Rainer Städing im Interview

Forstamt setzt auf Wald als nachhaltige Rohstoffquelle

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Forstwirtschaft im richtigen Maß und unter widrigen Bedingungen ist eine große Aufgabe.

Emstek/Ahlhorn – Im Jahr 1972 ist Quimburga über Europa gefegt. Der „Jahrhundertsturm“, wie ihn viele nennen, hat große Schäden angerichtet. Weite Flächen mussten neu aufgeforstet werden. Was für Folgen hatte das? Und wie geht es den Wäldern momentan?

Wir sprachen mit Rainer Städing, Pressesprecher der Forstämter Ahlhorn, Ankum, Neuenburg und Nienburg.

Herr Städing, wie ist es um den Wald bestellt?

Das Aufforsten nach dem Sturm aber auch schon die umfangreichen Nachkriegsaufforstungen haben zu vielen Monokulturflächen – überwiegend Bäume gleicher Baumart und gleichen Alters – geführt. Derzeit ist die größte Bestrebung, Mischwald zu schaffen und das, wo möglich, über Naturverjüngung. Bedeutet, dass der Wald von alleine für Nachwuchs sorgt. Die Baumsamen werden vom Wind verweht oder von Waldbewohnern eingebuddelt oder weiterverbreitet. Das ist kostengünstiger als künstliche Verjüngung und diese Bäume haben eine ungestörte Wurzelentwicklung, stehen also recht stabil. Wir nennen das biologische Automation.

Was sind derzeit weitere Herausforderungen?

Die teils katastrophalen Folgen der vergangenen beiden Sommer und somit des Klimawandels machen sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar: die Dürre und der Borkenkäfer. Dieser greift in normalen Jahren nur wenige Bäume an sonnigen Rändern an. Durch die heißen Sommer hat er sich jedoch in den Fichtenwäldern ausgebreitet. Normalerweise würden die Bäume das Tier einhartzen. Doch bedingt durch Wasserknappheit fehlte ihnen dazu die Kraft. Der Käfer bedroht knapp ein Drittel des zehnprozentigen Fichtenanteiles in der Region und wird sich auch in den kommenden Jahren noch ausbreiten.

Wo macht sich das noch bemerkbar?

In Folge der Waldschäden, schwerpunktmäßig in Südniedersachsen, ist Fichtenholz in enormen Mengen und teilweise verschlechterter Qualität auf dem Markt. Und das kommt nicht nur aus Niedersachsen. Die Wetterbedingungen haben auch in anderen Bundesländern, sowie Polen, Tschechien und Österreich zu enormem Schadholzanfall und damit einer Verstopfung der Absatzmärkte geführt. Das hat zur Folge, dass die Preise runtergehen, dem Waldbesitz fehlt dadurch das Kapital für die Wiederbewaldung. Wir versuchen, das Holz auch nach Indien oder China abfließen zu lassen. Die Lage bleibt dennoch problematisch. Es gibt Menschen, die von einem „Waldsterben 2.0“ in Anlehnung an das Waldsterben in den 1980er-Jahren sprechen. Aber wir Förster möchten nicht so weit gehen. Wir wissen, dass Wälder bei uns nachwachsen oder aufgeforstet werden.

Gibt es denn auch etwas Positives zu berichten?

Ja, fast alles, was im Forstamt Ahlhorn an Bäumen steht, wurde nach dem Sturm von 1972 aufgeforstet. Es ist normaler Wald entstanden. Der erreicht ein enormes Wachstum. Wir nutzen zwar steigende Holzmengen bei den Durchforstungen, aber die verbleibenden Zukunftsbäume reagieren mit verstärktem Zuwachs. Wir achten darauf, dass die Nutzung den Zuwachs nicht übersteigt und zukünftige Forstwirtschaft den Klimawandel im Blick hat. Dazu gehört, Bäume zu pflanzen, die mit steigenden Temperaturen zurechtkommen und auf verschiedensten Böden wachsen. Die künftigen Wälder sollen mit verschiedenen Arten und in verschiedenen Altersstufen durchmischt sein und sich immer mehr natürlich verjüngen. Dabei soll der Wald stets eine kontinuierliche Rohstoffquelle für unsere Gesellschaft bleiben.

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