Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung: Befangenheitsantrag gegen Richterin

Verteidigung zweifelt fairen Prozess an

Wildeshausen/Ahlhorn - Von Ove Bornholt. Mit juristischen Winkelzügen hat am Montag die Neuauflage des Verfahrens gegen den 30-jährigen Radoslav Y. begonnen, der am 4. April 2015 Metodi und Boris S. auf der Zufahrt der Firma Heidemark in Ahlhorn mit einem Klappmesser angegriffen und einen davon lebensgefährlich verletzt haben soll. Ein erster Anlauf war im Juni gescheitert, weil noch zu viele Zeugen zu hören gewesen waren und es Terminschwierigkeiten gegeben hatte (wir berichteten).

In der Sache geht es darum, dass zwei miteinander verfeindete Familien ihre Streitigkeiten mit Gewalt ausgetragen haben sollen. Deswegen war im Gerichtssaal auch eine erhöhte Sicherheitsstufe angeordnet worden.

Neu im Gegensatz zum Verfahren im Juni ist, dass neben Radoslav Y., dem Vertreter der einen Familie, auch Ignat S. (43) aus der anderen Familie auf der Anklagebank sitzt. Letzterem wirft die Staatsanwaltschaft vor, während der Schlägerei am 4. April 2015 mit einem Holzknüppel oder einer Eisenkette auf einen Mann aus der Familie Y. eingeschlagen zu haben, der deswegen eine Platzwunde davongetragen haben soll.

Beide Männer verweigerten am Montag die Aussage. So war Radoslav Y. auch im Juni vorgegangen. Ursprünglich waren die Verfahren gegen ihn und Ignat S. separat angelegt gewesen. Doch das Gericht hatte sich nun entschieden, sie zu verknüpfen. Zum einen sprach die Prozessökonomie dafür – mehr als ein Dutzend Zeugen müssen gehört werden, starke Sicherheitsmaßnahmen sind erforderlich, und fünf Dolmetscher sitzen im Gerichtssaal. Zum anderen stehen beide Taten in einem zeitlichen und räumlichen Zusammenhang.

Damit waren nun aber der Verteidiger von Ignat S. und der Nebenklägervertreter von Boris S., Theo Krümberg, nicht einverstanden. Ursprünglich war Krümberg auch der Anwalt von Ignat S. gewesen. Doch das kann er nun nicht mehr sein, da einer seiner Mandanten auf der Anklage- und einer auf der Nebenklägerseite stehen. Ignat S. könne sich nicht vom Anwalt seines Vertrauens, nämlich Krümberg, vertreten lassen, argumentierte der neue Verteidiger des 30-jährigen Goldenstedters. Deswegen wollte er beide Verfahren wieder trennen.

Damit biss er jedoch auf Granit bei der Richterin, die eben auf die Prozessökonomie und darauf, die Zusammenfassung beider Verfahren zu einem mit allen Beteiligten abgesprochen zu haben, verwies. Krümberg hatte im Vorfeld auch zugestimmt, seine Meinung jedoch inzwischen geändert.

Nachdem die Richterin das Ansinnen auf Trennung der Verfahren abgelehnt hatte, stellte der Verteidiger von Ignat S. einen Befangenheitsantrag gegen die Juristin, dem sich Krümberg und der Vertreter des zweiten Opfers, Metodi S., anschlossen.

Die Richterin kündigte eine Entscheidung des Amtsgerichts über diesen Antrag bis zum 25. Oktober an. Dann ist der dritte der insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess wird am Dienstag mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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