150 Teilnehmer eines Trauermarsches kritisieren Ende des Blockhauses Ahlhorn

Schließung „weder christlich, noch kirchlich“

Ein Mann spricht in ein Mikrofon.
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Deutliche Worte: Dirk Faß kritisierte die Entscheidung der Landeskirche.

Ahlhorn – Die Kundgebung war als Trauermarsch angekündigt – und tatsächlich waren viele der rund 150 Teilnehmer schwarz gekleidet. Und – das wurde später insbesondere in den Redebeiträgen und den Reaktionen darauf deutlich – viele der Frauen und Männer waren traurig. Traurig darüber, dass das Blockhaus Ahlhorn, das traditionsreiche Jugendheim an den Ahlhorner Fischteichen, zum 1. Juni geschlossen worden ist (wir berichteten). Aufgerufen zu der Kundgebung hatte der Förderverein des Blockhauses Ahlhorn. Initiator Dirk Faß, ehemaliger Vorsitzender des Zusammenschlusses, hatte zu der beim Landkreis Oldenburg angemeldeten und von der Polizei begleiteten Kundgebung mit 50 Teilnehmern gerechnet.

Vom Parkplatz „Am Karpfen“ zog die Gruppe dann vor das geschlossene Tor des Blockhauses am Helenensee. Faß verteilte einige historische Bilder der Einrichtung, die bereits kurz nach dem Kriegsende an die evangelische Landeskirche übergeben worden war. Er dankte den Anwesenden, dass sie mitgekommen seien, um Abschied zu nehmen: „Nicht nur von einer einmaligen Einrichtung, sondern von einem einmaligen Ort“, so Faß. Einem Ort, der vor fast 75 Jahren „zum Wohle der Jugend“ geschaffen worden war. „Wie schnell hat man das vergessen, wie schnell hat man die Jugend aus den Augen verloren, wenn man als Oberkirchenrat nicht wirtschaften kann und Millionen zum Fenster hinauswirft.“

Faß sparte nicht mit Kritik: Die Persönlichkeiten, die das Blockhaus damals aus der Taufe gehoben haben, würden sich „im Grabe umdrehen“, wenn sie sähen, wie „banal der Oldenburgische Oberkirchenrat mit etwas umgeht, das mit dem segensreichen Wirken der Mitarbeiter über Jahrzehnte gewachsen ist“. Und die mehr als 20 Angestellten würden, so Faß, als Dank für ihre langjährige Treue „für zwölf Monate an eine Bremer Transfergesellschaft verhökert“. Seine Kritik gipfelte in einer Forderung: „Lieber Bischof Adomeit, nehmen Sie Ihren Hut und nehmen Sie Ihre versammelte Mannschaft um sich herum gleich mit. Sie sind weder christlich, noch kirchlich, sondern kaltschnäuzig.“ Dann ergriff Pastor i.R. Michael Munzel das Mikrofon, und auch er fand eindeutige Worte der Missbilligung: „Das Blockhaus ist das Herzstück der Oldenburgischen Kirche“, sagte der Vorsitzende des Fördervereins. Doch habe die Landeskirche „einen Traditionsbruch beschlossen“, so der Geistliche: Kurz vor dem 75. Geburtstag der Einrichtung werde „Geschichte abgewickelt“. Diese „menschengemachte“ Schließung sei „aus theologischer Sicht eine Sünde“.

Fassungslosigkeit und Enttäuschung

Auf einer nahen Freifläche konnten sich dann die Teilnehmer des Trauermarsches in einem großen Kreis zu Wort melden. Erster war Wilfried Fürlus aus Jever, ehemaliger Leiter einer Kindertagesstätte. Er kennt das Blockhaus seit seiner Konfirmandenzeit in den 1960er-Jahren und hat es immer wieder besucht. Die Schließung „schmerzt total“, sagte er. Die konstruierte Konkurrenz zwischen Ahlhorn und dem kirchlichen Bildungshaus in Rastede habe dem Jugendheim „den „Todesstoß versetzt“. „Ahlhorn hat mehr zu bieten“, sagte Fürlus hörbar enttäuscht. Er habe mit Synodalen gesprochen, die seinerzeit über den Rückzug aus der Kirche mit abgestimmt haben – darunter seien Personen gewesen, die das Blockhaus gar nicht kannten. „Wütend und erschüttert“ zeigte sich Uwe Röver aus Oldenburg. Wie die Kirche mit ihren Mitarbeitern umgegangen ist, sei „ein Skandal“. Er erinnerte daran, dass „diese gleiche Kirche“ vor einigen Jahren mehrere Millionen Euro an der Börse „verzockt“ habe.

Mit seiner Enttäuschung war Röver nicht alleine: „Früher war hier immer Leben“, sagte Bernd Tabeling aus Beverbruch – der Senior war seinerzeit lange Fischmeister an den Ahlhorner Teichen. Die jetzige Situation mache ihn „wütend, ohnmächtig und fassungslos“. Eduard Hüsers, Kreistagsabgeordneter der Grünen, merkte an, dass sich der Kreistag einstimmig für eine Weiterentwicklung des Blockhauses in den Bereichen Bildung und Umwelt ausgesprochen habe – und gegen jedwede kommerzielle Nutzung.

„Aus theologischer Sicht eine Sünde“: Pastor Michael Munzel übte scharfe Kritik an dem Schließungsbeschluss der Landeskirche.
Protest vorgetragen: „Kirche ohne Verständnis für unsere Jugend“ steht auf dem Plakat.
Rund 150 Teilnehmer hatten an der Veranstaltung teilgenommen und bekundeten ihren Unmut über die Schließung.

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