Und das Wasserwerk auf Beckelner Gebiet versorgt Bassum und Twistringen

Harpstedt bekommt das Trinkwasser aus Wildeshausen

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Neben einem Wirrwarr aus Rohren fallen im Wasserwerk die riesigen Filter (links) ins Auge. V.l.: Betriebsleiter Julius Koops, Markus Penning, der in leitender Position für die Bereiche Hydrochemie und Hydrogeologie zuständig ist, sowie OOWV-Pressesprecher Gunnar Meister. ·

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken„Wasserwerk Harpstedt“ – diese Bezeichnung führt eigentlich gleich in doppelter Hinsicht in die Irre. Punkt eins betrifft die geografische Lage. Das Harpstedter Werk des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) befindet sich nämlich streng genommen auf Territorium der Gemeinde Beckeln. Punkt zwei: Es versorgt die Bassumer und Twistringer mit Trinkwasser. Was bei den Harpstedtern aus dem Hahn kommt, stammt indes aus dem Speicherpumpwerk Havekost. Das wiederum wird von den Wasserwerken Wildeshausen und – zu einem kleinen Teil – Großenkneten gespeist.

Das Gebäude an der Landesstraße 776 zur linken Hand in Richtung Bassum wirkt fast unscheinbar. Ein Blick ins Innere offenbart ein wahres Wirrwarr aus Rohren sowie riesige Filter. Doch wo sind die Beschäftigten?

„Hier kümmern sich vier Maschinisten um die Wartung der Anlage“, verrät Betriebsleiter Julius Koops. In Schichten werde nicht gearbeitet. „Es gibt einen Tagesdienst und eine Rufbereitschaft.“ Als das Wasserwerk Harpstedt 1989 in Betrieb ging, zählte der Betrieb zu den modernsten und fortschrittlichsten seiner Art. Die Automatisierung hielt damals Einzug in Filter-, Aufbereitungs- und Pumptechnik. „Früher gab es hier schon mal ein Versuchswasserwerk. Dort wurde noch jeder Schieber mit der Hand betätigt“, weiß Koops.

Maximal 2,6 Millionen Kubikmeter jährlich darf der OOWV aus insgesamt sieben Brunnen im Brammer Moor sowie vier weiteren im Dünsener Staatsforst – aus Tiefen zwischen 37 und etwa 100 Metern – zwecks Aufbereitung zu Trinkwasser im Werk Harpstedt fördern. Dieses Wasserrecht, das jeweils für die Dauer von 30 Jahren zugestanden wird, läuft 2033 aus. Dann muss der OOWV den Jahresförderbedarf neu beim Landkreis beantragen. Beileibe keine reine Formsache. Es bedürfe eines hydrologischen Gutachtens und aufwendiger Untersuchungen, sagt OOWV-Pressesprecher Gunnar Meister. Die Auswirkungen der Grundwasserentnahmen auf Ökologie und Landwirtschaft seien zu prüfen; auch klimatische Faktoren spielten eine Rolle. „In heißen Sommern etwa, also in Phasen, in denen die Regeneration durch Niederschläge ausbleibt, sinken die Grundwasserstände. Solche Dinge müssen berücksichtigt und in Gutachten ausgearbeitet werden. Ebenso die Absenkreichweite“, so Meister. Erst wenn die Verträglichkeit der Förderbrunnen und der beantragten Wasserentnahme mit allen relevanten Belangen plausibel nachgewiesen sei, erteile der Landkreis nach eingehender Prüfung das Wasserrecht.

Besagte 2,6 Millionen Kubikmeter jährlich reichen für die Bassumer und Twistringer noch nicht einmal aus. Zur Deckung des Bedarfs werde, so Julius Koops, mit rund 500 000 Kubikmetern aus dem Speicherpumpwerk Havekost aufgestockt. „Wir betreiben 15 Wasserwerke im Verbandsgebiet. Dort, wo der Bedarf zu hoch ist, um die Region aus nur einem Werk zu versorgen, können wir in unserem Verbundnetz mit anderen – etwa dem in Großenkneten – nachsteuern“, sagt Gunnar Meister. „Das Speicherpumpwerk in Havekost kann von beiden Seiten befüllt werden. Dort bedient sich das Wasserwerk Harpstedt. Was uns fehlt, holen wir uns von dort“, ergänzt der Betriebsleiter.

Wie abenteuerlich die Wege des lebensspendenden Elements sind, verdeutlicht Koops an einem Beispiel: „Wildeshausen entnimmt das Rohwasser aus dem Hölscher Holz. Es wird unter die Hunte hindurch gepumpt, gelangt im weiteren Verlauf zwecks Aufbereitung in das Wildeshauser Wasserwerk und von dort durch ein anderes Rohr wieder bei Unterquerung der Hunte in Richtung Havekost, wo wir es dann aus dem Pumpwerk holen. Wir schicken es also gewissermaßen einmal in die Runde.“

Die Qualität des im Werk Harpstedt aufbereiteten Wassers sei ausgezeichnet, versichert Koops. Der Nitratgehalt liege im Rohmischwasser bei nur etwa 1,0 bis 1,5 Milligramm pro Liter und bewege sich damit weit unter dem Grenzwert von 50 Milligramm.

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