Tierschädel hängen in Seilen

Verhängnisvolle Verstrickungen: Jäger machen merkwürdigen Fund

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Bizarres Fundtsück: Reiner Seeger, Leiter des Hegerings Ahlhorn, zeigt das Knäuel aus skelettierten Geweihen, Stricken und Astwerk.

Sage – Von Gero Franitza. Es ist ein bizarrer Gegenstand, den Reiner Seeger da präsentiert: Zwei skelettierte Tierschädel, offensichtlich umwickelt mit jeder Menge Plastikseilen.

Das eigenartige Ensemble wird gehalten von einigen Ästen. Was aussieht wir ein makaberes Kunstwerk, hat tatsächlich einen traurigen und letztlich gewaltsamen Hintergrund.

Seeger ist 57 Jahre alt und seit rund 35 Jahren Jäger. Seit 13 Jahre leitet er bereits den Hegering Ahlhorn. Solche Funde sind ihm leider nicht ganz fremd. „Das kommt bei Hirschen immer wieder mal vor“, berichtet er. Problem in diesem Falle sei, dass insbesondere junge Tiere gerne mit ihren Geweihen an Büschen oder ähnlichem herumspielen. Dabei passiere es leider gelegentlich, dass sich etwas darin verfängt, oder die Tiere stecken bleiben. In diesem Fall habe dies allerdings einen ganz eigenständigen Ausgang genommen.

Bei dem Material handelt es sich vermutlich nicht um achtlos weggeworfenes Tauwerk, meint Seeger. „Wenn man genau hinsieht, kann man Drahtlitzen darin erkennen.“ Solche Schnüre, Seile und Stricke, von robusten Metallfäden durchsetzt, finden unter anderem in Elektrozäunen Verwendung. Und diese werden in der Gegend wiederum gerne dazu genutzt, um Pferdekoppeln abzusperren. „Den Haltern ist da aber kein Vorwurf zu machen“, unterstreicht der Hegeringleiter allerdings. Diese müssten ihre Weiden ja schließlich sichern. Falls Spaziergänger jedoch auf lose Seile und ungespannte Zäune stoßen, sollte sie dies ruhig bei einem Jäger melden, bittet der Sager um Mithilfe.

Gleichwohl sei natürlich darauf zu achten, dass die Verstrebungen straff gespannt sind und dies auch bleiben: „Dann können sich die Tiere nicht darin verheddern.“ Genau das sei aber zumindest einem jungen Hirschen widerfahren. Was danach passiert ist, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Offenbar hat sich der erste Hirsch – Seeger schätzt das Alter auf rund zwei Jahre – anschließend mit einem gleichaltrigen Artgenossen „gekabbelt“. Das sei ein normales, spielerisches Verhalten bei diesen Tieren in diesem Alter. Offenbar hat sich der Kontrahent dann in dem Tauwerk verfangen – und konnte sich nicht mehr daraus befreien. „Die Hirsche haben sich wohl gegenseitig stranguliert“, vermutet der Jäger. Seite an Seite seien sie danach verendet.

Die Überbleibsel hatte Marco Lueken während einer Genossenschaftsjagd im Bereich „Im Sande“ bei Sage im Unterholz gefunden. „Er ist ein sehr aufmerksamer Treiber“, lobt Seeger. Der Hegering richtet seit einigen Jahren immer regelmäßig vor Silvester eine solche Jagd aus. Aufgrund des Zustandes der Knochen lasse sich darauf schließen, dass die Tiere schon recht lange dort gelegen haben und daher bereits vollständig verwest waren.

So bedauerlich der Vorfall im Einzelnen auch ist: Der Hirschbestand habe sich – nicht zuletzt aufgrund der Arbeit des Hegeringes – in den vergangenen Jahren stetig verbessert, berichtet Seeger. Wilderei schließt er in diesem Zusammenhang aus. Das sei im Bereich des Hegerings noch nicht vorgekommen. Was aber nicht heißt, dass es diese im Landkreis nicht gibt: Jagdkollegen aus Wardenburg berichteten ihm, dass Wilderer dort Schlingen ausgelegt haben, um Wild zu erlegen. Das ist allerdings strengstens verboten: Die Tiere erleiden dadurch einen langsamen und qualvollen Tod.

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