Ziegelei Huntlosen: Mehr als Hundert Jahre Geschichte enden in einer Sprengung

Vor 45 Jahren verschwanden Wahrzeichen

Ein Schornstein fällt nach der Sprengung um.
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Abriss der Ziegelei in Huntlosen: Zum Schluss fallen die Schornsteine der einst großen Fabrik. Repros: Faß

Huntlosen – Einst markant, ortsbildprägend und prosperierend, Arbeitsplatz für viele Einwohner, später dann bereits vergessen, die Spuren weitestgehend getilgt: So geht es manchen Fabriken. Die einstige Ziegelei in Huntlosen in der Gemeinde Großenkneten ist da keine Ausnahme. Schon früh war die Geschichte der Ortschaft mit Tonerde zur Herstellung von Ziegeln verbunden.

Überliefert ist heute nur noch eine alte Flurbezeichnung „Ziegelhof“. Diese gehörte zu den Besitzungen, die Graf Gustav Gustavson zusammen mit den Gut Huntlosen 1650 erwarb. An Vertiefungen im Gelände lässt sich heute noch erkennen, dass dort abgegraben wurde. Auch fanden sich bei Ausgrabungen Bruchstücke von handgeformten Ziegeln.

Zu welcher Zeit man übergegangen ist, an einer Anhöhe auf Hosüne den Ton abzubauen, lässt sich allerdings nicht feststellen. Erstmalig in einer Statistik aufgeführt wird die Ziegelei im Jahr 1855. Bereits 18 Jahre später erwarb die Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn aus einem Privatbesitz die dem Bahnhof nahegelegene Ziegelei Hosüne. Sie diente über Jahre dazu, Ziegelsteine für die Errichtung der vielen Bahnhofsgebäude im Streckennetz zu liefern. 1878 wurde in den „Wildeshauser Nachrichten“ veröffentlicht: „Die von der Eisenbahnverwaltung angelegte Ziegelei und Sägerei zu Hosüne soll, nachdem der eigene Bedarf an Steinmaterial gedeckt ist, zum öffentlichen Verkauf gebracht werden.“

Moderne Technik hält Einzug

Von 1883 bis 1919 blieb die Ziegelei in der Hand der Familie Lübbing. Und es ging voran, der Fortschritt machte vor der Fabrik nicht Halt. 1925 feierte die Ziegelei ein großes Richtfest: Der Ringofen wurde nach den neusten technischen Errungenschaften gebaut und hatte 24 Kammern, in denen 17 000 bis 18 000 Steine gebrannt werden konnten. Das Trocknungsverfahren geschah nicht wie in bisher im Trockenschuppen, sondern durch das „Kellersche Trocknungsverfahren“ durch Luft und Heißluft auf den Gerüsten über dem Ofen.

Doch schon im August 1926 kam der Betrieb zur Zwangsversteigerung, und es wurde die „Dampfziegelei Huntlosen AG“ gegründet. Vom Oktober 1934 hieß es unter anderem: „Seit Bestehen der Ziegelei ist wohl kaum je solange gearbeitet worden, wie in diesem Jahre, angefangen wurde schon im Februar. Regen Absatz fanden auch die ,Huntloser Wabensteine‘, über die sich ein Oldenburger Architekt sehr anerkennend äußerte …“

Ziegelsteine gehen nach dem Krieg nach Hamburg

Ab 1934 sollte nun die Ziegelei nach dem alleinigen Besitzer Hans Harms den bekannten Namen „Dampfziegelei Harms“ tragen. Nach 1945 bis Mitte der 1960er-Jahre hatte die Ziegelei ihre Blütezeit. Die wichtigsten Abnehmer waren die Städte Wilhelmshaven und Hamburg, wie auch die Wohnungsbaugesellschaft in Brake. 1959 wurde die Befeuerung des Ringofens von Koks auf Gas umgestellt – und damit kam die erste Gasleitung mit dem sogenannten „Hollandgas“ nach Huntlosen. 1961 beschäftigte die Ziegelei 50 Mitarbeiter. Fünf Jahre später wurde der Ziegeleibesitzer Bernd-Friedrich Ahlers aus Kirchkimmen neuer Eigentümer. Um einen DIN-gerechten Klinker produzieren zu können, wurde aus der eigenen Tonförderung noch angelieferter Schieferton zugesetzt.

Obwohl noch 1975 die Jahresproduktion bei circa zwölf Millionen Steinen lag, kam im März 1976 das endgültige Aus. Einige der letzten 20 Mitarbeiter fanden bei der Ziegelei Knabe einen neuen Arbeitsplatz. Im Januar 1978 versammelten sich trotz eisiger Kälte eine große Zahl von Schaulustigen an der Hegeler-Wald-Straße und sahen, viele mit Wehmut, wie die markanten Wahrzeichen des Ortes – die hohen Schornsteine – durch Sprengladungen gefällt zu Boden stürzten.

Luftaufnahme der ehemaligen Ziegelei in Huntlosen

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