Zweites Standbein für Christian Hohnholz

Algen aus Dünsen für Nahrungsergänzungsmittel

In dem Becken hinter sich züchtet Christian Hohnholz Algen.
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In dem Becken hinter sich züchtet Christian Hohnholz Algen.

Dünsen – Manche Menschen züchten Hunde, Katzen oder Kaninchen.  Auch Christian Hohnholz vermehrt seit fünf Jahren etwas in einem Gewächshaus in Dünsen, allerdings etwas gänzlich anderes: Algen.  

Warum? „Ich habe mir damals überlegt, wie ich den Betrieb langfristig positiver aufstellen kann“, erzählt der 32-Jährige, der neben der Schweinemast Ackerbau und Forstwirtschaft betreibt. „Wir Landwirte denken in Generationen. Wenn ich das Ganze meiner Tochter übergebe, muss es zukunftsfähig sein“, sagt der Dünsener und ergänzt: „Meiner Meinung nach ist die Schweinemast so, wie wir sie derzeit betreiben, nicht zukunftsfähig.“

Wir Landwirte denken in Generationen.“

Christian Hohnholz

In Fachzeitschriften stieß Hohnholz auf die Algenzucht, die sich mittlerweile für ihn zu einem zweiten Standbein entwickelt hat. „Dieses Jahr soll das Jahr werden“, sagt er und lacht. Denn in der Vergangenheit musste er sich zunächst Grundlagen aneignen. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, beschreibt er den Anfang. „Ich musste erst mal die Technik und das Handling lernen.“

Genossenschaft für die Vermarktung

Mittlerweile schwimmen in einem 2 500 Quadratmeter großen Gewächshaus Millionen von Algen in mehreren Becken. „In jedes passen etwa 40 Kubikmeter Wasser“, erläutert der 32-Jährige.

Algen haben besonders viele pflanzliche Proteine, sind sehr eisenhaltig und reich an Vitamin K.“

Christian Hohnholz

Doch was macht er überhaupt mit den Algen? Hohnholz produziert Rohware für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln. „Algen haben besonders viele pflanzliche Proteine, sind sehr eisenhaltig und reich an Vitamin K“, listet er die Vorteile auf.

Vergangenes Jahr hat der Dünsener die Deutsche Algen Genossenschaft mitgegründet. „Dieses Jahr ist sie als Genossenschaft eingetragen worden und somit wirtschaftsfähig“, berichtet er. „Darüber werden die Kapseln vermarktet.“ Zusammen mit sieben weiteren Landwirten aus Niedersachsen produziert Hohnholz die Algen.

Aber wieso gerade Nahrungsergänzungsmittel? Das sei „ erst mal das Einfachste“, erwidert der Züchter. „Den Vermarktungsweg gab es schon. Kapseln gab es damals auch bereits, und so bin ich mit aufs Boot aufgesprungen“, fügt er hinzu.

Dieses 2 500 Quadratmeter große Gewächshaus in Dünsen steht dem 32-jährigen Landwirt für die Algenzucht zur Verfügung.

„Blubber“ wirbelt die Algen durch

Und so werden die Pflanzen gezüchtet: Die Mikroalgen schwimmen 365 Tage in acht Becken, von denen zwei noch nicht in Betrieb sind. Sie brauchen – wie jede Pflanze – Sonnenlicht und Wärme. Das grün-blau verfärbte Wasser hat aktuell eine Temperatur von zehn bis 15 Grad. „Dennoch habe ich Wachstum festgestellt. Optimal sind 20 bis 25 Grad“, weiß Christian Hohnholz.

Der „Blubber“, wie er ihn nennt, fährt mehrmals am Tag über das Becken, um die Algen durcheinanderzuwirbeln. „Unten ist es dunkel im Wasser, oben hell. Damit die unteren Algen auch Licht bekommen, werden sie gewirbelt“, erklärt der Dünsener.

Verarbeitung zu Pulver in Kapseln

Wenn die Algen reif sind, erntet er sie. Das geschieht mithilfe einer Wasserpumpe. Die befördert die nasse Masse in eine Filteranlage. Die Maschine sortiert dann die Algen, und das Wasser, das vorher im Becken war, fließt dorthin wieder zurück.

„Das Schöne ist, dass wir keinen Wasserverbrauch haben, da es sich um ein geschlossenes System handelt. Wir verbrauchen also wenig Ressourcen“, erläutert der 32-Jährige. „Wie holen immer nur ein Drittel der Algen aus dem Wasser; der Rest vermehrt sich.“

Stillstand im Winter

Nachdem die Masse gefiltert ist, legt Hohnholz sie nebeneinander auf ein mit Folie ausgelegtes Gitter. Und dann werden die frisch geernteten Algen in einem separaten Raum eine Nacht lang schonend getrocknet – bei 40 bis 50 Grad. Das sei die optimale Temperatur, damit die Inhaltsstoffe erhalten blieben, so der Landwirt.

Das Ergebnis: grüne Kapseln.

„Dann verpacken wir sie, und die Ware kommt zur Genossenschaft nach Langförden zur Qualitätskontrolle.“ Dort werden die Algen schließlich zu Pulver für Kapseln verarbeitet, die unter dem Markennamen „Lüttge“ verkauft werden. In einer Dose befindet sich 200 grüne Tabletten. „Die reichen für einen Monat“, so Hohnholz.

Unterstützt wird er bei der Zucht von seinen Eltern und seiner Frau. Insgesamt sei er mit den Erntemengen zufrieden, wenngleich es natürlich immer noch besser sein könne. Im Winter herrsche in den Becken Stillstand. „Da passiert nichts. Die Algen vermehren sich nicht.“

Für uns ist das der Betriebszweig für die Zukunft.“

Christian Hohnholz

Ob sie sommerliche Hitze vertrügen? Hohnholz nickt: „35 Grad warmes Wasser können die ab. Die mögen die Wärme.“ Zweimal die Woche prüft der Züchter die Qualität des Wassers. Dafür werde es unter anderem mikroskopiert, „um den Zustand der Algen festzustellen“. Mit seiner Zucht denkt er voraus: „Für uns ist das der Betriebszweig für die Zukunft.“

Weitere Informationen gibt es im Internet unter evergreen-food.de. In dem Onlineshop sowie direkt bei Christian Hohnholz sind die Kapseln erhältlich. Eine Dose kostet 29,50 Euro.

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