Peta kritisiert Höfe in Großenkneten/Landwirt verteidigt sich: Vorwürfe falsch

Tierschützer prangern Hähnchenhalter an

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Peta kritisiert Haltungsbedingungen in Geflügelställen. Symbolfoto: dpa

Großenkneten - Von Ove Bornholt. Die Tierschutzorganisation Peta erhebt mit einem Video schwere Vorwürfe gegen zwei Hähnchenmastbetriebe in Großenkneten. Der Film zeigt verletzte und kranke Tiere, die offenbar nicht versorgt werden, und wie Arbeiter das Geflügel beim Ausstallen treten und in Boxen werfen. Doch einer der angeblich betroffenen Landwirte weist die Schuld von sich.

„Ich kann 100-prozentig bezeugen, dass das nicht unsere Tiere sind“, betonte er am Montag auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Redaktion hat sich entschieden, den Namen nicht zu veröffentlichen, um den Landwirt nicht durch – möglicherweise falsche – Verdächtigungen zu schädigen.

Seinen rund 60000 Hähnchen gehe es super, „vom Feinsten“. Die Tiere würden beim Ausstallen nicht geworfen, sondern in entsprechende Behälter hineingesetzt. Die von Peta geäußerten Vorwürfe seien falsch, so der Mann. Der andere Landwirt war am Montag nicht zu erreichen.

Die Organisation teilte hingegen mit, auf den beiden Großenkneter Höfen herrsche eine Qualzucht. Dabei „setzen die Hühner viel zu schnell und viel zu viel Fleisch (vor allem im Brust- und Beinbereich) an. Das Organsystem und der Knochenbau kommen bei diesem schnellen Wachstum nicht mit. Die Folge sind Stoffwechselerkrankungen, die zu plötzlichem Herz- oder Organversagen führen können sowie schwere Beinschäden, die zu Bewegungsunfähigkeit und Knochenbrüchen führen können“, so die Tierschützer.

Das Video ist laut Peta ein Zusammenschnitt von verschiedenen Höfen. In der Peta-Mediathek befinden sich Fotos mit der Bezeichnung „Großenkneten“. Dort ist zum Beispiel ein junger Hahn zu sehen, der aufgrund seines gebrochenen Beins nicht an die Tränke kommt. Laut dem Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung von Peta, Dr. Edmund Haferbeck, gibt es noch deutlich mehr Material, das Peta der Staatsanwaltschaft geschickt hat – auch von den Höfen in Großenkneten.

Haferbeck zufolge sind die Videos „undercover“, also ohne Erlaubnis der Stall-Besitzer, zwischen März und Juli gedreht worden. Die gezeigten Verhältnisse seien üblich in der Branche. „Solche Ausstallungsvorgänge gibt es zigmal.“ Grundsätzlich gilt, dass sich laut Tierschutzgesetz jeder strafbar macht, der einem Wirbeltier „aus Rohheit erhebliche Schmerzen“ oder „länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen zufügt“.

Neben den zwei Betrieben aus Großenkneten hat Peta noch vier andere Hühnermastbetriebe angezeigt (wir berichteten). Sie gehören laut Peta allesamt zur Sprehe-Gruppe. Diese sitzt in Lorup (Landkreis Emsland). Auf eine Nachfrage reagierte die Firma am Montag nicht. Laut dem eingangs zitierten Großenkneter Landwirt hat dieser in diesem Jahr keine Geschäftsbeziehung zu der Sprehe-Gruppe unterhalten.

Die zwei Anzeigen gegen Großenkneter Betriebe hat Peta nach eigenen Angaben am 1. September bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg erstattet. Von dort hieß es am Dienstag, dass die Staatsanwaltschaft Oldenburg wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz ermittelt.

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