Ohne Konsens funktioniert es nicht

Kreisverband der Grünen organisiert Diskussionsabend zur Zukunft der Landwirtschaft

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Debatte: Junglandwirt Dietz Wiechers, Eduard Hüsers (Kreisverband Grüne) und Georg Janßen (ABL, von links).

Großenkneten – Angekündigt war die Diskussion zwischen dem Dötlinger Junglandwirt Dietz Wiechers und Georg Janßen, seines Zeichens Bundesgeschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (ABL) als Streitgespräch.

Thema des Abends am Mittwoch im Gasthaus Kempermann in Großenkneten war nichts weniger als die Zukunft der selbstständigen Landwirtschaft. Eingeladen hatte der Kreisverband der Grünen Oldenburg-Land sowie die Kommunale Alternative Großenkneten. Knapp 60 Zuhörer waren der Einladung gefolgt. Statt handfester Auseinandersetzung gab es viel Konsens auf beiden Seiten. Ruhig im Ton trugen beide Redner ihre Punkte vor. Und die waren mitunter gar nicht mal soweit auseinander. Lösungen – das zeigte sich zum Schluss des rund zweieinhalbstündigen Gesprächs – sind zwar viele denkbar oder gar wünschenswert: Gleichwohl ist die Umsetzung alles andere als einfach.

Eine Rückbesinnung auf die – der Name des Vereins deutete es schon an – „bäuerliche“ Landwirtschaft sei für ihn ganz wichtig, sagte Janßen. Und diese sei modern. Unter dem Begriff „bäuerlich“ versteht die ABL nach eigener Definition unter anderem „Verbundenheit mit Hof, Natur und Heimat, Verantwortung für Tiere, Boden und Pflanzen, weitgehend selbstverantwortliches Arbeiten, Denken in Generationen und Kreisläufen, Arbeiten im Zusammenhang mit der Familie oder anderen engen Sozialbeziehungen“. 

Ziel bäuerlichen Wirtschaftens sei „natürlich ein möglichst gutes Einkommen“, dieses jedoch stets vor dem Hintergrund des Erhalts von Arbeitsplatz und Hof – und nicht „die kurzfristige Maximalrendite von Kapital ohne Rücksichten auf Inhalt und Standort der Produktion“. Janßen rief dazu auf, die „ideologischen Wagenburgen“ zu verlassen. Dabei sei darauf zu achten, wie man die Betriebe „mitnehmen“ könne, sodass deren Wirken gesellschaftlich akzeptabel wird. Nur ein Miteinander könne Erfolge bringen, nicht ein Gegeneinander.

Statt einer finanziellen Unterstützung für Landwirte, die sich alleine nach der Größe der Fläche richtet, propagiere der ABL ein „Punktesystem“, das eine aus ihrer Sicht gute Landwirtschaft fördert. Denn: „20 Prozent der Landwirte erhalten 80 Prozent der Zuschüsse“, rechnete er vor. Gleichwohl spiele da noch ein weiterer Faktor eine zentrale Rolle: „Wenn wir nicht den Rückenwind der Verbraucher erhalten, landen wir im Abseits“, so Janßen. Die abschließende Frage laute daher: „Wer bezahlt das?“.

„Ich habe mich in der Definition zur bäuerlichen Landwirtschaft zu 100 Prozent wiedergefunden“, sagte der 27-jährige Wiechers zu beginn seines Vortragsparts. Auf dem elterlichen Hof betreibe er „konventionelle Landwirtschaft“, unterstrich er. Im Bezug auf die Bevölkerung sei wichtig, den Laien Einblicke in die Entscheidungsprozesse der Agrar-Experten zu geben. Im Landkreis Oldenburg gebe es dazu einige Projekte, die gut angelaufen seien. Ohne Fachkenntnisse sei ein Dialog schwer, wenn nicht sogar unmöglich: „Das endet teils mit Beschimpfungen“, sagte der studierte Agrarwissenschaftler.

Die Probleme seien lösbar, wenn Landwirte, Verbraucher und Politik im respektvollen Dialog miteinander treten und dabei die neuen Erkenntnisse der Forschung berücksichtigten: „Nicht nur Monologe, wo jemand sagt, was alles falsch läuft.“ Gülle etwa sei „kein Gift, sondern ein hochwertiger Dünger“, nannte er ein Beispiel. Gebe es im Oldenburger Land davon einen Überschuss, solle er besser in Regionen gebracht werden, in denen ein Mangel daran herrscht. 

Die „Initiative Tierwohl“ könne seiner Meinung nach ruhig ausgebaut werden, so Wiechers: „Eine freiwillige Reduktion der Tierstellen bei einem Ausgleich durch den Handel? Dagegen wehrt sich doch keiner.“ Immer effizienter zu produzieren und sich auf einen Niedrigpreis-Wettkampf mit dem Ausland einzulassen führe zu nichts. Das Motto „Masse statt Klasse“ sei am Ende. Deswegen müsse es künftig „Klasse statt Masse“ heißen, so Wiechers.  

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