Krieg verhinderte Gedenken an Thölstedter, der bei Schlacht an einer Verletzung starb

Findlinge bei „Schnitgers Höhe“ sind stumme Zeugen

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Am mittleren Stein sollte eigentlich eine Gedenktafel für den Chaussee-Wärter „Cordes“ angebracht werden. 

Steinloge - Von Christian Hannig. Tausende Auto- und Radfahrer mögen schon eine kleine Gruppe Findlinge an der B 213 bei „Schnitgers Höhe“ (Gemeinde Großenkneten) passiert haben, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie diese einzuordnen sind.

Auf den ersten Blick könnte es sich bei der Formation in der Nähe des Dorfs Steinloge um die Reste eines Steingrabes handeln, wie es in der Region häufig zu finden ist. Doch beim genauen Hinsehen fällt ein Detail auf, das neugierig macht. In dem größten Findling befinden sich vier rechtwinklig angeordnete Vertiefungen, eindeutig Zeichen einer Bearbeitung.

Eine erste Erklärung dafür gibt die fast 80-jährige Hanna Oltmann von „Schnitgers Höhe“. Sie erinnerte sich an die mündliche Überlieferung, dass an dem Stein eine Gedenktafel befestigt werden sollte – zur Ehrung eines Chaussee-Wärters „Cordes“. Dieser versah vor mehr als 100 Jahren an der Straße nach Ahlhorn (die damals wohl noch Weg-Charakter hatte) seinen Dienst. Leider, so Oltmann, sei der Krieg dazwischen gekommen, und so blieb es bei der „stummen“ Steinsetzung.

Puzzle ergibt Gesamtbild

Wie bei einem Puzzle ergibt die weitere Recherche letztlich ein Gesamtbild. So findet sich auf dem Kriegerdenkmal von Steinloge der Eintrag „J. Cordes“; der Soldat fiel im Ersten Weltkrieg. Name und zeitliche Zuordnung stimmen zwar, aber die Gefallenenlisten aus jenem Krieg nennen den Namen „Cordes“ nur bezogen auf die Städte Delmenhorst und Bremen. Auf dem Kriegerdenkmal heißt es jedoch: „Steinloge (gedenkt) seinen gefallenen Söhnen.“

Damit ist die räumliche Eingrenzung des Namens gegeben. Nun lagern bei der Gemeinde Großenkneten, zuständig auch für Steinloge, zwar Meldedaten aus jener Zeit im Keller, aber diese auf den Namen „Cordes“ zu durchforsten bedeutet einen enormen Zeitaufwand.

„Cordes“ längst erloschen

Dafür sind die Kirchenbücher der dortigen evangelisch-lutherischen Kirche ein Volltreffer. Der Chaussee-Wärter hieß demzufolge mit vollem Namen „Johann Heinrich Cordes“. Er wurde am 28. August 1878 in Thölstedt geboren und kämpfte als Landwehrmann im Ersten Weltkrieg in Frankreich. Dort verlor er in einer Schlacht einen Arm. Der Soldat starb am 10. Oktober 1914 an den Folgen dieser Verletzung. In Thölstedt ist der Name „Cordes“ inzwischen längst erloschen.

Nun mag man sich kaum vorstellen, was es hieß, vor mehr als 100 Jahren an jener Straße Dienst zu tun. Damals herrschten noch sibirische Winter, und über „Schnitgers Höhe“ mögen eisige Winde sowie Schneestürme getobt haben. Johann Heinrich Cordes hatte es also durchaus verdient, dass mit einer Gedenktafel seiner gedacht wird.

Doch es blieb bei den erwähnten „stummen Steinen“. So erinnert nur sein Name auf dem Kriegerdenkmal von Steinloge daran, dass er seinen Dienst als Soldat mit dem Leben bezahlte.

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