Ahlhorner Schüler lernen sich selbst besser kennen - mithilfe der Polizei

Sie sind stark

Eine starke Gruppe: Die Klasse 7c der Graf-von-Zeppelin-Schule Ahlhorn während des Seminars mit Martin Klinger.

Ahlhorn - „So, und jetzt Martin“, rufen die Schüler der Klasse 7c freudig. Der lässt sich nicht lange bitten und klettert auf den kleinen Tisch. Hinter ihm stehen einige Schüler, um ihn aufzufangen. „Seid ihr bereit?“, fragt Martin. „Bereit“, antworten die Mädchen und Jungen. Dann schließt er die Augen und lässt sich langsam nach hinten wegkippen. Sacht fangen die Schüler den Zwei-Meter-Mann auf. Martin Klinger ist kein Klassenkamerad, sondern Polizeioberkommissar aus Wildeshausen.

In den vergangenen Tagen hat er mit den vier siebten Klassen der Graf-von-Zeppelin-Oberschule ein jeweils zweitägiges Seminar zur Gewaltprävention, Persönlichkeitsentwicklung, Gemeinschaftsentwicklung und Zivilcourage abgehalten - oder besser gesagt: „durchgespielt“. Die evangelische Kirchengemeinde hat der Schule dafür ihr Gemeindehaus kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Seminar „Wir sind stark“ besteht aus 18 ganz unterschiedlichen Übungen. Unterstützt wird der Polizist, oder der „Schutzmann“, wie sich Klinger selbst bezeichnet, dabei von Schulsozialpädagogin Stefanie Kaiser, die dafür zuvor einen entsprechenden Kurs absolviert hat. Rollenspiele seien zentraler Bestandteil des Programms, berichten Klinger und Kaiser: So lernen die Kinder, frei vor allen zu sprechen, oder was es bedeutet, von einer Gruppe ausgeschlossen zu werden. Andere Übungen fördern die Zusammenarbeit und (teilweise buchstäblich) den Zusammenhalt der Klassengemeinschaft. Andere, wie eine gespielte „Abzocke“ auf der Straße, haben einen ganz praktischen Hintergrund: „Hier lernen die Schüler die vier ,L‘: Laufen, Lärm, Leute und Licht“, sagt Kaiser - sprich: das richtige Verhalten in solchen Situationen.

„Am Anfang sind die Schüler noch deutlich reserviert“, berichtet Klinger, der das Projekt in diesem Jahr an vier Schulen im Landkreis anbietet. Doch mit jeder Übung tauen die Jugendlichen spürbar auf, zeigt er sich begeistert von dem Engagement. „Sie müssen warm werden mit sich und mit der Polizei“, beschreibt er den Prozess. Und das Bild des Beamten wandele sich dabei ebenso. „Wenn sonst ein Polizist in der Schule vorbeikommt, ist etwas vorgefallen“, gibt Schulleiter Dirk Richter zu bedenken. Die Übungen ermöglichten es den Kindern, sich über alltägliche Situationen bewusst zu werden, lobt er. Nach vier bis sechs Wochen besucht Klinger die Klassen noch einmal zu einer Nachlese: Welche Übungen waren gut, welche sollen vielleicht noch einmal wiederholt werden - vor allem: Was hat das Seminar mit den Schülern gemacht?

Und nicht nur der Polizist, der ein spürbar freundschaftliches Verhältnis zu den Schülern aufgebaut hat, lässt sich an diesem Morgen auffangen - auch Schulleiter Richter und Klassenlehrerin Theresa Merz vertrauen den Schülern ebenso und machen bereit mit.  fra

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