Vom Computer an die Kreissäge

Talea Böschen ist Auszubildende und einzige Tischlerin der Treppenbaufirma Wintermann

Mit dem Vakuumheber befördert Talea Böschen eine Holzplatte auf eine große Fräse.
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Mit dem Vakuumheber befördert Talea Böschen eine Holzplatte auf eine große Fräse.

Die Kreissägen kreischen laut durch die staubige Werkstatt. Talea Böschen bedient geschickt einen Vakuumheber, um eine schwere Holzplatte zu bewegen. Dann legt sie das Stück, aus dem später einmal zwei Treppenstufen entstehen sollen, auf einer großen Fräse ab. Die 23-Jährige ist Auszubildende beim Treppenbauunternehmen Wintermann in Großenkneten. Unter 47 Mitarbeitern ist sie die einzige Frau in der Fertigung.

Großenkneten – „Ich habe gemerkt, dass ein Bürojob nichts für mich ist“, erzählt Böschen, die einen Bachelorabschluss in Medieninformatik an der Universität in Flensburg erworben hat und aus Hatten kommt. In einem Praxissemester habe sie als Grafikdesignerin Videos für eine Firma gedreht, die Holzspielzeug vertreibe. Das sei das erste Mal seit langer Zeit gewesen, dass sie mit dem Material in Berührung gekommen sei. „Ich habe mich über den Tischlerberuf informiert und mich bei verschiedenen Firmen beworben. Wintermann hat mich nach einem Tag zu einem Praktikum eingeladen. Kurze Zeit darauf war ich Auszubildende.“ Besonders gefalle ihr der Weg zum fertigen Produkt. Man könne sehen, was man am Ende des Tages geschafft habe.

Als Frau wird man schon sanfter behandelt. Auch, wenn die Kollegen das vermutlich nicht zugeben wollen. 

Talea Böschen, Auzubildende

Zu Beginn ihrer Ausbildung habe sie aber etwas Einarbeitungszeit gebraucht. „Ich musste mich erst einmal an das Leben in einer Werkstatt gewöhnen“, sagt sie. Anfänglich sei sie von ihren männlichen Kollegen unterschätzt worden. „Die musste ich erst einmal überzeugen. Im Großen und Ganzen fühle ich mich hier zugehörig. Aber als Frau wird man schon sanfter behandelt. Auch, wenn die Kollegen das vermutlich nicht zugeben wollen. Die Gesellschaft ändert sich zwar, aber das dauert“, sagt Böschen.

Das findet Claudia Körner, Leiterin des Vereins „Frauen und Wirtschaft“. „Unsere Erfahrung ist, dass Frauen größtenteils in zehn klassischen Berufen tätig sind. Das sind insbesondere kaufmännische und helfende Berufe“, so Körner. Gleichzeitig gebe es im gewerblich-technischen Bereich und im Handwerk Fachkräftemangel. „Um die Situation zu verbessern, müssen die Betriebe besser kommunizieren.“ Die Stellenanzeigen konzentrierten sich ausschließlich auf Männer. Frauen kämen in Anzeigen und in der Werbung wenig bis gar nicht vor. So komme es zu einem Männerüberschuss. Es gebe vermutlich viele Frauen, die sich deswegen unwohl fühlen.

Ergonomische Hilfen ersetzen Muskelkraft

„Einige denken vielleicht auch, dass sie die Arbeit körperlich nicht schaffen“, führt Böschen weiter aus. Da könne sie aber beruhigen. „Man baut schnell Muskeln auf, auch als Frau. Und wenn die Jungs mit 16 Jahren in einer Werkstatt anfangen, haben sie auch nicht viel in den Oberarmen.“

Dass Frauen in diesem Beruf ebenso gut arbeiten können wie Männer, denkt auch der Geschäftsführer Dirk Wintermann. „Es werden nicht mehr die gleichen körperlichen Voraussetzungen gefordert wie früher. Mittlerweile werden ergonomische Hilfen wie Vakuumhebegeräte verwendet. Man muss nicht zwangsweise körperlich stark sein“, erzählt er. Wintermann sieht den Beruf des Tischlers nicht mehr als frauenuntypisch, „aber trotzdem männerdominiert“. Vier Handwerkerinnen habe er bereits in seinem Betrieb ausgebildet. „Ich finde diverse Teams sind eine Stärke, auch hier bei uns. Sie sind leistungsfähiger. Und wenn eine Frau mit im Team ist, wird die Stimmung direkt ,sensibler‘, was den Jungs auch nicht schadet“, so Wintermann.

Die Hatterin ist noch für etwa ein halbes Jahr Azubi, dann geht sie in eine halbjährige Übergangsphase, um anschließend mit der Meisterschule anzufangen. „Mein Ziel ist es, mich danach selbstständig zu machen. Am liebsten im Bereich der kleinen Holzarbeiten, Tische und Stühle“, erläutert Böschen, die so ihr Wissen aus dem Studium in ihren Beruf mit einfließen lassen könne. „Ich würde mehr designen und könnte meine eigenen Ideen umsetzen.“

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