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„Die Partnerschaft am Leben erhalten“ – erneuter Besuch im Ahrtal

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Von: Gero Franitza

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Ein bunt bemaltes Haus  mit einem Transparent.
Auch Monate nach der Katastrophe gilt: „Aufgeben ist keine Option.“ © Hüwelmann

Unterstützer aus Großenkneten haben ein gutes halbes Jahr nach der Flutkatastrophe erneut Dernau im Ahrtal besucht. Dort wird weiter Hilfe benötigt.

Großenkneten/Ahlhorn/Dernau – Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Südwesten ist gerade mal ein gutes halbes Jahr her. Die Zerstörungen und Tragödien, die das verheerende Unwetter ausgelöst hat, finden sich immer seltener in den Schlagzeilen wider. Für die Menschen vor Ort, die Unbeschreibliches erlebt und durchlitten haben, sind die Ereignisse im Juli vergangenen Jahres nicht vergessen.

Sie sind nach wie vor Teil ihres Alltages.

Nicht vergessen hat sie eine große Zahl an Unterstützern, die weiterhin benötigte Hilfe leistet – und das auf vielfältige Art und Weise. Dazu zählt auch eine Gruppe aus der Gemeinde Großenkneten: Dort hatten sich der Heimatverein Baumweg-Lethe und die vier Bürgervereine zusammengetan, um Geld für den Ort Dernau (Landkreis Ahrweiler) zu sammeln und praktische Hilfe zu organisieren (wir berichteten). 50.000 Euro hatten die Großenkneter zusammengetragen und an Ortsbürgermeister Alfred Sebastian übergeben. Vergangene Woche hat sich eine fünfköpfige Gruppe aus dem Nordwesten erneut auf den Weg in den Ort gemacht, sich mit Sebastian getroffen und über den Stand der Dinge vor Ort informiert.

Hoffnung und Zerstörung nebeneinander: Impressionen aus dem 1600-Einwohner-Ort Dernau im Ahrtal.
Hoffnung und Zerstörung nebeneinander: Impressionen aus dem 1600-Einwohner-Ort Dernau im Ahrtal. © Hüwelmann

Viele Spenden - aber Hilfe wird weiterhin benötigt

Um es gleich zu benennen: Hilfe werde weiterhin benötigt, berichtet Großenknetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke von der Fahrt. Er ist zusammen mit dem Ersten Gemeinderat Klaus Bigalke sowie dem Initiator der Aktion Heiner Hüwelmann und Gerd Engelmann vom Heimatverein Baumweg-Lethe und Samuel Stoll vom Bürgerverein Ahlhorn in den Südwesten gefahren. Die Gesamtsumme der in Dernau eingegangenen Spenden klinge zunächst einmal erstaunlich hoch, so der Rathauschef weiter: Rund 1,7 Millionen Euro haben unterschiedliche Spender für das 1600-Einwohner-Dorf gesammelt. Geld, das benötigt werde: Zwar erhielten Einwohner, die eine Elementarschadenversicherung abgeschlossen hatten, zusammen mit Landesmitteln 100 Prozent ersetzt, ohne immerhin noch 80 Prozent. Doch, so Schmidtke, gebe es Leute, die dennoch durch das Raster gefallen sind. „Für die ist das Geld da“, sagt er. Der Ortsrat Dernaus könne frei über die Mittel verfügen und nach eigener Maßgabe vergeben.

Die Atmosphäre in Dernau sei teils recht ungewöhnlich gewesen: Zerstörte oder leer stehende Häuser gebe es dort weiterhin, manche müssten noch abgerissen werden. Die Kinder gehen in anderen Orten in die Kita. Manche Einwohner sind in höhere Lagen gezogen, andere haben dem Ort ganz den Rücken gekehrt. „Das Leben verläuft da anders“, so Schmidtke. Doch habe diese Situation an anderer Stelle unerwartet Positives geschaffen: So hätten die Malteser in der Ortsmitte ein Containerdorf für die Senioren aufgebaut und dieses schön hergerichtet: „Die wollen da gar nicht wieder weg“, berichtet Schmidtke begeistert. Er hatte das Gefühl, dass die Menschen, denen sie auf der Straße begegnet sind, inzwischen gut mit der Situation umgehen können. „Alle waren freundlich und herzlich“, beschreibt er die Begegnungen.

EIn Gruppe Männer steht vor einem Kleinbus.
Besucher aus dem Nordwesten: Klaus Bigalke (Erster Gemeinderat), Samuel Stoll (Bürgerverein Ahlhorn), Heiner Hüwelmann und Gerd Engelmann (Heimatverein Baumweg-Lethe) sowie Bürgermeister Thorsten Schmidtke (v.l.). © Hüwelmann

Eine Kuriosität: Es gebe großes Interesse an Bauplätzen in der Gemeinde, sogar mehr Nachfragen, als die kleine Gemeinde bewältigen könne. Aufgrund der Hochwassersituation werde es zudem künftig schwieriger, geeignete Areale zu finden. Die Infrastruktur in der bereisten Region – mit Ausnahme der Bahngleise und einiger Brücken – sei in weiten Teilen wieder hergestellt. Musste sich eine Delegation aus Großenkneten bei einem Besuch im August noch „über atemberaubende Wege“ eine Route nach Dernau suchen, sei es diesmal normal verlaufen.

Auf dem Heimweg haben sich die Großenkneter schon Gedanken gemacht, wie man künftig weiter helfen kann, sagt Schmidtke abschließend. Neben Spenden werden vor allem – wenn denn die Masse der Helfer aus dem Ahrtal abgerückt sein wird – vor allem sehr viele Handwerker für den Wiederaufbau benötigt. „Wir wollen versuchen, Unternehmen mit ins Boot zu holen“, erläutert der Bürgermeister. Und nicht nur die: „Auf der Rückfahrt sind uns etliche Handwerker im Ruhestand eingefallen, die helfen könnten.“ Das Ziel sei letztlich, mehr als nur Spendengelder zu übergeben: „Wir wollen die Partnerschaft am Leben erhalten.“

Spenden werden weiterhin entgegengenommen: IBAN DE11280662140258461101, Stichwort: „Hochwasser-Katastrophe Vereine“.

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