Alltagsärger: Hans-Jürgen Busacker hat E-Geräte und Gästebetten für Flüchtlinge abzugeben – und bleibt darauf sitzen

Sachspenden-Angebot findet kein Interesse

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Auch diese Gästebetten wollte Hans-Jürgen Busacker für Flüchtlinge spenden.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Finanziell kann Rentner Hans-Jürgen Busacker die in der Samtgemeinde aufgenommenen Flüchtlinge nicht unterstützen. Wohl aber mit Sachspenden. Da der Harpstedter ohnehin gerade im Begriff ist, mit seiner Frau Lore in eine der betreuten Wohnungen beim DRK-Seniorenzentrum umzuziehen, ergab sichkürzlich eine günstige Gelegenheit, sich von noch gut erhaltenen und voll funktionsfähigen Elektrogeräten sowie zwei Gästebetten zu trennen. Der 67-Jährige wollte diese Dinge für Flüchtlinge spenden, blieb aber darauf sitzen. Der Verdruss darüber ist groß.

Christiana Dölemeyer aus dem Kreissozialamt habe ihn an den zuständigen Flüchtlingssozialarbeiter verwiesen, schildert Busacker. „Ich rief ihn an und sprach ihm auf die Mailbox. Er meldete sich telefonisch und versprach, er käme am Freitag zu mir. Das war vor drei Wochen. Er rief dann ein zweites Mal an: Er könne nun doch nicht kommen, weil er keine Zeit habe. Außerdem stehe nicht genügend Lagerplatz für die Sachen zur Verfügung, die ich abzugeben hätte. Ich war baff“, erinnert sich Busacker.

Der Ruheständler inserierte daraufhin in unserer Zeitung. Der Erfolg der Annonce ließ nicht lange auf sich warten: „Kurz nach Erscheinen stand bei mir das Telefon nicht mehr still. Den großen Kühlschrank, den ich spenden wollte, holte ein Interessent sofort ab. Auch der Industrie-E-Stand-Herd mit Ceranfeld ging schnell weg. Für eine noch neue Nähmaschine fand sich ebenfalls ein Abnehmer“, erzählt er. Spenden könnte er jetzt nur noch einen technisch einwandfreien Fernseher, wenngleich ohne Flachbildschirm, zwei Gästebetten mit ausklappbaren Gestellen und Matratzen, „ideal für Kinder“, sowie eine Mikrowelle und eine Industriefriteuse, wenn‘s denn ein kommunales Interesse gäbe, diese Dinge Flüchtlingen zukommen zu lassen. Genau das aber bezweifelt Hans-Jürgen Busacker.

Sozialdezernent Bodo Bode wundert sich ein wenig über die Schilderungen des Harpstedters. Da Christiana Dölemeyer aktuell im Urlaub sei, könne er zu der Angelegenheit wenig sagen. „Für gewöhnlich verweisen wir die Anrufer in solchen Fällen aber an die jeweils zuständige Gemeinde, weil die den Überblick darüber hat, was die Flüchtlinge wirklich brauchen“, so Bode auf Nachfrage unserer Zeitung. Ein Lagerplatz-Problem gebe es nicht. „Wir haben Räumlichkeiten angemietet, in denen eine Zwischenlagerung möglich ist. Zwischen Herrn Busacker und der Samtgemeinde Harpstedt scheint eine Verstimmung vorzuliegen. Da liegt wohl das Problem“, vermutet Bode.

Diese „Verstimmung“ ließ sich aus dem Gespräch Busackers mit unserer Zeitung durchaus heraushören. Da er mit dem Sozialamt im Harpstedter Amtshof auf Kriegsfuß steht, neigt er inzwischen nach eigenem Bekunden dazu, sich – wenn möglich – erst einmal ans Kreissozialamt in Wildeshausen zu wenden. Auch mit seinem Sachspenden-Angebot ist er so verfahren. Das Sozialamt der Samtgemeinde kontaktierte er in der Angelegenheit nicht. Gleichwohl ärgert es den 67-Jährigen, dass die Geräte und Gästebetten, die er Flüchtlingen überlassen wollte und die ja indirekt zur Einsparung von Steuergeldern hätten beitragen können, so wenig Interesse gefunden haben.

„Ich war selbst Flüchtling. Ich weiß, wovon ich rede“, bringt er seine eigene Lebensgeschichte ins Spiel. „Ende 1955 flüchtete ich mit meinen Eltern aus der DDR. Anfang Januar 1956 kamen wir ins Aufnahmelager nach Uelzen. Wir waren in einer Baracke untergebracht. Vier Familien mussten sich einen sehr kleinen Raum voller Doppelstockbetten teilen“, erzählt der Rentner. „Wir wurden verhört wie Schwerverbrecher, weil die Amerikaner Angst vor Spionen aus der DDR hatten“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Nach dem Erhalt unseres C-Ausweises verlegte man uns nach Lübeck-Blankensee – in eine ehemalige Kaserne aus der Hitler-Zeit. Wir sollten raus aus Niedersachsen; das Land hatte schon zu viele Flüchtlinge aufgenommen. Wir wollten aber gern hier bleiben, weil der einzige Verwandte, den wir hier hatten, der Bruder meiner Mutter, in Twistringen lebte, wo er einen Lebensmittelladen betrieb, in dem ich später Kaufmann lernte. Mein Vater hat sich heimlich nachts aus dem Lager geschlichen und beim Bauern Schafställe sauber gemacht, um sich ‘ne Mark nebenbei zu verdienen.“ In finanzieller Hinsicht muss es kein Zuckerschlecken gewesen sein, als Flüchtling über die Runden zu kommen, lässt sich den Worten Busackers entnehmen. „Eine Familie bekam damals gerade mal neun Mark in der Woche.“

Die Unterkünfte waren offenkundig alles andere als komfortabel. Nicht einmal richtige Matratzen standen den Flüchtlingen zur Verfügung. „Wir mussten Säcke selbst mit angeliefertem Stroh füllen, um darauf schlafen zu können“, entsinnt sich Busacker.

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