63 Kinderwünsche werden wahr

Vor der Verteilung der 63 von Mitbürgerinnen und Mitbürgern gespendeten Geschenke: Susanne Stößer, Annelen Voß und Markus Pieper (von links).
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Vor der Verteilung der 63 von Mitbürgerinnen und Mitbürgern gespendeten Geschenke: Susanne Stößer, Annelen Voß und Markus Pieper (von links).

Über mehrere Jahre hinweg bekam ein Junge jedes Jahr ein Extrageschenk zu Weihnachten: Süßigkeiten für 20 Euro. Er wollte nichts anderes, nur das. Heute ist er volljährig und wohnt in Delmenhorst. Aus eben diesen Gründen dürfte er nun nicht mehr vom „Wunschbaum“ in Harpstedt profitieren.

Harpstedt – Markus Pieper kann sich noch gut an den Süßigkeiten-Fan erinnern. Der Jugendpfleger bekam auch mit, dass der Junge einen Großteil von Schokolade und Co. abzweigte, um die Naschereien mit seinen Mitschülern zu teilen. „Er sagte damals, endlich habe er mal Gelegenheit, seiner Klasse einen auszugeben. Das hat mir imponiert. Und diese sensible Seite des Jungen kannte ich bis dahin gar nicht“, so Pieper.

Dass Hörstube und Jugendpflege (JuH) die Wunschbaum-Aktion auch im Coronajahr arbeitsteilig ermöglichen und bewältigen konnten, freut beide Seiten. Möglich war das allerdings nur, weil Bürgerinnen und Bürger abermals etliche Wünsche von Mädchen und Jungen aus der Samtgemeinde Harpstedt nicht nur erfüllt, sondern auch rechtzeitig „geliefert“ hatten: 63 liebevoll verpackte Geschenke ließ die JuH zum Teil selbst und zum Teil über Kindergärten und andere Kooperationspartner den Adressaten zukommen. Wegen des harten Lockdowns, der auch die Schulen betrifft, hatten Annelen Voß und Markus Pieper diesmal etwas mehr Arbeit. In früheren Jahren konnten sie das eine oder andere – für ältere Jugendliche bestimmte – Geschenk direkt in der JuH übergeben.

Bedacht werden seit eh und je, seit nunmehr elf Jahren, ausschließlich Familien aus der Samtgemeinde Harpstedt, in denen die Eltern wegen ihrer wirtschaftlichen Situation nicht viel Geld für den Gabentisch zur Verfügung haben. Geschenke bekommen jeweils sämtliche Kinder in diesen Haushalten.

Einige Wünsche waren diesmal kurzfristig hinzugekommen. Grund: Die Migrationsbeauftragte des Landkreises hatte angefragt, ob die Kinder aus zwei Anfang Dezember zugewiesenen Flüchtlingsfamilien, die nun in Harpstedt wohnen und vor allem Füllfederhalter und andere Dinge für die Schule brauchen, ebenfalls berücksichtigt werden könnten. Das ging klar. Die Migrationsbeauftragte stimmte die Wünsche selbst mit den betreffenden Eltern ab.

Mädchen und Jungen aus insgesamt vier geflüchteten Familien zählen zu den Beschenkten. Der Anteil der deutschen Kinder überwiegt aber. Aus gutem Grund: Viele der ab 2015 zugewiesenen Flüchtlinge wohnen nicht mehr in der Samtgemeinde.

„Der Wunschbaum war ein voller Erfolg“, urteilt Susanne Stößer von der Hörstube. „Die Karten mit den Wünschen wurden relativ schnell von den Zweigen gepflückt“, erläutert Annelen Voß. Die Kinder nähmen übrigens durchaus mit Freude Notiz von der liebevollen Verpackung und dem schönen Geschenkpapier.

Da eine „Schenkerin“ eifrig gestrickt hatte, konnten diverse Präsente zusätzlich um wärmende Socken ergänzt werden. „Das Schöne an dieser Aktion ist: Die Geschenke kommen dort an, wo sie benötigt werden“, betont Susanne Stößer. Hat sich die Einkommenslage einer Familie verbessert, bekommt die JuH übrigens durchaus von den Betreffenden mitunter sinngemäß gesagt: „Sie müssen uns nicht berücksichtigen. Wählen Sie lieber andere aus, denen es schlechter geht!“

Manche Kinder haben schon mehrmals vom „Wunschbaum“ profitiert. Gleichwohl bemüht sich die JuH sehr darum, möglichst immer wieder neue Familien zu berücksichtigen.

Von Jürgen Bohlken

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