Ungewöhnliches Haustier

Wildschwein und Jäger sind dicke Freunde

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Für Leckerlis ist Miss Elli immer zu haben. Fredi (l.) und Rolf Wesemann sorgen dafür, dass es der recht zahmen Bache an nichts mangelt.

Klein  Amerika - Von Jürgen Bohlken. Schweine hält Fredi Wesemann heute nicht mehr. Mit einer Ausnahme: Seit elf Jahren lebt Miss Elli, eine Bache, auf dem Hof des passionierten Jägers in Klein Amerika. Und zwar als Haustier.

Beginnt der 81-Jährige die Wildsau zu kraulen, legt sie sich auf die Seite, um die Streicheleinheiten zu genießen. „Sie ist sehr schmusebedürftig“, sagt Fredi Wesemann, aber er weiß auch, dass sich das Tier nicht vollständig domestizieren lässt. „Das Wilde steckt immer noch drin.“

Argwöhnisch, aber nicht aggressiv

Miss Elli merkt sofort, wenn sich ihr ein Fremder nähert und quittiert ungewohnte Geräusche in ihrem Umfeld mit Argwohn. Sie verhält sich gegenüber dem Unbekannten vorsichtig bis zurückhaltend, aber nicht aggressiv.

Der im Ruhestand lebende Fredi Wesemann, der seinen Hof an Sohn Rolf abgegeben hat, erinnert sich noch gut an die Aufzucht des einstigen Frischlings mit der Flasche. Das junge Tier bekam Sauenmilch. Den für gewöhnlich recht schnell zerknabberten „Nuckel“ musten die Wesemanns häufig gegen einen neuen austauschen.

Zeit zum Kraulen: Die Wildsau genießt eine Streicheleinheit.

Warum die Sau so heißt, wie sie heißt, weiß ihr „Herrchen“ nicht mehr so genau. Dass die Namensgebung mit Mutter Ewing aus der US-Serie „Dallas“ über eine texanische Ölmagnaten-Dynastie zu tun hat, liegt zumindest nahe. Fredi Wesemann gibt zu, dass er die Folgen in den 1980er-Jahren ganz gern geschaut habe. Zu seiner Miss Elli kam er im Januar 2006 wie die Jungfrau zum Kind. Das „Baby“, damals vielleicht gerade mal zwei Wochen jung, stammte aus einer Rotte Frischlinge, die ihre Mutter zurückgelassen hatte.

Durchaus wählerisch beim Futter

Fredi Wesemann „adoptierte“ nicht nur das weibliche, sondern auch ein männliches Jungtier. „Die beiden haben sich aber gegenseitig wild gemacht“, erinnert sich sein Sohn Rolf. „Den Keiler haben wir nach einiger Zeit weggegeben.“ Miss Elli, anfangs recht bissig, wurde dann zunehmend zutraulicher und für ein vorwiegend im Stall lebendes Wildtier erstaunlich zahm. Dafür, dass sie genügend Auslauf bekommt, sorgt Rolf Wesemann. Artig trottet sie ihm bei Spaziergängen durch die Felder hinterher. Auch auf der Grünfläche hinterm Haus fühlt sie sich augenscheinlich wohl. Schnell beginnt sie dort aber zu wühlen. Ließen Vater und Sohn Wesemann sie gewähren, wäre der Rasen vermutlich in kürzester Zeit Geschichte.

Die Wildsau frisst beileibe nicht alles, was ihr vor den Rüssel kommt. „Sie isst ziemlich lecker“, findet Fredi Wesemann. Für Hundefutter aber könne sie sich erwärmen. Und Weingummi als Leckerli wisse die Bache immer noch sehr zu schätzen. Die Geschichte von Miss Elli hat übrigens sogar Eingang in das kürzlich erschienene und schon vergriffene Buch „Hegering Harpstedt – Eine Zeitreise durch Jagd und Natur“ gefunden; sie lässt sich dort auf Seite 162 nachlesen.

Im Topf wird Eli niemals enden

Fredi Wesemann ist selbst seit Jahrzehnten Jäger. Auch seine zweite große Leidenschaft, das Musizieren auf dem Akkordeon, pflegt er nach wie vor. Ungezählten Auftritten des Gemischten Chors Harpstedt hat er mit instrumentaler Begleitung mit zum Erfolg verholfen; einige davon gelten unter den Sangesfreunden sogar als legendär.

Sicher ist: Miss Elli wird nicht im Bratentopf enden. Das brächte ihr „Herrchen“ nicht übers Herz. Wie lange die Wildsau, die sich aktuell bester Gesundheit erfreut, ihm noch erhalten bleibt, kann der 81-Jährige nur schätzen. Nach seiner Kenntnis werden Wildschweine durchaus schon mal 17 Jahre alt. Nachgewiesen sind sogar Exemplare, die das 21. Lebensjahr vollendet haben.

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