Unstimmigkeiten im Rathaussaal

Umweltausschuss tagt in Großenkneten: „Kornkraft“ stößt auf Unzufriedenheit

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Muss diese Ackerfläche an der Sannumer Straße einem Hochregal- und Tiefkühllager des Großhändlers „Kornkraft“ weichen? 

Am Donnerstagabend hat sich der Planungs- und Umweltausschuss über die Erweiterung des Bio-Großhändlers „Kornkraft“ beraten. Einige Einwohner waren dazu gekommen.

Großenkneten - Der Sitzungssaal des Rathauses Großenkneten war am Donnerstagabend rappelvoll. Die Einwohner waren neugierig und wollten erfahren, wie der Planungs- und Umweltausschuss der Gemeinde mit der Erweiterungsplanung des Bio-Großhändlers „Kornkraft“ in Hosüne umgeht. Gerade einmal eine Stunde dauerte es, bis sie den Raum auch schon wieder verließen, nachdem sie sich die Abstimmung der Ratsmitglieder angehört hatten. Die Mehrheit hatte der Änderung des Flächennutzungsplans und der Aufstellung des Bebauungsplans zugestimmt. Lediglich die AfD war dagegen. Die Firma „Kornkraft“ sucht nach einer geeigneten Fläche, um sich zu erweitern. Auf diesem Areal sollen ein Hochregal- und Tiefkühllager entstehen. Die Fläche dafür hat das Unternehmen an der Sannumer Straße (K 242) in Sannum gefunden (wir berichteten).

Wäre es nach der AfD gegangen, wären das Thema gar nicht beraten worden. Dierk Horstmann von der Aprtei legte dem Ausschuss einen Eilantrag vor, in dem er forderte, die Punkte „Aufstellungsbeschluss Gewerbegebiet Sannumer Straße Nord“ sowie „Bebauungsplan Gewerbegebiet Sannumer Straße Nord“ von der Tagesordnung zu nehmen. Er fühlte sich unzureichend über die Planung informiert und beschwerte sich in seinem Schreiben darüber, dass kein Lärmschutzgutachten vorliege. Dieser Antrag wurde jedoch von den restlichen Mitgliedern abgelehnt.

Während der Einwohnerfragestunde ging es emotional und hitzig zu. Die Bürger stellten einige Fragen und fühlten sich von den Antworten eher unbefriedigt. Aber auch Bürgermeister Thorsten Schmidke zeigte sich nicht erfreut über das Verhalten der Einwohner: „Den Flyer, den ich von einer Bürgerinitiative zufällig in die Hand bekommen habe, finde ich unfair. Da stehen so viele Unwahrheiten drauf und Dinge, die so nie gesagt wurden“, ärgerte er sich über das Flugblatt der „Dorfkraft“.

„Auf welchen Grundlagen/Unterlagen wird die Entscheidung für das neue Gewerbe- oder Industriegebiet getroffen?“, fragte Anwohner Olav Bruns. Der Ausschussvorsitzende Heiner Bilger sagte dazu: „Heute geht es um den Startschuss. Erst einmal muss das Gutachten erstellt werden, dann gibt es eine Auslegung.“

Ein weiterer Bürger meldete sich mit einer skeptischen Einschätzung: „Ich habe von dem Projekt in der Zeitung gelesen und mich gefragt, warum das Gewerbegebiet an der Sannumer Straße gebaut werden soll. Warum will sich Kornkraft gerade dort erweitern? Warum machen Sie so ein finanzielles Experiment für die Gemeinde, obwohl andere Flächen logistisch besser geeignet wären?“ Bürgermeister Thorsten Schmidtke beantwortete die Frage wie folgt: „Kornkraft“ habe in Huntlosen mit einem Sack Kartoffeln angefangen. Die Firma fühle sich dem Ort verbunden und wolle in Huntlosen bleiben.

So sieht das jetzige Hochregallager von „Kornkraft“ in Hosüne aus. 

Anwohnerin Christiane Reuter-Wetzel stellte die Frage: „Wieso wird diese wichtige Ackerfläche geopfert?“ Schmidtke antwortete: „Kornkraft ist eine Firma mit 160 Beschäftigten. Sie hat den Bedarf, sich zu verändern, und im Namen der Wirtschaftsförderung dürfen wir den Wunsch auch annehmen.“ Es gab jedoch nicht nur Gegenstimmen von den Anwohnern. Der Vorsitzende des Bürgervereins Huntlosen, Josef Spreckelmeyer, sagte dazu: „Ich sehe dem positiv entgegen. Es muss die Möglichkeit geben, dass sich so ein großes Unternehmen weiterentwickeln kann.“ Darauf folgte aber gleich wieder eine Gegenstimme von Mauritz von Strachwitz: „Wann wurde uns gesagt, dass dort ein Hochregallager hinkommen soll?“ Schmidtke meinte dazu, dass den Bürgern die Informationen zu den Planungen vorlagen. Und dass ein Hochregallager mit zehn Metern Höhe nicht viel höher sei als ein normales Einfamilienhaus mit neun Metern.

Nach circa 30 Minuten beendete der Ausschussvorsitzende Bilger die Einwohnerfragestunde. Zum Unverständnis der Anwohner, die eine Verlängerung gefordert hatten. Der Bürgermeister machte ihnen aber das Angebot, dass sie ihre Fragen einreichen können.

Danach sprach der Rat über das geplante Gewerbegebiet „Sannumer Straße Nord“ an der K 242. Dazu wurden die Entwürfe für eine Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines Bebauungsplanes vorgestellt, die sich auf der Tagesordnung fanden. „Das Grundstück ist verfügbar und es ist optimal an das Verkehrsnetz angebunden“, sagte Schmidtke. Andrea Naber von der CDU meinte: „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Wir wollen Kornkraft nicht verlieren. Es ist ein Familienunternehmen aus Huntlosen. Auf der anderen Seite verlieren wir dadurch wichtiges Ackerland. Ich kann die Anwohner verstehen, sie werden schließlich auch belastet.“ Zudem war sie der Meinung, dass Kornkraft sich bestimmt gut überlegt hatte, ob es die Kosten stemmen könne. Aus diesem Grund stimmte sie der Bauplanung zu.

Andrea Oefler von der SPD sah den Entwicklungsplänen der Firma positiv entgegen: „Wir finden, dass das Unternehmen eine Chance verdient hat.“ Ihr Parteifreund Bilger ergänzte: „Wir wollen einem Aufstellungsbeschluss zustimmen und die Gutachten haben, die veröffentlicht werden, damit alle auf demselben Stand sind.“  lat

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