Wenn aus Dankbarkeit Enttäuschung wird

Keine Mittelinseln für alle Ortseinfahrten

Großenkneten - Von Ove Bornholt. Ein planvolles und strukturiertes Vorgehen für die ganze Gemeinde Großenkneten – das hatte die Kommunale Alternative (KA) im Sinn, als sie forderte, mittel- bis langfristig Mittelinseln für alle Ortseinfahrten zu bauen. Damit sollen Raser gezwungen werden, abzubremsen. Doch Verwaltung und große Teile der Politik lehnten den Antrag der KA-Fraktion am Donnerstagabend im Infrastrukturausschuss ab. Stattdessen folgten sie einem Kompromiss, den Bürgermeister Thorsten Schmidtke vorgeschlagen hatte, der aber bei der KA auf wenig Gegenliebe stieß.

Der gefasste Beschluss lautet: „Die Ortseingänge der Ortsteile Ahlhorn, Großenkneten, Huntlosen, Sage und Döhlen sollen in Form von temporeduzierenden Einfahrten umgestaltet werden, sofern sich dafür ein Anlass oder ein Erfordernis aufzeigt.“ Zu Anfang der Sitzung begrüßte Carsten Grallert, Ratsherr der KA, diese Formulierung noch. „Ich bin dankbar, dass die Verwaltung unserem Antrag dem Grunde nach folgt.“

Doch dann fragte Grallert nach, was denn mit „Anlass“ und „Erfordernis“ gemeint sei. „Wenn es ohnehin zu Baumaßnahmen kommt oder es aus Sicherheitsgründen notwendig ist, etwas zu machen, denken wir an die Mittelinseln“, so Bürgermeister Schmidtke. Die Antwort ernüchterte den Ratsherrn deutlich. „Muss erst ein Unfall passieren?“, kritisierte er die Verwaltung. Auch dass sich im Prinzip am aktuellen Verfahren, nämlich anlassbezogen zu entscheiden, ob Ortseinfahrten umgebaut werden, nichts ändert, empörte Grallert. „Das ist doch weiterhin Stückwerk und kein planvolles Vorgehen. Die Beschlussvorlage der Verwaltung entspricht nicht dem Geist unseres Antrags“, schimpfte Grallert. Aus Dankbarkeit war schnell Enttäuschung geworden.

Nichtsdestotrotz konnten alle anderen Ausschussmitglieder ganz gut mit dem Kompromissvorschlag von Schmidtke leben. Hermann Wilke (FDP) sprach von einem „Fass ohne Boden, wenn nicht jede Ortseinfahrt einzeln geprüft wird“. Für Heiner Bilger (SPD) sind Mittelinseln „nicht der große Wurf“. „Das ist doch nur eine Schikane für die Autofahrer – mehr nicht.“ Auf Dauer müsse zwar etwas passieren, „aber mit punktuellen Maßnahmen wird das nichts“. Auch Samuel Stoll (CDU) befürwortete den Verwaltungsvorschlag und lehnte pauschale Mittelinseln ab. Wenn es gefährliche Situationen gebe, müsse über Maßnahmen dagegen diskutiert werden. Letztendlich stimmten alle Ratsmitglieder für den Kompromiss, nur Grallert enthielt sich.

Ebenfalls etwas missmutig reagierte der KA-Ratsherr auf die Beratungsvorlage zur Erweiterung der Kita in Huntlosen. Der beauftragte Architekt hatte aus Zeitgründen keine Ansichten zu seinem Grundriss präsentieren können. So blieb es bei einem Vorentwurf, der dann aber doch die Zustimmung aller Ausschussmitglieder fand. Grallert hatte noch angeregt, den Besprechungsraum zu verlegen, was wohl im Sinne der Mitarbeiter ist. Aber dafür müssten die Baugrenzen um ein paar Meter verschoben werden, was ein Jahr in Anspruch nehmen würde – die deutsche Bürokratie lässt grüßen. Mit dem Ausbau der Kita kann der am Gebäude aufgestellte, als Provisorium gedachte Container entfernt werden. Dieser steht schon mehr als sieben Jahre dort.

Rubriklistenbild: © dpa

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