Landratskandidat beeindruckt von Algenfarm

Geschmacksprobe inklusive

An der aus Frankreich stammenden Erntemaschine: Landratskandidat Christian Pundt (links) und Algenzüchter Christian Hohnholz.
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An der aus Frankreich stammenden Erntemaschine: Landratskandidat Christian Pundt (links) und Algenzüchter Christian Hohnholz.

Dünsen – Landratskandidat Christian Pundt beschränkte sich bei einem Besuch der Algenfarm Hohnholz in Dünsen nicht darauf, seinen Informationshunger zu stillen. Eine geschmackliche Kostprobe war inklusive.

Beckenwasser mit zu erntenden Algen wird in eine sich drehende Trommel gepumpt. Düsen besprühen deren wasserdurchlässige Oberfläche in zeitlichen Abständen von außen und halten sie so sauber. Die Algen landen in einem mit Tuch ausgekleideten Korb, ehe sie mit warmer Luft getrocknet werden. Das Wasser fließt zurück ins Becken. Ein Kreislaufsystem. Christian Hohnholz aus Dünsen hätte die moderne Erntemaschine aus Frankreich gern schon gehabt, als er 2018 mit der Algenzucht begann. Zunächst musste er die Ernte nämlich mit Tüchern in mühsamer Handarbeit einfahren.

Lehrgeld bezahlt

„Wir haben erst nur Minus gemacht und viel Lehrgeld bezahlt. Seit 2020 läuft es besser“, sagt der Landwirt. Dem Landratskandidaten Christian Pundt imponieren bei einem Rundgang durch die Produktionsstätte (Gewächshaus mit insgesamt zehn 40-Kubikmeter-Becken) die innovativen Wege, die sein Gastgeber in der Landwirtschaft geht. Er lässt sich sogar zu einer Geschmacksprobe hinreißen. Leicht salzig munden die Spirulina-Algen mit 60 Prozent Eiweißanteil, viel Vitamin K und Eisen. Sie werden zu einem Nahrungsergänzungsmittel verarbeitet.

Je tiefer man kommt, desto dunkler wird’s.“

Christian Hohnholz

Hohnholz stellt die Rohware her. Das Endprodukt wissen etwa Veganer oder auch Kraftsportler zu schätzen. Die Deutsche Algen-Genossenschaft übernimmt die Vermarktung. Der Betreiber der Dünsener Algenfarm sitzt im Aufsichtsrat. „Wir haben jetzt 25 Mitglieder. Bei der Gründung waren es acht“, verrät er. Jedes Mitglied müsse produzieren. Eine Geldanlagemöglichkeit zu schaffen, sei nicht das Ziel gewesen.

„Warum blubbert das?“, deutet Pundt auf ein Becken. Dort würden die Algen mithilfe von Lufteintrag durch zahlreiche Schläuche umhergewirbelt, damit sie an die Wasseroberfläche kämen – und damit an das für die Fotosynthese benötigte Licht, erklärt Hohnholz. In den Becken gelte wie im Ozean: „Je tiefer man kommt, desto dunkler wird’s.“

Die Ernte sei aktuell nicht täglich möglich. Die Reproduktion dauere länger als in der heißen Jahreszeit. Die im Hochsommer mit den vorhandenen Kapazitäten zu gewinnende Tagesmenge an Trockenerntemasse beziffert Hohnholz auf rund zehn Kilogramm. „Wir haben uns stetig gesteigert. Anfangs konnten wir nur 300 Kilo im Jahr ernten, weil die Erntetechnik nicht passte. 2020 sind wir auf das Vierfache gekommen.“ Weitere Optimierungen wären sicher möglich.

Die Anzahl der Becken sei indes schon halbiert worden. „Vorher waren sie zweigeteilt. Wir hatten 20 Becken. Entsprechend hoch war der Aufwand. Auch der Kontrollaufwand“, sagt Hohnholz.

Algenzucht noch eine Nische

Eine Nische sei die Algenzucht nach wie vor, lässt der 32-Jährige durchblicken. „Unser Betrieb ist mit Schweinemast, Ackerbau und Forstwirtschaft ausgesprochen vielfältig und sehr breit aufgestellt“, betont er. Sein Vater, ebenfalls an der betrieblichen GbR beteiligt, habe mal gesagt: „Ich hätte nicht mit Jungsauen angefangen, sondern mit der Algenzucht, wenn es die damals schon gegeben hätte.“ Beiläufig erwähnt Christian Hohnholz die heranwachsende vierte Generation seiner Familie. Das zweite Kind sei unterwegs, verrät er, während Pundt das mehrere Jahrhunderte alte Haus bewundert.

Der Landratskandidat will weitere landwirtschaftliche Betriebe in Augenschein nehmen, die seinen Besuch wünschen. Die Begriffe „Regionalität“ und „gesamtgesellschaftliche Verantwortung“ begegneten ihm bei solchen Terminen immer wieder, fällt ihm auf. Auch mit der Interessenvertretung „Land schafft Verbindung“ habe er schon gesprochen.

„Wir müssen uns anpassen, aber keiner will dafür zahlen“, beschreibt Christian Hohnholz ein Grunddilemma, das die Landwirtschaft plagt. Das Sterben der Betriebe wird sich nach seiner Überzeugung fortsetzen.

Bei uns werden einige Pflanzenschutzmittel nicht mehr zugelassen, in anderen Ländern der Europäischen Union hingegen doch.“

Christian Hohnholz

Die Zeiten seien alles andere als rosig, nicht zuletzt wegen der Rahmenbedingungen. Hohnholz macht das unter anderem am Beispiel Pflanzenschutzmittel fest: „Bei uns werden einige nicht mehr zugelassen, in anderen Ländern der Europäischen Union hingegen doch. Ohne diese Mittel haben wir einen deutlichen Mehraufwand – und zudem einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Nachbarländern.“

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