Anekdoten aus Erinnerungen der ehemaligen Förstersfrau Charlotte Wilkening

Wenn der Weihnachtsbraten den Ratten zum Opfer fällt

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Ein Blick ins Hölscherholz bei stimmungsvollem Licht.

Harpstedt - Von Weihnachtsfesten, die in den 1950er-Jahren nicht so ganz nach Plan verliefen, handelt eine Nachkriegsgeschichte der früheren Förstersfrau Charlotte Wilkening, die Alfred Panschar vom Bürger- und Geschichtsverein Wildeshausen unserer Zeitung zum Abdruck zur Verfügung gestellt hat.

Charlottes Gatte Heinrich, der letzte Förster im Hölscherholz, lebte und wirkte dort etwa drei Jahrzehnte lang. 1981 trat er in den Ruhestand. Er ist – wie auch seine Frau – inzwischen verstorben. Der Förster schmückte an jenem Heiligen Abend, den die Geschichte zuerst beschreibt, im großen Esszimmer gerade den Weihnachtsbaum, als sich unbemerkt die Wachtelhündin „Bärbel“ ins Zimmer schlich, während die Frauen, die sich im Forsthaus aufhielten, noch mit Vorbereitungen in der Küche zu tun hatten.

„Die Kinder warteten oben bei Onkel Ulrich (Förster Ulrich) und Tante Emmi auf die Bescherung“, heißt es in den Aufzeichnungen von Charlotte Wilkening. Als sie sich selbst den Weihnachtsbaum ansehen wollte, sei Hündin Bärbel eifrig dabei gewesen, Schokoladen- und Zuckerriegel vom Baum zu verzehren, über die „sich damals die Kinder so freuten“. Der nächste Schreck wartete in der Küche: „Traute, die den vorbereiteten Festbraten aus dem Keller holen wollte, fand nur noch die leere Bratpfanne mit abgenagten Knochen vor.“

Der Grund dafür blieb der Förstersfrau nicht verborgen: „Die Ratten hatten über Nacht (...) ein Loch in die Kellertür genagt und alle dort aufbewahrten Vorräte verzehrt. Zum Glück hatten wir immer Gläser mit eingekochtem Fleisch. So konnten wir doch noch ein Festgericht auf den Tisch bringen. Trotz aller Aufregungen wurde es ein schöner Heiliger Abend.“

Auch das Weihnachtsfest, das im Folgejahr in dem traditionsreichen Forsthaus gefeiert wurde, ging nicht wie erhofft über die Bühne.

Piekfeiner Ofenbaumeister bleibt tagelang im Haus

Zwar sei, wie die Förstersfrau in ihren Aufzeichnungen festhielt, der Heilige Abend ruhig und schön verlaufen; am ersten Weihnachtsfeiertag sei dann aber „die große Überraschung“ gekommen: „Während ich in der Küche das Essen warm hielt und auf die Familie wartete, gab es im Esszimmer einen fürchterlichen Knall. Als ich die Tür aufmachte, sprang mir unsere alte Hündin entgegen. Meist schlief sie vor dem warmen Kachelofen. Jetzt sah ich, dass der eiserne Einsatz aus den Kacheln gefallen war. Die brennenden Holzscheite lagen auf dem Fußboden und auf dem Teppich. Mit Schaufeln warfen wir das brennende Holz wieder in die Feuerstelle zurück, löschten mit nassen Säcken alles noch Brennende und machten dann Tür und Fenster auf. Danach rückten wir den Esstisch vor die offene Feuerstelle und speisten am offenen Kamin. Es war dann noch recht gemütlich. Es roch zwar etwas nach Rauch, aber alle fanden es ganz in Ordnung.“

Schon „aus Sicherheitsgründen“, so die Förstersfrau weiter, habe ein alter schlesischer Ofenbaumeister aus Bassum kommen müssen, ein „piekfeiner Mann“. Nach seiner Ankunft habe er sich von Kopf bis Fuß umgezogen, sein Feldbett vor dem zu reparierenden Ofen aufgeschlagen und sei „einige Tage bei uns“ geblieben. Die jungen Leute im Hause hätten bemängelt, dass „er nicht Skat spielen konnte“; ansonsten sei er aber „ein gern gesehener Gast“ gewesen.

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