Angeklagter darf Führerschein behalten

Rücksichtslosigkeit vor Gericht nicht nachweisbar

Sage/Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Ein 41 Jahre alter Autofahrer muss 1 600 Euro an die Verkehrswacht bezahlen und ein Fahrsicherheitstraining absolvieren, darf aber seinen Führerschein behalten. Der Friesoyther hatte einen schweren Verkehrsunfall in Sage (Großenkneten) verursacht.

Gerade im ländlich geprägten Landkreis Oldenburg handelt es sich um eine häufige Verkehrssituation: Eine Kolonne fährt hinter einem Traktor, einige Autofahrer passen ihr Tempo an, andere – wie der Angeklagte – setzen zum Überholen an. So ereignete es sich auch am 12. Mai vergangenen Jahres gegen 18.45 Uhr kurz vor einer Linkskurve, in der der Ortseingang Sage liegt. 

Dumm nur, dass sich ein Auto auf der Gegenfahrbahn befand, dessen Fahrer ausweichen musste und das schwer beschädigt wurde. Der 41-jährige Unfallverursacher musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Wildeshausen verantworten. Die Fahrlässigkeit war unbestritten, doch die Richterin sah keine Beweise für eine Rücksichtslosigkeit. Deswegeb gab es kein Fahrverbot.

„Ich habe das entgegenkommende Auto definitiv nicht gesehen“, sagte der Angeklagte, ein gelernter Speditions- und Einzelhandelskaufmann, der sich auf dem Nach-Hause-Weg von seiner Arbeit befand. Er zerbreche sich noch heute den Kopf darüber, warum er den Škoda nicht bemerkt habe.

Dessen 47 Jahre alter Fahrer aus Großenkneten war nach rechts auf die Berme ausgewichen. Dabei war ein Reifen geplatzt, woraufhin das Auto ins Schleudern gekommen und den Traktor, der die Fahrzeugkolonne anführte, gerammt hatte. Weder der Mann, noch sein fünf Jahre alter Sohn, der sich im Kindersitz auf dem Beifahrersitz befand, wurden verletzt.

Das sei „purer Zufall“ und der Reaktion des Vaters zu verdanken, stellte die Staatsanwältin fest, die ein rücksichtsloses Verhalten des Angeklagten für den Unfall verantwortlich machte. Dabei bezog sie sich auf die Aussage des 47-Jährigen und anderer Zeugen, die gesagt hatten, an dieser Stelle, also kurz vorm Ortseingang und einer Kurve, überhole man einfach nicht. Es sei unmöglich, einzuschätzen, ob ein Auto auf der Gegenfahrbahn ist. „Es ist rücksichtsloses Verhalten, wenn man überholt, obwohl man nicht weiß, ob jemand kommt.“

Doch die Richterin ließ durchblicken, dass sie die Lage anders sieht. „Das Problem ist, wir wissen nicht, was der Angeklagte gesehen hat.“ Er müsste bemerkt haben, dass ihm ein Auto entgegenkommt, damit sein Verhalten als „rücksichtslos“ zu werten ist. Zudem verwies sie darauf, dass der Friesoyther noch nicht einmal wegen zu schnellen Fahrens aufgefallen ist.

Die Staatsanwältin lenkte ein und schlug die 1600-Euro-Zahlung an die Verkehrswacht vor. Die Richterin ergänzte das um das Fahrsicherheitstraining. Die Verteidigung stimmte zu.

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