22-Jähriger stach mehrmals mit Messer zu

Nach Bluttat viele Jahre ins Gefängnis

Symbolbild: dpa

Ahlhorn/Oldenburg - „Dieses Einstechen hatte den Charakter eines Schlachtens.“ Im Prozess vor der Oldenburger Schwurgerichtskammer gegen den Flüchtling aus dem Irak, der am 28. November vergangenen Jahres in Ahlhorn versucht hatte, seine Ehefrau mit schwersten Messerstichen in Hals und Oberschenkel zu töten, fand der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann am Dienstag deutliche Worte. Zuvor hatte er das Urteil gegen den 22-Jährigen verkündet: Neuneinhalb Jahre Gefängnis wegen versuchten Totschlags, gefährlicher und schwerer Körperverletzung.

Vor allem die lebensgefährliche Verletzung am Hals, eine 20 Zentimeter lange und tiefe Schnittwunde, hatte den Richter gestern empört. Man habe schwer mit sich gerungen, die Tat nicht als vollendet anzusehen. Eigentlich sei sie fast vollendet gewesen, so der Vorsitzende.

Die 19-Jährige hatte einige Liter Blut verloren, es war zu einem Herzstillstand gekommen. Die Frau ist heute geistig und körperlich behindert.

Die 19-Jährige hatte sich nach Freiheit und Selbstbestimmung gesehnt. Genau das ist ihr zum Verhängnis geworden. Weil sie sich von dem Angeklagten trennen wollte, sollte sie sterben. „In Deutschland darf man sich trennen, auch als Frau“, musste der Richter dem Angeklagten deutsche Grundrechte vermitteln. Und: Jeder müsse sich an die Gesetze halten, das Grundgesetz stehe über allem, Männer und Frauen hätten gleiche Rechte.

Gemeinsam war der Angeklagte mit seiner Frau nach Deutschland geflohen. Bei der Registrierung hatte sich die 19-Jährige als 14-Jährige ausgegeben. Sie hatte gemeint, dass sie so leichter ihren schwerstkranken Vater nachholen könne. Der Unfreiheit entkommen, hatte die Frau in Deutschland das Gefühl entwickelt, selbstbestimmt entscheiden zu dürfen. Doch da hatte sie die Rechnung ohne den Angeklagten gemacht. Er war in Schwanewede untergekommen, die Frau bei ihrer Schwester in Ahlhorn. Am Tattag fuhr der 22-Jährige mit dem Fahrrad zu ihr. Das war ihre letzte Chance gewesen, Trennungswünsche rückgängig zu machen. Doch sie blieb dabei. In direkter Tötungsabsicht stach der Angeklagte jetzt zu. - wz

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