Wenn das Mädchen vom Dorf eine von Thurn und Taxis ist

Sylvia Alphéus aus Huntlosen hat ihre Familiengeschichte aufgearbeitet

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Lothar Jegensdorf und Sylvia Alphéus, geb. Rüdebusch, haben ein Buch über Paul von Thurn und Taxis geschrieben. Huntlosens Pastor Michael Ohms und Heimatforscher Dirk Faß (v. l.) freuen sich über den Bezug zu dem Dorf in der Gemeinde Großenkneten. 

Huntlosen - Von Ove Bornholt. Eigentlich wollte Sylvia Alphéus (79) nur ihre Familiengeschichte aufarbeiten, einen klassischen Stammbaum zeichnen. Dabei stellte sich heraus, dass die gebürtige Huntloserin mit einem der bekanntesten Adelsgeschlechter Deutschlands verwandt ist: dem Fürstenhaus von Thurn und Taxis.

Vor sechs Jahren machte sich Alphéus daran, alte Fotos und Dokumente auszuwerten. Dass dabei eine Verbindung zu von Thurn und Taxis zum Vorschein kommen sollte, war damals noch nicht abzusehen gewesen. Geschichten ihres Opas darüber hatte die 79-Jährige stets als Märchen abgetan. Doch nun darf sie sich Urenkelin von Paul von Thurn und Taxis nennen. Dessen ungewöhnliche Biografie – vom Offizier im Dienst des bayerischen Königs bis hin zum in Ungnade gefallenen Freiherrn von Fels – haben die Rentnerin und ihr Mann, Lothar Jegensdorf, jetzt als Buch herausgegeben. Sie arbeitete als Dezernentin für Lehrerfortbildung beim Land, Jegensdorf ist Germanist und Theologe. Beide wohnen zurzeit in Oldenburg.

Alphéus saß am Dienstagvormittag in froher Erwartung im Wehmehus in Huntlosen. Denn wo sonst Konfirmanden unterrichtet werden, ging es um eines ihrer Lieblingsthemen der vergangenen Jahre. Die 79-Jährige breitete die Geschichte ihrer Familie aus.

„Ich liebe dich bis zum Wahnsinn!“

Los ging es mit Maximilian Karl, Fürst von Thun und Taxis (1802-1872). Das Oberhaupt des Fürstenhauses zeugte mit seiner zweiten Ehefrau, Mathilde Sophie von Oettingen-Oettingen und Oettingen-Spielberg, den Sohn Paul (1843-1879). Der knüpfte später enge Bande zum bayerischen König Ludwig II., der als Erbauer von Schloss Neuschwanstein und durch seinen Tod im Starnberger See in die Geschichte eingegangen ist. Die Briefwechsel der beiden sind in dem Buch in Teilen enthalten. So schrieb Paul im Mai 1866 an seinen „theuersten, innigstgeliebten Ludwig“: „Ich liebe dich bis zum Wahnsinn!“ Er küsse den König in Gedanken aus tiefster Seele.

Alphéus und Jegensdorf gehen von einer sehr intimen Männerfreundschaft aus, die zwar zweifellos einen homoerotische Beiklang aufweise, aber keine praktisch gelebte Homosexualität gewesen sei. Zumindest fänden sich dafür keine eindeutigen Hinweise in den Briefen.

1866 fiel Paul, der den Herrscher als Adjutant begleitet hat, aus bis heute unbekannten Gründen beim König in Ungnade. Er wurde seines Amts enthoben und heiratete gegen Widerstände in seiner Familie die Sängerin Elise Kreuzer – eine Bürgerliche. In der Folge verzichtete Paul auf seinen bisherigen Namen und Titel. Er wurde zum Freiherrn Paul von Fels.

Und eben jene Elise Kreuzer ist in Huntlosen begraben, direkt neben der Kirche. Sie heiratete nach Pauls frühem Tod erneut, zog nach Magdeburg und kam Anfang der 1930er-Jahre mit ihrem Sohn Heinrich von Fels und dessen adoptierter Tochter, ebenfalls Elise genannt, in das kleine Dorf in der Gemeinde Großenkneten. Letztere hatte der Einheimische Emil Rüdebusch vom gleichnamigen Hof, heute Gut Delkeskamp, zur Frau genommen.

Aus dieser Beziehung stammt Sylvia Alphéus, die beim Verfassen des 325-seitigen Buches vor allem auf die Quellen geachtet hat. „Wir haben viel Wert darauf gelegt, nur das zu schreiben, was quellenmäßig belegt ist“, betonte ihr Mann.

Das Werk ist in einer Auflage von etwa 1 .000 Stück erschienen und für 29 Euro im Buchhandel erhältlich.

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