Adalbert Bremer sammelt alles über die Geschichte seines Heimatortes

Kampf der Harpstedter für ihre Misthaufen

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Der Harpstedter Adalbert Bremer durchstöbert gern seine Sammlung aus alten Fotos und Dokumenten.

Harpstedt - Von Sophie Filipiak. Alte Fotos, Zeitungsartikel sowie Ordner voller Akten und Dokumente liegen ausgebreitet auf dem Tisch. „Ich kann einfach nichts wegwerfen“, erklärt der Harpstedter Adalbert Bremer fast entschuldigend. Manchmal stößt er beim Durchstöbern der zahlreichen Kisten, Kartons und Schubladen auf bemerkenswerte Anekdoten aus dem Raum Harpstedt – wie auf einen Artikel über einen Aufstand der Harpstedter im 19. Jahrhundert.

Das Meiste habe er von seinen Großeltern übernommen, aber wenn er im Internet etwas finde, greift Bremer gerne zu. „Meine Frau hat sich mittlerweile an meine Sammelleidenschaft gewöhnt“, so der 75-Jährige. Im Hintergrund ist leise klassische Musik zu hören, während der Rentner durch die alten Fotoalben blättert.

Sein Onkel arbeitete während des Zweiten Weltkriegs und danach als Fotograf. „Er hat überall geknipst“, erzählt er und zeigt eine kleine Aufnahme. Darauf zu sehen ist sein Großvater Wilhelm Bremer, der in seiner Gendarmen-Uniform neben einem zerbombten Munitionszug steht. Das Foto ist datiert auf den 27. Juli 1940.

In seinem Fundus hat der Harpstedter auch einen kuriosen Zeitungsartikel. „Noch eine Bauernrevolution“ titelte das Frankfurter Konversationsblatt am 23. Mai 1848. Ganz Europa war damals von bürgerlichen Aufständen geprägt. Den Harpstedtern ging es aber nicht um die Aufhebung der Zensur oder die Bauernbefreiung – sondern um Misthaufen. Die Stimmung im Ort war laut Artikel bereits aufgeheizt, da die Bürger gegen den Bau einer „Chaussee“ nach Bremen protestierten: „Es würde zu viel Gesindel nach Harpstedt kommen“, so die Begründung. Dazu kam nun eine Verordnung des damaligen Bürgermeisters, die der „Unsitte der Einwohner, die Düngerhaufen aus ihren Ställen jahraus jahrein vor den Thüren auf offener Straße aufzuschichten“ einen Riegel vorschob. „Die unästhetischen Düngerhaufen verschwanden nach und nach.“

„Als aber die Kunde von der neuen Pariser Revolution durch die Lüneburger Heide drang“, heißt es weiter, „ergriff der Revoltegeist auch die Bürger in Harpstedt.“ Zu Hunderten versammelten sie sich und zogen zur Wohnung des Bürgermeisters. Was sie denn von ihm wollen, soll der entsetzte Politiker gefragt haben. „Weiter nichts als die Freiheit, unsere Misthaufen hinzubringen, wo es uns beliebt, und damit Basta!“, forderte die Meute. Notgedrungen gab der Bürgermeister klein bei und hob die Anordnung wieder auf.

Ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Das ist Bremer aber egal: „Ich denke aber, das bringt viele Harpstedter zum Schmunzeln.“

Noch viel mehr könnte er erzählen und zeigen, beispielsweise die Korrespondenz seiner Eltern, während der Vater in Kriegsgefangenschaft war. Oder die Beschwerde eines Mannes aus Mahlstedts bei der Militärregierung aus dem Jahr 1945. Sein Arbeitgeber versuchte ihn systematisch mit Repressalien loszuwerden, nur weil er einem amerikanischen Piloten, der über Harpstedt abgeschossen wurde, medizinisch versorgt hatte. Und so schlummert in zahllosen Kartons, Kisten und Schubladen von Adalbert Bremer ein Teil der Geschichte Harpstedts.

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