Landesforsten bewirtschaften große Ausgleichsflächen an den Ahlhorner Fischteichen

Warum Nadel- zu Laubwald werden soll

Die Förster Jann Mumme (links) und Björn Staggenborg vom Ahlhorner Forstamt begutachten eine gut entwickelte Douglasie für den künftigen „Schirm“, der Buchensämlingen den nötigen Schutz bieten soll. Foto: Städing

Ahlhorn/Großenkneten – Wer verändernd in Natur und Landschaft eingreift – beispielsweise durch Bauvorhaben – und deren Zustand „verschlechtert“, muss nach deutschem Recht dafür einen Ausgleich schaffen oder für Ersatz sorgen. Das kann etwa durch die ökologische Aufwertung einer anderen Fläche erfolgen. Ein Areal, das für eben diesen Zweck zu Verfügung steht, ist der Ausgleichsflächenpool „Bei den Ruthenwiesen“ nordöstlich der Ahlhorner Teiche. Diesem Bereich stehen künftig große Veränderungen bevor, wie die Niedersäschsischen Landesforsten mitteilen. Aus einem von Nadelbäumen geprägten Gebiet soll dort mit der Zeit ein Laubwald werden.

Diese Entwicklung werde mit Geldern aus Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen finanziert, berichtet Björn Staggenborg vom Forstamt Ahlhorn. Die Landesforsten haben jetzt mit der starken Auflichtung (Ausdünnung) erster Nadelwaldbestände begonnen. Ziel sei die „Entwicklung zu einer naturnahen Landschaft aus Laubwald mit Moor, Heide und extensiv genutzten Wiesen, heißt es in der Mitteilung der Förster. „Unter anderem die Verträge zum Ausgleich von Natureingriffen durch den Ausbau der Bundesstraße 213 (E 233) sind jetzt abgeschlossen. Daher werden wir in den nächsten zehn Jahren den Waldumbau in den Ruthenwiesen umsetzen“, so Staggenborg. Er entwickelt auf verschiedenen Ausgleichsflächen in Weser-Ems vor allem naturnahe Wald- und Heidelandschaften.

Derzeit lichtet eine Holzerntemaschine einen 50-jährigen Douglasien-Reinbestand so stark auf, dass anschließend Buchen für den künftigen Laubwald darunter gepflanzt werden können. „Ein Schirm aus einigen verbleibenden Douglasien gibt den Buchensämlingen den nötigen Schutz. Bis die Laubbäume groß sind, wird der Wald für einige Jahre dort ungewohnt offen erscheinen“, erläutert Staggenborg den starken Eingriff in den Wald.

Die zwei Hektar große Fläche werde überwiegend zu sogenanntem „bodensaurem Buchenwald“ entwickelt. An den Wegerändern soll in diesem Zuge ein 15 Meter breiter Saum mit Weidenarten und verschiedenen Sträuchern entstehen. „Schmetterlingsarten wie der große Schillerfalter und der C-Falter sind auf die Weiden angewiesen, die Sträucher nützen insbesondere der Insekten- und der Vogelwelt“, ergänzt Jann Mumme. Der junge Förster unterstützt Staggenborg in dem immer umfangreicheren Aufgabenbereich.

Ein Ziel im Gebiet sei der Umbau von zwei Dritteln der Fläche von Nadelholzforsten zu naturnahen Laubwäldern. „Dazu reicht es aber nicht aus, einfach junge Laubbäume zu pflanzen. Damit sich möglichst naturnahe, ökologisch hochwertige Laubwälder entwickeln, werden die Entwässerungsgräben und Drainagesysteme im Poolbereich zurückgebaut“, erläutert Staggenborg die weitere Planung. Auf diese Weise werde der natürliche Wasserhaushalt wiederhergestellt. Davon sollen viele Pflanzen- und Tierarten profitieren. Je nach Boden werde sich der Wald künftig aus Erlen-Birken-Wälder, Stieleichen- und auch Buchenwaldgesellschaften zusammensetzen, prognostizieren die Landesforsten weiter. Einige kleinere Arbeiten und Eichenpflanzungen seien bereits erfolgt, jetzt sollen die Arbeiten an den größeren Nadelbaumkomplexen beginnen.

Der Kompensationsflächenpool „Bei den Ruthenwiesen“ ist 85 Hektar groß. Er wurde vor sechs Jahren konzipiert und bereits im August 2015 Vertretern der Gemeinde Großenkneten und der Öffentlichkeit vorgestellt. Er grenzt direkt an das Naturschutzgebiet der Ahlhorner Teiche an und soll die naturnahe Landschaft erweitern. Kommunen, Investoren und Behörden können hier naturschutzrechtlichen Ausgleich für Eingriffe in den Naturhaushalt durch ihre Vorhaben schaffen. Die Landesforsten werten die Gebiete nach mit der Naturschutzbehörde abgestimmten Planungen auf, führen die Arbeiten durch und garantieren für den künftigen Bestand der ökologischen Verbesserungen. Schon 2015 wurde eine drei Hektar große Heidefläche um einen Hektar vergrößert. Grünland wird extensiviert. Feuchtgebüsche und Sumpfbiotope werden erhalten und gepflegt.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Überforderung im Sport vermeiden

Überforderung im Sport vermeiden

Warum Rasenroboter doch noch einen Gärtner brauchen

Warum Rasenroboter doch noch einen Gärtner brauchen

Fünf Spiele für Eltern und Kinder

Fünf Spiele für Eltern und Kinder

Das alte Smartphone im Netz zu Geld machen

Das alte Smartphone im Netz zu Geld machen

Meistgelesene Artikel

Theater schrammt an Coronakrise vorbei

Theater schrammt an Coronakrise vorbei

Kein Publikumsverkehr in Führerscheinstelle

Kein Publikumsverkehr in Führerscheinstelle

Coronavirus im Landkreis Oldenburg: 164 Personen in Quarantäne

Coronavirus im Landkreis Oldenburg: 164 Personen in Quarantäne

Corona: Eine Person ist schon wieder gesund

Corona: Eine Person ist schon wieder gesund

Kommentare