Gefährliche Körperverletzung in Ahlhorn: Frau eines Angeklagten sagt aus

Gericht beleuchtet Ursache für blutige Familienfehde

Wildeshausen/Ahlhorn - Die Schlägerei zweier Familien in Ahlhorn geht möglicherweise auf einen Streit zurück, der schon in Bulgarien begonnen hatte. Darauf weist die Aussage einer Zeugin in dem seit rund einer Woche laufenden Verfahren vor dem Amtsgericht Wildeshausen hin. Einen Befangenheitsantrag gegen die Richterin hat das Amtsgericht derweil als unbegründet abgewiesen.

Mimi M. (22) ist die Verlobte des Angeklagten Radoslav Y. (30), der am 4. April während der Auseinandersetzung auf der Einfahrt der Firma Heidemark in Ahlhorn mit einem Messer auf Mitglieder der Familie S. eingestochen haben soll. Ein Mann erlitt an dem Tag lebensgefährliche Verletzungen durch ein Messer.

Die 22-Jährige war am Tattag nicht in Ahlhorn, hatte aber Interessantes über die Beziehungen beider Familien zu berichten. So soll Metodi S., einer der Männer auf die Radoslav Y. am 4. April eingestochen haben soll, ihr vor einigen Jahren in Bulgarien sexuelle Avancen gemacht haben. „Metodi ist zu mir gekommen und hat gesagt, er steht auf mich.“ Er habe gewollt, dass die beiden in ein Hotel gehen. Zu diesem Zeitpunkt sei sie aber bereits mit Radoslav Y. zusammen gewesen. „Ich will so etwas nie wieder hören“, will Mimi M. auf die Annäherungsversuche erwidert haben. Zwei bis drei Tage später habe Metodi S. einen weiteren Anlauf gestartet und sie dabei geküsst.

Das rief laut Mimi M. ihren damaligen Freund und heutigen Verlobten Radoslav Y. auf den Plan. Der soll Metodi S. zwei Schläge mit der flachen Hand ins Gesicht verpasst haben. „Damit hat alles angefangen“, sagte Mimi M. Die zierliche, kleine Frau berichtete von einem Angriff durch Metodi S. auf ihren Mann und sie beim Nettomarkt in Ahlhorn ein paar Jahre nach den Vorfällen in Bulgarien.

Neben Radoslav Y. sitzt auch der Vater von Metodi S., Ignat S., auf der Anklagebank. Letzterem wirft die Staatsanwaltschaft vor, während der Schlägerei bei Heidemark mit einem Holzknüppel oder einer Eisenkette auf einen Mann aus der Familie Y. eingeschlagen zu haben.

Ignat S., der sich genau wie Radoslav Y. entschieden hat, keine Aussage zu machen, hat laut Mimi M. kurz vor der Schlägerei bei ihr angerufen und die Familie Y. bedroht. „Wir kommen heute Abend und verprügeln euch“, soll er gesagt haben. Sie sei nervös gewesen, aber von anderen Familienmitgliedern beruhigt worden, so Mimi M. Ihr Mann und weitere Familienmitglieder seien dann zur Arbeit nach Ahlhorn gefahren, ohne zu wissen, dass die Familie S. sie dort erwartete. Pikanterweise gibt es zwischen den beiden verfeindeten Familien selbst Verwandtschaftsbeziehungen. Mimi M. sagte, die Mutter von Ignat S. und ihr Großvater seien Geschwister.

Das Verfahren wird mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt, allerdings gestaltet sich der Verlauf schwierig. Da die zwei Angeklagten und die beiden Nebenkläger, die Männer, die Radoslav Y. verletzt haben soll, sowie die meisten Zeugen kein Deutsch sprechen, muss alles übersetzt werden, es kommt hin und wieder zu Missverständnissen. Die Richterin hat zu den eigentlich angesetzten fünf Prozesstagen bereits zwei weitere Termine hinzugefügt. Die Verhandlung wird sich deswegen bis Mitte Dezember hinziehen.

Nicht nur die Materie ist komplex, auch der Personalaufwand ist groß: Vier Dolmetscher sind ständig im Gerichtssaal, hinzukommen zwei Verteidiger, zwei Nebenkläger-Anwälte, Staatsanwalt, Richterin, Protokollführerin, die Angeklagten und Nebenkläger selbst sowie zwei Justizbeamte im Saal und vier bis sechs auf dem Flur. Es gibt umfangreiche Sicherheitskontrollen. Das Verfahren ist also eines der größeren für das kleine Wildeshauser Amtsgericht.

Von Ove Bornholt

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