Ann-Christin Gericks bilanziert Eingliederung von Ausländern in Großenkneten

Sozialarbeiterin setzt auf Integration unter Nachbarn

Ann-Christin Gericks

Großenkneten - Von Ove Bornholt. Wie steht es um die Eingliederung von Ausländern in der Gemeinde Großenkneten? Auf diese Frage ging Ann-Christin Gericks, seit Juni 2017 Integrationsbeauftragte der Kommune, am Donnerstagabend während einer Sitzung des Jugend-, Ordnungs- und Sozialausschusses im Rathaus in Großenkneten ein.

Gericks bezog sich auf das Integrationsprojekt „Leben im Viertel“, das zu 75 Prozent vom Bund gefördert wird. „Es soll der gefühlten Überfremdung – vor allem im Ortsteil Ahlhorn – entgegenwirken“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Kurz gesagt geht es dabei darum, Angebote für Migranten zu schaffen (Kunst- und Kochprojekte, aber auch regelmäßige Treffen), Ehrenamtliche zu unterstützen und Netzwerke zu stärken. Die Willkommenskultur soll aufgebaut und aufrechterhalten werden.

„Wir haben sehr engagierte Ehrenamtliche, es können sich aber auch noch Leute melden“, so Gericks. Besonders wichtig sei der nachbarschaftliche Kontakt von Deutschen zu Flüchtlingen und anderen Ausländern. „Es gibt Leute, die merken, dass jemand neu eingezogen ist, und einfach mal klingeln.“ Andere hätten eher Berührungsängste. So könnten Gerüchte entstehen. „Die Verwaltung kann Dialoge anregen und versuchen, die Stimmung zu steuern. Aber Zivilgesellschaft und Politik gestalten die Zukunft“, betonte Gericks. „Es ist immer besser, miteinander, statt übereinander zu reden.“ In Großenkneten klappe die Integration in der Nachbarschaft recht ordentlich, da der Migrantenanteil nicht so hoch sei, so Gericks. Laut der 25-jährigen Sozialarbeiterin ist die Lage in Ahlhorn kritischer, da es im Verhältnis nicht so viele Einheimische gibt. Teilweise existiere in dem 8 000-Einwohner-Ort eine Parallelgesellschaft.

Bei ihrer Integration stehen die Ausländer auch vor anderen Herausforderungen. „Das erste Wort, das viele lernen, ist ,Bürokratie‘“, sagte Gericks. Sie nannte daneben den Spracherwerb, der wegen teilweise geringer Vorbildung (Analphabetismus), psychischer Belastung und höherem Alter schwierig sei.

Durch mehr Eigenverantwortung und mehr Teilhabe am gesellschaftlichen sowie politischen Leben will die junge Frau die Migranten integrieren. Dabei betont sie: „Der gesellschaftliche Wandel bietet große Veränderungspotenziale, die genutzt werden wollen.“ Die Migrationsbewegungen gehen weiter, ist sich die Sozialarbeiterin sicher. Und die Neuzugewanderten brächten viele wertvolle Fähigkeiten mit.

AfD-Ratsherr Harm Rykena wollte wissen, wie viele Migranten die Angebote Gericks‘ und der Ehrenamtlichen nutzen. Einen konkreten Prozentsatz konnte die 25-Jährige nicht nennen. Aber: „Es handelt sich um eine große Zahl.“ Um die Menschen zu erreichen, sei sie auch mit Kollegen von Tür zu Tür gezogen und habe sich vorgestellt.

Auf lange Sicht ist es in Gericks‘ Augen nötig, dass die Flüchtlinge auf eigenen Beinen stehen. „Wenn sie ankommen, sind sie auf unsere Sozialhilfe angewiesen. Langfristig ist es aber das Ziel, dass sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen.“

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