Von Egomanen a. D., Facebookfreunden und belgischen Waffeln: Stefanie Schmids Reise zur Kicker-WM

Häppchenweise Nantes

Bald mit neuem Kickertisch: Stefanie Schmid.

Oldenburg - Von Daniel NiebuhrOLDENBURG · Irgendwo zwischen Hannover und Nantes mussten Stefanie Schmid und ihre Mitfahrer anhalten. Der Tank war leer, der Magen auch – und so kam die Oldenburgerin an einer belgischen Tankstelle zur ersten Erkenntnis ihrer Fahrt an den Atlantik. „Man mag es nicht glauben“, sagt sie, „aber in Belgien schmecken selbst die Waffeln von der Tanke.“ Kulinarisch gesehen war der Höhepunkt der Tour dort, in einem Vorort von Charleroi, schon erreicht; glücklicherweise war das für die norddeutsche Reisegruppe kein Anlass, umzukehren. Denn am Ende der Odyssee wartete auf Stefanie Schmid das Turnier ihres Lebens: die Tischfußball-Weltmeisterschaft in Nantes.

Der Wermutstropfen vorweg: Für Schmid reichte es bei ihrer WM-Premiere im Einzel und im Doppel an der Seite von Viviane Widjaja „nur“ zu Platz neun. „Die traurige Wahrheit“ nennt die 21-Jährige den eigentlich gar nicht so traurigen Top-Ten-Platz; wahrscheinlich weil noch einiges mehr möglich gewesen wäre. Die Achtelfinal-Niederlagen gegen die Österreicherin Tabakovic im Einzel und gegen ihre Landsleute Asimenia Kiroglou und Sabine Steinlechner im Doppel taten der Deutschen Meisterin auch vier Wochen nach der WM noch weh, änderten aber nichts an ihrem Gesamt-Urteil : „Wunderbar, großartig, beinahe perfekt.“

Rein sportlich hat Stefanie Schmid in den zwei Tagen in und um den Mangin Beaulieu Sports Complex in Nantes eine neue Ebene erreicht. Bislang „kickerte“ sie in Deutschland zwar in der Bundesliga, „die Gesichter sind aber immer die selben“. Bei der WM traf sie nun Spieler, die sie bislang nur von Youtube-Videos kannte und spielte auf Tischen, die sie vorher nie gesehen hatte. Mit dem Kneipensport Tischfußball hatte das Turnier in Frankreich nicht mehr viel zu tun. „Allein die Medienpräsenz überwältigt einen erstmal“, bekannte Schmid, die die Halle als „lichttechnisches Paradies“ bezeichnet. Das sie auch zu nutzen wusste: In der Einzel-Vorrunde gewann sie fünf ihrer sechs Partien, im Doppel waren es immerhin noch vier – das professionelle Umfeld inspiriert allerdings nicht nur sie. „Man kann sagen, alle haben sich zusammengerissen“, sagt Schmid. Was vor allem für die sonst eher als Egomanen berüchtigten männlichen Kicker-Spieler galt, die in Nantes quasi außer Dienst waren: „Die Atmosphäre war sportlicher als bei den meisten anderen Turnieren. Man hat sich benommen.“

Die makellose Organisation hatte jedoch auch ihren Nachteil. Durch den straffen Zeitplan fiel der Großteil des Kulturteils für Stefanie Schmid aus. „Nantes gab‘s nur häppchenweise“, erzählt sie: „Aber was ich gesehen habe, war super.“ So beschränkte sich die Zerstreuung auf die abendlichen „Player‘s Parties“, die praktischerweise im Teamhotel gefeiert wurden. „Ich hatte es nicht weit ins Bett“, sagt Schmid und berichtet von internationaler Kontaktpflege auf der Tanzfläche. „Plötzlich kam so ein tschechisches Mädel an, gegen die ich am Mittag gespielt hatte. Es stellte sich heraus, dass wir schon Facebookfreunde waren. Darauf mussten wir anstoßen.“

Nach zwei Tagen war das Abenteuer WM vor bei. „Zu früh“, sagt die Debütantin, aber die Arbeit als Tierpflegerin im Zoo von Jaderberg rief. Die Rückfahrt im Auto einer befreundeten Juniorenspielerin und deren Eltern verlief ruhig, „es wurde allerdings viel gegessen“ – belgische Waffeln vermutlich.

Dass die WM auch ohne eine Trophäe als Mitbringsel in absehbarer Zeit ernste Konsequenzen haben wird, steht schon fest – und zwar auf die Schmid‘sche Wohnung. „So gern ich ihn habe: Der alte Kickertisch muss raus“, befindet Schmid – wer einmal auf einem Tornado-WM-Tisch gespielt hat, der wird eben schnell mal anspruchsvoll.

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