Kirchenparlament hat die Schließung der traditionsreichen Jugendeinrichtung bestimmt

Synode wendet sich vom Blockhaus ab

Die Synode will es so: Das Blockhaus Ahlhorn wird es nach rund 70 Jahren so nicht mehr geben.
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Die Synode will es so: Das Blockhaus Ahlhorn wird es nach rund 70 Jahren so nicht mehr geben.

Ahlhorn/Oldenburg – Am Ende waren alle Unterstützungsbekundungen und Bitten im Vorfeld umsonst: Die 49. Synode der evangelischen Kirche Oldenburg hat am Donnerstag mit großer Mehrheit beschlossen, sich nach 70 Jahren von ihrem traditionsreichen Jugendheim, dem Blockhaus an den Alhorner Fischteichen, zu trennen. 38 Synodale stimmten dem Antrag zu, 16 dagegen. Es gab vier Enthaltungen. Damit ist das völlige Aus für die Einrichtung zu diesem Zeitpunkt mehr als wahrscheinlich. Bisherige Verhandlungen mit Übernahme-Interessenten waren gescheitert, der Ausgang noch laufender Verhandlungen ist ungewiss.

Sollten auch diese Hoffnungen platzen, werden 24 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Pläne des „Gemeinsamen Kirchenausschusses“ sehen im Extremfall sogar den Abriss der kompletten Anlage vor. Diese war noch vor rund fünf Jahren für eine Summe von knapp sechs Millionen Euro erweitert worden (wir berichteten). Die negative Bilanz des Hauses änderte sich dadurch jedoch nicht. Noch für dieses Jahr rechnet die Landeskirche mit einem Zuschussbedarf von insgesamt 786 000 Euro. Die Pandemie hatte die Nutzerzahlen einbrechen lassen. 2018 zählte das Blockhaus mit seien 180 Betten nach Angaben aus Oldenburg noch 30 000 Übernachtungen.

Finanzielle Erwägungen gaben auch den Ausschlag der Kirchenleitung, sich nun von dem Blockhaus trennen zu wollen. Das ist so auch dem offiziellen Bericht der Landeskirche über den Tagesordnungspunkt auf ihrer Internetseite zu entnehmen. Mit „Blick auf die zukünftige Handlungsfähigkeit der Kirche in Oldenburg, die sich auch an den finanziellen Spielräumen festmachen lassen muss, mussten und müssen die verschiedenen Arbeitsfelder miteinander ins Gespräch gebracht werden“, wird Bischof Thomas Adomeit darin zitiert. Dazu gehöre auch die Frage nach dem aktuellen Stand und der Zukunftsfähigkeit des Blockhauses Ahlhorn. Offenbar hatte die Kirchenleitung bereits im Vorfeld mit einer Zustimmung zu ihren Plänen gerechnet: Die juristische Oberkirchenrätin Dr. Susanne Teichmanis hatte laut Bericht der Landeskirche den Synodalen die Konsequenzen der Schließung auseinandergesetzt. Das „Beendigungsszenario“ ziehe einen Rückbau in Betracht und kalkuliere weiterlaufende Verpflichtungen mit ein, sagte sie. Dazu gehörten auch Verhandlungen mit den Niedersächsischen Landesforsten, denen der Grund und Boden gehört. „Gespräche dazu seien schon terminiert, aber bewusst noch nicht vor einer Entscheidung der Synode begonnen worden“, wird sie auf der Internetseite der Landeskirche zitiert.

„Heute ist kein schöner Tag“, sagte Thorsten Schmidtke auf Anfrage unserer Zeitung, „das ist sehr enttäuschend.“ Der Bürgermeister der Gemeinde Großenkneten hat als Synodaler an der Sitzung des Kirchenparlamentes teilgenommen. Die Schließung sei ein „herber Verlust“, konstatierte er für sich, „man wird feststellen, dass das ein großer Fehler war.“ Gerade während der Pandemie werden vielen solcher Einrichtungen schließen müssen, meinte Schmidtke. In Nach-Corona-Zeiten werde wieder ein hoher Bedarf an Jugendeinrichtungen wie dem Blockhaus bestehen. Drei Stunden habe die Diskussion gedauert, dabei seien gute Argumente zugunsten des Heimes vorgebracht worden. Doch sieht er in der Entscheidung einen Generationenkonflikt: Insbesondere die jüngeren Synodalen hätten den Erhalt des Blockhauses als unbedingt notwendig erachtet. Die Älteren hätten eher an sich und ihre Kirchengemeinden vor Ort gedacht. Den Rettungs-Möglichkeiten, wie er sie zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Bley noch am Tag vor der Synode aufgetan hatte (wir berichteten), sei von der ablehnenden Seite kein Vertrauen geschenkt worden. Mit dem Beschluss habe man vielen Menschen in der Gemeinde „vor den Kopf gestoßen“, fand Schmidtke. Dirk Faß, Vorsitzender des von ihm initiierten Fördervereins des Blockhauses, hat die Nachricht über den Beschluss tief getroffen. Er sei sehr traurig, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Der Förderverein sei jetzt quasi nutzlos und könnte aufgelöst werden. Es stelle sich nun die Frage, wie ein weiteres Engagement in der evangelischen Kirche noch aussehen könne.

Folgende Punkte hat die Synode laut Bericht in Bezug auf das Blockhaus getroffen:

.  Die Landeskirche zieht sich aus der Trägerschaft des Blockhauses Ahlhorn zurück.

.  Der Oberkirchenrat wird beauftragt, die Kosten für die Schließung und Abwicklung sowie Rückbau zu ermitteln, einen Zeitplan zu erstellen sowie ein betriebswirtschaftliches, organisatorisches und rechtliches Umsetzungskonzept zu entwickeln und umgehend mit der Umsetzung zu beginnen. Im Falle eines notwendig werdenden Rückbaus wird die Synode beteiligt.

.  Dies gelte „unbeschadet des Führens von Übernahmeverhandlungen mit anderen Trägern“ unter Einschluss möglicher Kooperationen oder Beteiligungen der Landeskirche.

.  Für die betroffenen Mitarbeitenden ist unter Sicherung der sozialen Belange wie auch Würdigung ihrer langjährigen Verbundenheit auf der Grundlage des geltenden Rechts (Sicherungsordnung der Konföderation) „eine möglichst einvernehmliche Lösung“ anzustreben.

.  Der Oberkirchenrat wird beauftragt, dazu zur dritten Tagung der 49. Synode über den Umsetzungsstand zu berichten.  fra

Alle Gebäude müssten im Extremfall abgerissen werden.

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