22-jähriger Iraker vor dem Schwurgericht

Elf Stiche in Hals und Oberschenkel

Symbolbild: dpa

Ahlhorn/Oldenburg - Wegen versuchten Mordes muss sich seit Dienstag ein 22 Jahre alter Flüchtling aus dem Irak vor der Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichtes verantworten.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, am 28. November vergangenen Jahres in Ahlhorn eine 19 Jahre alte Landsmännin mit elf Messerstichen in Hals und Oberschenkel niedergemetzelt zu haben. Es soll sich um eine brutale Beziehungstat handeln. Das Opfer hatte schwer verletzt überlebt, ist heute aber immer noch nicht verhandlungsfähig. Deswegen kann die junge Frau auch nicht am Verfahren teilnehmen. Sie wird von einer Anwältin vertreten.

Der Angeklagte räumte den äußeren Sachverhalt ein, will sich an die Tat selbst aber nicht erinnern können. Er behauptet, mit der 19-Jährigen verheiratet zu sein. Dazu legte er eine Heiratsurkunde vor. Auch sollen DVDs von der Hochzeit existieren, die die 19-Jährige in einem weißen Kleid zeigen.

Bezüglich der angeblichen Ehe gibt es aber widersprüchliche Angaben. Zumindest soll dem möglichen Zusammenschluss eine Freiwilligkeit der Frau nicht zugrunde gelegen haben. Fest steht, dass beide zusammen im Oktober nach Deutschland gekommen waren. Bei der Registrierung soll sich die 19-Jährige für ihre jüngere Schwester ausgegeben haben. Danach soll sie erst 14 Jahre alt gewesen sein. Sowohl der Angeklagte als auch die junge Frau wurden auf verschiedene Unterkünfte verteilt. Später lebte die 19-Jährige bei ihrer Schwester in Ahlhorn, wo sie die achte Klasse einer Schule besuchte.

Der Angeklagte war in Schwanewede untergekommen. Von der Frau, mit ihr verheiratet oder nicht, konnte und wollte er nicht lassen. Die 19-Jährige jedoch wollte keine Beziehung. Am Tattag war der Angeklagte von Schwanewede aus mit dem Fahrrad nach Ahlhorn gefahren. Er wollte die 19-Jährige zur Rede stellen. Im Flur des Mehrfamilienhauses hatte er ihr aufgelauert.

Seine „Frau“ habe nun zu ihm gesagt, sie wolle für ihn in Zukunft nur noch den Status einer Schwester haben, so der 22-Jährige. Dann passierte es. „Was ist jetzt passiert?“, fragte der Angeklagte am Dienstag. Die Anklage wusste es. Mitleidig und zutiefst verabscheuungswürdig habe der 22-Jährige aus verletzter Eitelkeit auf die Frau in direkter Tötungsabsicht eingestochen. Diese niedrigen Beweggründe stünden auf tiefster Stufe, so die Anklage. Nach der Tat war der Angeklagte nach Bremen geflohen, wo er am anderen Tag festgenommen werden konnte. Das Verfahren gegen den Mann, der in Untersuchungshaft sitzt, ist auf sechs Verhandlungstage terminiert und wird am Freitag fortgesetzt. - wz

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