Wiederaufbau im Museumsdorf Cloppenburg

Abbau des ehemaligen „Steins“ schon bis Mitte 2017 vollzogen?

Noch eine Weile auf sich warten lassen wird der Pavillon, der die mit dem Verschwinden des „Steins“ entstehende Lücke schließen soll. Unser Bild zeigt Klaus-Dieter Westphal (l.), den Vorsitzenden der Fördergemeinschaft Koems, und Architekt Hermann Dunkler-Gronwald mit einem Modell des Baukörpers. - Archivfoto: Bohlken

Harpstedt - Was zunächst nach einer großen Vision klang, könnte nun bald tatsächlich Realität werden: Die Chancen dafür, dass die ehemalige Harpstedter Kult-Disco „Zum Sonnenstein“ im Museumsdorf Cloppenburg ein „zweites Leben“ geschenkt bekommt, stehen weit besser als vor einem halben Jahr. Gleichwohl sei das Vorhaben nicht in trockenen Tüchern, betont Museumsdirektor Dr. Uwe Meiners.

Ein immenses Interesse an dem Projekt sei aber von ganz verschiedenen Seiten spürbar. Auch Stiftungen hätten ihre Bereitschaft erklärt, sich finanziell zu engagieren. Investitionen von etwa 500 000 Euro sind einschließlich Eigenleistungen veranschlagt. Meiners hofft, dass die Finanzierung zu einem großen Teil über „Projektmittel“ erfolgt. Die politischen Beschlüsse über die Gelder stünden noch aus. Auch habe der Flecken Harpstedt die Schenkung der Immobilie bislang nicht gebilligt. Diese Entscheidung soll am 13. Oktober fallen – im Beisein von Meiners, der das Vorhaben dann vorstellt. „Es geht uns nicht um das Habenwollen, sondern darum, kulturelles Erbe ein Stück weit zu erhalten“, betont er.

Wenn alles glatt geht, könnte der Abbau des früheren „Steins“ schon bis etwa Mitte 2017 bewerkstelligt sein. Die „Rentnerbänd“ hatte ihre Mithilfe angeboten; das Museumsdorf würde gern darauf zurückgreifen. Die Dienste der Koems-Seniorengruppe könnten etwa gefragt sein, wenn es an das Abdecken des Daches geht.

Der Flecken Harpstedt will dem Museumsdorf die für vergleichsweise kleines Geld ersteigerte Immobilie schenken. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Der Gemeinde blieben Abrisskosten erspart, die sie hätte tragen müssen, wenn der ehemalige „Stein“ gemäß Beschlusslage „plattgemacht“ worden wäre. Und das Museumsdorf bekäme mit der Ex-Disco ein Objekt, das hervorragend in ein größer angelegtes Projekt passt: Ein ganz neuer Abschnitt des Museums soll mit passenden Gebäuden und Anlagen die Ära der 1950er- bis 1980er-Jahre erlebbar machen und viel von dem damaligen Zeitgeist widerspiegeln. Die Harpstedter Immobilie, einst ein Tanzlokal, in der teils sehr renommierte Bands auftraten, und dann über Jahrzehnte eine typische Dorfdisco, atmet regelrecht eben dieses Lebensgefühl und passt zu dem Vorhaben wie die redensartliche Faust aufs Auge. Auf die Idee, einen solchen ländlichen „Tanztempel“ als Museumsstück zu integrieren, ist übrigens europaweit bislang kein anderes Freilichtmuseum gekommen.

Wie eine Untersuchung der Substanz des ehemaligen „Steins“ ergab, hat sowohl Feuchtigkeit als auch der Marder Schäden am Gebäude hinterlassen, die aber weder eine unüberwindbare Hürde darstellen noch das Zustandekommen des Projekts gefährden.

Beim „lieben Geld“ klingen die Verlautbarungen des Museumsdirektors nun weit optimistischer als noch vor einigen Monaten: Man sei mit der Finanzierung auf gutem Weg, so Dr. Uwe Meiners. Ein Kraftakt wird’s allemal – nicht nur in finanzieller Hinsicht. Die „Verfrachtung“ des „Steins“ ins Museumsdorf birgt eine logistische Herausforderung in sich. Am Anfang steht das Vermessen des gesamten Komplexes. Der spannendste Part vollzieht sich beim Abtragen des Mauerwerks. Stück für Stück werden, so der Plan, Teile herausgesägt und mit Hilfe einer stützenden Latten-Einschalung nach Cloppenburg befördert.

Noch eine Weile auf sich warten lassen wird der zusammen mit Architekt Hermann Dunkler-Gronwald geplante Pavillon, den die Fördergemeinschaft Koems realisieren möchte, sobald der ehemalige „Stein“ verschwunden ist. Dieser bislang nur im Modell existierende Baukörper, der von der Form her ein bisschen wie ein halbes Zirkuszelt anmutet, soll die durch den Disco-Abbau entstehende Lücke sinnvoll schließen. boh

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