Papiere gratulierten sie ihm zum Geburtstag. Und nach einem Besuch in Seevers’ mobilem Zuhause, einem sieben Quadratmeter großen Bauwagen, und einem Blick auf die Karte, auf der er seine Tour verzeichnete, verabschiedeten sie sich.

Der Fahrenhorster, der als Gästeführer in Bremen arbeitet, hat viele solcher Anekdoten auf Lager - und auch auf Fotos. Seinem 25-köpfigen Publikum erzählt er, wie er im Technikmuseum Speyer ein Flugzeug wiedersah, aus dem er wahrscheinlich in seiner Fallschirmspringer-Ausbildung gesprungen war, wie kurios er es fand, auf einem französischen Markt Brennnesseln für zwölf Euro das Kilo zu entdecken, und wie er sich seit einem echten Stück Schwarzwälder Kirschtorte seitdem nicht mehr an das Gebäck herangetraut hat. „Das Ding war locker 15 Zentimeter hoch“, sagt Seevers.

Seine Frau hat ihn auf seiner Tour nicht begleitet - wusste aber dank der akribischen Planung ihres Mannes stets, wo er war. Eine lange Lise von Campingplätzen, geplanten Etappen und Kontaktdaten hatte der 64-Jährige ihr dagelassen. Dazu schickte er ihr jeden Tag eine Postkarte. Auch in Zukunft will Seevers’ Frau daheimbleiben, denkt aber gern mit. Jüngst hat sie ihm eine neue Deutschlandtour vorgeschlagen: Inlands, mit etwa 100 Kilometern Abstand zur Grenze. Zeit hat der Fahrenhorster genug - und bereits die ersten Ziele im Kopf, die er dann gern besuchte.

Hintergrund

Acht Jahre Planung, fast sechs Monate auf der Straße: Am 2. April 2016 brach der Fahrenhorster Christian Seevers zu seiner Tour auf, am 24. September kehrte er zurück. Auf seinem MAN-Ackerdiesel, Baujahr 1954, fuhr Seevers 4 310 Kilometer. Nach einer Panne zwischen Berlin und Frankfurt/Oder musste der Fahrenhorster das Fahrzeug wechseln: Mit einem Hanomag R 19 legte er die restlichen gut 1 152 Kilometer zurück. Auf seiner Fahrt kam Seevers mit seinem Trecker bis auf 1 233 Meter hoch (Feldberg) und bewältigte Straßengefälle von bis zu 19 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Meistgelesene Artikel

Nissan steht bei Probefahrt auf A28 plötzlich in Vollbrand

Nissan steht bei Probefahrt auf A28 plötzlich in Vollbrand

Einsatz in Neerstedt: Großer Abfallhaufen in Flammen

Einsatz in Neerstedt: Großer Abfallhaufen in Flammen

Vereine können Auto gewinnen

Vereine können Auto gewinnen

Wildeshausen-West: Bürgermeister Jens Kuraschinski im Interview zu aktuellen Entwicklungen 

Wildeshausen-West: Bürgermeister Jens Kuraschinski im Interview zu aktuellen Entwicklungen 

Kommentare