Betreiber des Wohnparks Ahlhorn geben Einblicke in Rahmenbedingungen

„Wir betreiben hier hohen Aufwand“

Wohnpark Ahlhorn: Auf dem ehemaligen Kasernengelände leben gegenwärtig 1 000 Menschen. Foto: Wohnpark
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Wohnpark Ahlhorn: Auf dem ehemaligen Kasernengelände leben gegenwärtig 1 000 Menschen.

Ahlhorn – In der Region sind viele Hundert Werksvertragsarbeiter beschäftigt, zumeist in der Fleischindustrie, aber auch in der Landwirtschaft. Ihre jeweiligen Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitsbedingungen haben immer wieder öffentliche Kritik hervorgerufen, insbesondere in jüngster Zeit (wir berichteten). Dabei wurde und wird auch der Wohnpark Ahlhorn genannt. Einblicke in das umgrenzte, 13 Hektar große ehemalige Kasernengelände sind rar, der Zugang wird von Nicht-Bewohnern strikt kontrolliert. Die Betreiber, die Brüder Christian und Ulrich Osterloh, gewähren unserer Zeitung in einem ihrer wenigen Interviews Einblicke in die Struktur des Wohnparks am Ahlhorner Ortsrand.

Kritiker haben im Zuge der Coronakrise immer wieder Bedenken über die aktuellen Bedingungen auf dem Gelände geäußert. „Wir haben einen selbst erstellten Präventionsplan“, entgegnet Christian Osterloh. Dieser umfasse unter anderem Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln – zu den Wohnpark-Mitarbeitern, aber auch in den Bussen, die die Bewohner zu deren Arbeitsstellen bringen – und sogar ein separates Quarantänehaus. Alle diese ergriffenen Maßnahmen seien dem Landkreis mitgeteilt worden. Das bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung auch der Erste Kreisrat, Christian Wolf. Der Landkreis Oldenburg habe den Wohnpark kontrolliert und bislang nichts an den getroffenen Maßnahmen auszusetzen. Die Untersuchungen werden künftig weiter fortgesetzt, sagte Wolf.

Auch Mitarbeiter des Gesundheitsamtes seien durch die Anlagen gegangen, ergänzt Ulrich Osterloh (60). „Wir haben denen freie Hand gelassen“, sagt er. Sie hätten sich mit Mitarbeitern verschiedener Firmen unterhalten. Und bei Letzteren genieße der Wohnpark „hohe Wertschätzung“. Die Anlage sei „sauber und ordentlich“, unterstreicht er.

Gegenwärtig lebten rund 1 000 Personen im Wohnpark und es sei bislang keine Corona-Infektion aufgetaucht, gibt Christian Osterloh (58) an. Die Zimmer seien entsprechend den Vorgaben umgestellt worden, maximal bewohnten vier Personen einen Raum, beschreibt sein Bruder. „Wir haben viele Zwei- und Dreibettzimmer“, erläutert er. Das Bauamt des Landkreises nehme die Einrichtung ab. Container, die für Saisonkräfte aufgestellt wurden, seien drei Meter breit. Kaum eines der ehemaligen Bundeswehrzimmer gleiche dem anderen, so Osterloh weiter. „Etliche“ davon verfügten über eigene Sanitäranlagen; manche Gebäude stünden unter Denkmalschutz. Das sei beiliebe „kein Fünfsternehotel“, sondern ein „guter Jugendherberge-Stil“, umschreibt Ulrich Osterloh weiter. Ganz wichtig sei ihm die Sauberkeit der Unterkünfte: „Es muss ordentlich sein“, betont er. Die angestellten „Hausdamen“ des Wohnparks wiesen neue Mieter ein und machten sie mit den Regeln und Gepflogenheiten in Deutschland vertraut.

Die Werksvertragsfirmen bezahlten pro Mitarbeiter und Übernachtung, der Preis liege bei 8,40 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, berichtet Christian Osterloh. In diesem „Systempreis“ enthalten seien unter anderem eine tägliche Reinigung aller Sanitäranlagen sowie der Küchen und Flure durch Wohnpark-Personal oder Drittfirmen. Die Benutzung von Waschmaschinen und Wäschetrocknern sei ebenfalls inbegriffen. Auf dem Gelände gebe es darüber hinaus einen Supermarkt, eine Sauna, ein Fitness-Center, einen Beachvolleyballplatz, eine Kapelle sowie „einen sauberen Park“.

Doch wie erklären sich Osterlohs die immer wieder geäußerte Kritik an dem Wohnpark? „Das kommt in der Öffentlichkeit nicht an“, meint der ältere der beiden Brüder. Viele Leute wüssten nicht, wie der Park funktioniere oder nähmen an, er sei nicht in Ordnung. So sei der dabei oft gescholtene Pförtner notwendig, um das Gelände vor fremdem Zutritt zu schützen. Damit werde nicht zuletzt verhindert, dass Zimmer im Laufe der Zeit von Nicht-Mietern überbelegt werden. Deswegen erhalte jeder Bewohner eine „Systemkarte“ – und dürfe darüber hinaus natürlich auch Besuch empfangen. In Wildeshausen seien hingegen Fälle mit zwölf oder 13 in einer einzelnen Wohnung lebenden Menschen bekannt geworden, sagt Ulrich Osterloh.

Natürlich sei der Wohnpark „ein absoluter Sonderfall“. Doch mit Rücksicht auf die Bewohner könne deswegen nicht einfach ein „Tag der offenen Tür“ veranstaltet oder Fremden jeden Tag das Areal gezeigt werden. Wer Fragen habe, könne sich gerne an die zuständigen Behörden wenden, die sich im Zweifelsfall natürlich bei ihnen meldeten. Neben Vertretern der Gemeinde Großenkneten seien Migrationsgruppen aus Oldenburg, aber auch schon Einwohner Ahlhorns und sogar ehemalige Soldaten über das Gelände geführt worden.

„Wir betreiben hier einen sehr hohen Aufwand“, versichert Ulrich Osterloh abschließend. „Wir haben nicht das Gefühl, dass wir etwas falsch machen.“  fra

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